OVB-SERIE „SAFARI DAHEIM“

Waldbesitzer freuen sich über seinen Speiseplan: Trommelwirbel für den Buntspecht

Besonders auffällig beim Buntspecht ist das Rot an den Unterschwanzfedern. Hoheneder

Er ist in puncto Lebensraum nicht nur besonders anspruchslos, sondern auch ein wichtiger Helfer für Waldbesitzer: Der Buntspecht, der sich in der 103. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“ präsentiert, hat zahlreiche Schadinsekten auf seinem Speiseplan.

Von Sepp Hoheneder

Rosenheim – „Durch sein schwarz-weiß-rotes Federkleid verdient der große Buntspecht (Dendrocopos major) zu Recht seinen Namen. Er ist oberseits schwarz gefärbt und weist auf seinen Flügeln zwei große weiße Flecken auf, die Unterseite ist weiß-grau getönt. Besonders auffällig ist das Rot an den Unterschwanzfedern. Purpurrot leuchtet – aber nur bei den Männchen – der rote Hinterkopffleck.

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Hinsichtlich seines Lebensraumes ist der Buntspecht wohl der am wenigsten anspruchsvolle Specht. Optimal wäre ein Laubholzwald mit alten Buchen und Eichen mit einem hohen Totholzanteil, aber man kann ihn auch in Streuobstbeständen, Alleen, Parks und sogar – nicht so häufig – in monotonen Nadelwäldern antreffen. Waldbesitzer lieben diesen kleinen bunten Gesellen, besteht doch vieles von seiner tierischen Nahrung aus Schadinsekten, die dem Wald stark zusetzen können, wie beispielsweise dem Buchdrucker, einer Borkenkäferart.

Eine sogenannte Spechtschmiede:Der Specht hat einen Zapfen zwischen einer Astgabel eingezwickt, um besser an die Samen zu kommen.

Im Sudelfeldgebiet bemerkte ich einmal eine Bruthöhle mit schon relativ großen Jungspechten. Auf sie aufmerksam zu werden war nicht schwer, denn die Jungen verbringen ein dermaßen lautes unentwegtes Futterbetteln, dass man sie nicht überhören kann. Ich brachte mich versteckt in Position zum fotografieren.

Schnabel voller Borkenkäfer

In zwei Stunden kamen die Spechte alle fünf bis zehn Minuten und hatten ausschließlich den Schnabel voller Borkenkäfer. Aber auch andere Insekten, Spinnen und Asseln holt er unter der Rinde mit seiner klebrigen langen und mit kleinen Widerhacken ausgestatteten Zunge hervor. Weniger beliebt ist der Specht, wenn er bewohnte Nistkästen, beispielsweise von Meisen, aufhackt, um sich die Jungen einzuverleiben.

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In der kalten Jahreszeit ist er in der Lage, auf vegetarische Nahrung umzustellen, beispielsweise Nüsse, Beeren und vor allem Fichtenzapfensamen. Dazu fliegt er immer den gleichen Platz auf einem Baum an, an dem er senkrecht einen gepflückten Fichtenzapfen einzwickt, um leicht an die Samen heran zu kommen. Die Ornithologen sprechen von einer Spechtschmiede. Im Winter kann er auch mit wenig Scheu an Futterhäuschen auftauchen, um sich an Meisenknödeln und Nußstangen gütlich zu tun.

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Schon in Dezember oder im Januar erschallt der Trommelwirbel des Buntspechtes. Zwei Sekunden hält der Trommelwirbel auf einen Resonanzkörper an, der meist aus einem abgestorbenen Ast hoch in den Kronen der Bäume besteht. Aber in Häusernähe, wo man ihn auch antrifft, kann es auch mal ein geeigneter Telefonmasten oder eine Regenrinne sein – Hauptsache es klingt. Denn was dem Singvogel sein Gesang ist, ist für den Specht seine Trommlerei.

Sie ist geeignet, Rivalen an die Revierabgrenzung zu erinnern oder aber Weibchen in der Balzzeit zu beeindrucken. Dazu lässt er dann vermehrt ein scharfes „Kix“ ertönen. Da er sein Revier – außer in der Aufzuchtzeit der Jungen – auch gegen Weibchen heftig verteidigt, versteht sie ihn nicht und misstraut seinen Annäherungsversuchen. So schnell kann Frau Specht nicht von der Verfolgten in den Liebesmodus umschalten, so dass das Männchen bis zu zwei Monate in der Verfolgung des Weibchens bemüht ist, bis er endlich erhört wird.

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Ist es aber soweit, dass sie ihm endlich vertraut, zimmern beide eine Nisthöhle, wobei die Arbeit daran – je nach Holzart – zwei bis vier Wochen dauern kann. Sie wird entweder in Baumstämme oder in dicke Äste gebaut, 30 bis 50 Zentimeter tief mit genügend Platz für die Jungen und einen Altvogel. Ausser Holzspänen gibt es für die vier bis sieben ganz weiß glänzenden Eier keine Unterlage.

Nach drei Wochen flügge

Circa zwölf Tage bebrütet überwiegend das Weibchen die Eier. Die Nahrung der Nestlinge besteht am Anfang aus Blattläusen, dann Raupen und zuletzt auch aus Käfern mit hartem Chitinpanzer. Sind die Jungen nach drei Wochen flügge geworden, verlassen sie die Nisthöhle und werden von den Elterntieren nur noch eine Woche versorgt. Eine sehr seltene Erscheinung im Tierleben tritt dabei zu Tage. Die Elterntiere teilen sich die flüggen Jungspechte auf und jeder Elternteil führt nur einen Teil der Jungen völlig unabhängig vom anderen Elternvogel. Aber schon nach einer Woche verabschieden sich die Jungen in die Unabhängigkeit und leben ein selbständiges Leben.

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