Warnung vor einem "Europa der Arbeitslosen"

Rosenheim - "Wir sind nicht irgendwer, sondern ein wichtiger und an Bedeutung zunehmender Teil der Gesellschaft, und deshalb wollen wir mitgestalten und mitarbeiten". Mit dieser klaren Ansage leitete Gastredner Josef Falbisoner, ehemaliger Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, im Kultur- und Kongress-Zentrum (KuKo) Rosenheim seinen Vortrag anlässlich des ersten "Verdi- Bezirksseniorentags" in Südost-Oberbayern ein. Rund 200 Besucher waren gekommen.

Eine Aussage zugunsten einer politischen Partei wollte Falbisoner im Wahlkampf nicht machen, forderte aber die anwesenden Verdi-Mitglieder auf, ihre jeweiligen Kandidaten für den Landtag und Bundestag gemäß der Gretchenfrage: "Sag Kandidat, wie hältst Du es mit den Senioren?" zu hinterfragen. Falbisoner machte kein Hehl daraus, dass derzeit vor lauter regierungsamtlichen Erfolgsmeldungen kaum noch wahrgenommen werde, wie es den Menschen, dem "Otto Normalverbraucher", tatsächlich gehe. Vor lauter "gefühlter Zufriedenheit werde das Wahlvolk geradezu eingelullt". Und es gehe nicht nur um die Menschen in Deutschland, sondern auch um die in Europa.

Eine der größten Baustellen ist nach Falbisoners Ansicht die Währungs- und Finanzkrise, die eigentlich eine Bankenkrise sei. Das Schlimme daran sei, dass nach wie vor nicht ernsthaft an der Bekämpfung der Ursachen der Krise gearbeitet werde, sondern nur ein Gipfeltreffen nach dem anderen puren Aktionismus vortäuschten. Sparen sei sicherlich wichtig, kann aber auch nicht die langfristige Antwort sein, denn sonst werde die Wirtschaft abgewürgt, und Europa mutierte zum "Europa der Arbeitslosen". Allein in diesem Jahre werde es in Europa 20 Millionen Arbeitslose geben. Er befürchtet, dass dies letztlich zu einer Spaltung Europas führen könnte.

Die Banken und Hedgefonds verdienten an der Krise, die Staatsschulden würden größer, und obwohl die Steuereinnahmen wüchsen, fresse die Inflation die Spareinlagen und Lebensversicherungen der "kleinen Leute" auf.

"Auf die neo-liberale Marktwirtschaft, die uns dieses Desaster eingebrockt hat und die sich von der sozialen Marktwirtschaft entfernt hat, können wir gern verzichten", betonte Falbisoner. Umfragen zeigten, dass die "Angst vor Armut im Alter" bei den Arbeitnehmern dominiere. "Der Sozialstaat ist nicht am Ende", so seine Feststellung. Er appellierte an die Teilnehmer beim Seniorentag, zur Wahl zu gehen, denn "Einmischen ist angesagt". je

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