Verdi ruft zum Warnstreik

Streik an Romed-Kliniken: 50 Mitarbeiter machen in Rosenheim auf ihre Forderungen aufmerksam

  • Michael Weiser
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Ein Signal an die Adresse der Arbeitgeber, so verstehen es die Beschäftigten: Für eine so genannte „aktive Mittagspause“ sind heute (30. September) Angestellte der Romed-Kliniken in Rosenheim, Prien, Bad Aibling und Wasserburg auf die Straße gegangen.

Update und Zusammenfassung, 16.28 Uhr:

Rosenheim – Auf einmal war da Bewegung hinter den lauschenden Klinik-Beschäftigten, eine Frau hinter den Streikenden winkte mit ihrer Krücke. Gewerkschafter Win Windisch unterbrach seine Ansprache, blickte über seine Schulter und sprach über Megaphon zu jemandem jenseits der Einfahrt: „Ich glaube, da ist eine Patientin, auf die Sie warten.“

50 Mitarbeiter bei der „aktiven Mittagspause“

Ob dieser improvisierten Dienstleistung hörte man Gelächter. Es passte zu der einigermaßen entspannten Stimmung beim Warnstreik der Gesellschaft Verdi gestern vorm Romed-Klinikum. Rund 50 Mitglieder der Belegschaft waren zum Warnstreik in Form einer „aktiven Mittagspause“ vorm Haupteingang gekommen.

Vor den Romed-Mitarbeitern äußerte sich der Rosenheimer Gewerkschaftssekretär Win Windisch ruhig, aber bestimmt. „Ich glaube, dass wir noch den ganztägigen Warnstreik brauchen werden“, sagte er mit Blick auf die dritte Verhandlungsrunde am 22. Oktober. Die Arbeitgeber zeigten kein Entgegenkommen, da müsse man nochmals ein Signal setzen.

Verdi fordert Corona-Abgabe für Reiche

Unter anderem 4,8 Prozent mehr Geld will die Gewerkschaft für die Angestellten. Die Forderungen von Verdi seien in einer reichen Gesellschaft wie der deutschen berechtigt, sagte er. „Ihr habt gezeigt, dass ihr unverzichtbar seid.“ Beispielsweise mit einer Corona-Abgabe, zu erheben von den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung, seien die Forderungen zu erfüllen.

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Dass den Beifallskundgebungen während der Hochzeit der Corona-Pandemie nun Taten in Form von Lohnerhöhungen, besseren Arbeitszeiten und Pflegezulage folgen müssten, davon sind die Streikenden überzeugt. Etwa Burkhard Becker, Stellvertretender Leiter Intensivstation in Rosenheim; er findet es nicht gerecht, „dass wir bei unserer Arbeit die Verantwortung von Ärzten tragen, aber Ärzte viel mehr verdienen“.

Coronazeit im Klinikum mit Kriegseinsatz verglichen

Seine Forderungen sieht das Pflegepersonal nicht zuletzt durch seine Leistungen auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie begründet. „Ich habe Gravierendes erlebt“, sagt etwa Barbara Kollmannsberger aus der Kardiologie. Nach einer Vielzahl von Geräteschulungen habe sie Intensivpatienten betreut. „Ich bin körperlich und seelisch massiv erschöpft“, sagt sie. Becker drückt es so aus: „Ich habe es für mich mit einem Kriegseinsatz verglichen, weil man ja einfach funktionieren musste.“

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Für die dritte Verhandlungsrunde in drei Wochen ist nach Meinung der Streikenden Nachdruck nötig. Markus Thumes, er arbeitet auf der Palliativstation, findet das erste Angebot von Arbeitgeberseite „frech und das weitere Verhalten noch frecher, weil einfach nur ,Nein‘ zu allem zu sagen auch keine Art zu Verhandeln ist“.

