War es ein Wolf? Unheimliche Begegnung am Inndamm

Unheimlicher Besucher: Ist das Tier auf dem Inndamm ein Wolf?
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Unheimlicher Besucher: Ist das Tier auf dem Inndamm ein Wolf?

Raubling –Streift ein Wolf durch die Innauen bei Raubling?

Markus Buchauer fotografierte tief in der Nacht ein großes, hundeähnliches Tier. Er ist sich sicher: „Es war ein Wolf.“

Es war in der dunkelsten Stunde einer kühlen, regnerischen Herbstnacht. Am östlichen Ortsrand von Raubling, nahe der PWA-Siedlung. Zu der Uhrzeit, zu der kein Hund Gassi geführt wird, kein Jogger, kein Radfahrer seine Runden zieht. Da erlebte Buchauer seine Begegnung der unheimlichen Art: Er sah einen Wolf. Oder zumindest ein Tier, das aussieht, sich hält, läuft wie ein Wolf.

Zeichnung, Haltung, Größe – alles habe gestimmt, sagt Buchauer, 51 Jahre alt, nach eigener Auskunft mit guten Augen gesegnet. Seine Fotos sind unscharf. Die Finsternis einer Herbstnacht setzt auch einer hoch entwickelten Smartphone-Kamera Grenzen. Doch was man erkennen kann, scheint ihm recht zu geben: Was sich da am Rande des ausgedehnten Gewerbegebietes zwischen dem Inn und dem Ortskern von Raubling blicken ließ, könnte ein Wolf sein.

Markus Buchauer kommt aus Raubling, er arbeitet beim Papierproduzenten Mondi Inncoat. Buchauer hatte in der Spätschicht zu tun, machte sich aber gegen 4 Uhr morgens, weil er auch Brandschutzbeauftragter ist, in der frischen Luft auf den Weg. „Ich war auf einem Kontrollgang rund um das Firmengebäude“, erzählte er den OVB-Heimatzeitungen. „Auf einmal habe ich etwas gesehen und mir gedacht, was ist das denn für ein großes Teil?“ Buchauer zückte sein Mobiltelefon, fotografierte. „Es hatte aber eher den Anschein, als ob das Tier mich beobachtet“, sagt Buchauer, „der saß da ganz entspannt und blickte mich an.“ Seine Aufnahmen zeigen ein Tier, das am Rand des Lichtkegels sitzt, das aus den Fenstern der Produktionshalle auf den Inndamm fällt. War es unterwegs zu einer Schafherde, die hundert Meter flussaufwärts weidete?

Buchauers Fotos hat mittlerweile ein Raublinger Jäger begutachtet, der Pächter des Reviers, in dem das Tier gesichtet worden ist. Er sagt: „Bei einem Foto kann man das nie hundertprozentig sicher sagen, aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist das ein Wolf.“

Während Buchauer fotografierte, blieb das Tier ruhig sitzen, „30, 40 Sekunden lang“. Der 51-Jährige hatte sogar Zeit, einen Kollegen anzurufen. Allerdings trollte sich der Besucher Richtung Innbrücke Neubeuern, noch bevor der Kollege eintraf.

Es war nicht die erste Sichtung eines Wolfs in den vergangenen Monaten, in Bayern und Österreich häuften sich die Berichte von gerissenen Schafen. Zuletzt hatte das Landesamt für Umwelt im Juli ein Raubtier, das zwischen Traunstein und Kitzbühel über zehn Schafe gerissen hatte, als Wolf identifizieren können. Zum aktuellen Fall will sich die Behörde noch nicht festlegen.

Klagelaute ausdem Auwald

Der Jäger hat indes ein Indiz für ein Raubtier in der Gegend erkannt. „Seit einiger Zeit beobachten wir, dass man viel seltener Rehe sieht als sonst.“ Wobei das aber nicht zwingend am Wolf liegen müsse. Immerhin aber will auch Buchauer in der Nacht nach der unheimlichen Begegnung Klagelaute von einem Tier aus dem Auwald gehört haben. Ein Reh, das dem Räuber zum Opfer fiel?

Der Jäger wiederum empfiehlt dringend: „Wer mit Hund spazieren geht, soll diesen unbedingt anleinen. Der Wolf kennt da nichts.“

Michael Weiser

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