Romed-Kliniken äußern Verständnis für Streikende

Von Seiten der Romed-Kliniken aus äußert man sich verständnisvoll. „Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind gerade in den coronagebeutelten Zeiten wichtiger denn je und auch entsprechend stark belastet“, äußerte sich Personaldirektor Hans Daxlberger in einer schriftlichen Entgegnung auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Wir haben Verständnis für die Forderungen nach mehr Lohn. Stadt und Landkreis Rosenheim waren während der ersten Pandemie-Welle eine der am stärksten betroffenen Regionen.“

Gestreikt wurde gestern auch an den anderen Romed-Standorten. Dieter Klee, Betriebsratsvorsitzender der Romed-Klinik in Wasserburg, Prien und Bad Aibling, sprach von einem „Affront“ der Arbeitgeber in den ersten beiden Verhandlungsrunden: Sie hätten eine Forderung erhoben, die die Arbeitnehmer zusätzlich belastet hätten. Nicht einmal eine Nullrunde mit einem spärlichen Inflationsausgleich hätten sie akzeptieren wollen. „Haben wir nächstes Jahr etwas mehr Inflation, zahlen wir drauf. Das kann nicht sein“, sagte Klee. Auch in Bad Aibling und Prien gingen Angestellte in die „aktive Mittagspause“. Mit 50 Teilnehmern fand in Rosenheim die größte Kundgebung statt, bis zu zwei Dutzend Teilnehmer wurden an den anderen Standorten gezählt.

Nach Auskunft von Verdi wurden die Warnstreiks auch aus Gründen der Corona-Regeln klein gehalten. Für jede Station, jeden Bereich sei nur ein Beschäftigter gekommen, sagte Win Windisch. Es sei außerdem darauf geachtet worden, dass der reibungslose Betrieb in den Kliniken gewährleistet sei.

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Die Erstmeldung zum Warnstreik in Rosenheim:

Rosenheim (we/dpa) – Der rund einstündige Warnstreik dienst aus Sicht der Gesellschaft Verdi der Vorbereitung auf die nächste Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst am 22. Oktober. „Die Botschaft ist: Die nächste Verhandlung für den öffentlichen Dienst findet am 22. Oktober statt. Bis dahin kann es auch zu ganztägigen Streiks kommen, wenn die Arbeitgeber keine Entgegenkommen signalisieren“, sagte Gewerkschaftssekretär Win Windisch. Bislang liege kein Angebot der Arbeitgeber vor.

Warnstreik am Romed-Klinikum in Rosenheim am 30. September.

Auch wegen der besonderen Bedingungen unter Corona wird pro Station nur ein Beschäftigter am Streik teilnehmen. „Die Bürger müssen sich keine Sorgen um ihre medizinische Versorgung machen“, versicherte Windisch auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Warnstreiks in vielen Orten in Bayern

Nach den Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr am Dienstag (29. September) hatte die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten für Mittwoch zu Aktionen in Krankenhäusern in Bayern aufgerufen. An rund zwei Dutzend Orten hat es Warnstreiks, Kundgebungen und andere Aktionen gegeben.

In München hat Verdi die Beschäftigten unter anderem zu Protesten vor der Stadtratssitzung im Gasteig aufgerufen, in Nürnberg hat es eine Kundgebung vor dem Gesundheitsministerium geben. In Bayreuth war sogar ein ganztägiger Warnstreik geplant - ansonsten handle es sich in den meisten Fällen zunächst noch um Warnsignale und gezielte «Nadelstiche», sagte Kathrin Weidenfelder von Verdi am Mittwoch.

Bis Freitag weitere Warnstreiks im Freistaat

Die Patientenversorgung soll aber überall sichergestellt sein: Wo dies notwendig sei, seien mit den Arbeitgebern Notdienstvereinbarungen geschlossen worden, hieß es von Verdi. Bis Freitag soll es im Freistaat zudem Warnstreiks in weiteren kommunalen Einrichtungen wie Kitas oder Müllabfuhr geben.

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro. Mitte September war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis geblieben.

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