Bilanz eines Schnellstarts: An Corona-Station Kiefersfelden geben Ehrenamtliche ihre Arbeit ab

Zehn Tage Dienst unter Extrembedingungen: BRK und andere Hilfsorganisationen sprangen in Kiefersfelden und Hochfelln in die Bresche.
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Zehn Tage Dienst unter Extrembedingungen: BRK und andere Hilfsorganisationen sprangen in Kiefersfelden und Hochfelln in die Bresche.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Sie sprangen ein, als der Freistaat Corona-Tests für für Urlauber beschloss. Nun war Wachablösung: Mitarbeiter des Privatlabors Eurofins hat am Dienstag (11. August) das BRK und andere Hilfsorganisationen der Region nach zwei Wochen harten Einsatzes abgelöst. Bilanz einer Aktion mit Schnellstart.

Rosenheim/Kiefersfelden – Ihr Job ist das Helfen. Und das auch unter besonderen Bedingungen. So wie vor bald zwei Wochen in Kiefersfelden. Am Montag hatte Ministerpräsident Söder die Teststationen für heimkehrende Urlauber angekündigt, am Dienstag der Ministerrat den entsprechenden Beschluss gefällt, am Mittwoch war der Starttermin bekannt gegeben worden: Donnerstag.

Söders Schnellstart: Nur 39 Stunden für Vorbereitung

„Am Dienstag haben das BRK und wir uns zusammentelefoniert“, sagt Gabriel Mayer, Geschäfts führer der Ambulanz Rosenheim. „Es hat da noch keiner richtig bescheidgewusst.“ Im Laufe des Mittwochs habe man dann geplant, „am Mittwoch Abend haben wir mit dem Aufbau angefangen.“ 

Am Donnerstag, 30 Juli, gegen 7 Uhr morgend erfolgte der erste Abstrich – „39 Stunden von den ersten Informationen bis zur Inbetriebnahme einer Teststation.“ So berichtet es Matthias Baumann, Sprecher des BRK-Kreisverbands Rosenheim.

Harter Job im Hochsommer: Die Tester sollten alle 30 Minuten abgelöst werden. Foto: BRK

DLRG, Johanniter, Malteser, Technisches Hilfswerk und Ambulanz arbeiteten zusammen, unter der Federführung des Bayerischen Roten Kreuzes. An den Kontrollstellen im Landkreis Rosenheim und im Landkreis Traunstein – an den Rastanlagen in Kiefersfelden und in Hochfelln-Nord. 

Hunderte von Tests pro Tag

Die Mission: Auf Corona testen, wer auch immer an heimkehrenden Urlaubern getestet werden wollte. Der Aufwand war groß. Über 180 ehrenamtliche Helfer hielten den Betrieb 24 Stunden täglich am Laufen, unter der Woche nahmen sie durchschnittlich 900 Tests, am Wochenende bis zu 1.850 Tests ab.

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Was das Ehrenamt noch härter machte als normal: die Hitze von bis zu 34 Grad. Für die Tester aber gab es nicht T-Shirts und kurze Hosen, sondern Schutzmaske, Visier, imprägnierten Kittel und Handschuhe. „Einer unserer Mitarbeiter hat’s ganz treffend beschrieben“, erzählt Matthias Baumann: „Wie im Skianzug.“ Aus diesem Grunde ließ das BRK die Schichtführer auf schnelles Durchwechseln achten. Alle 20, 30 Minuten löste man die Tester ab und schickte sie an die frische Luft.

Doch zu Beginn vergangener Wiche schüttete es, Hochwasser drohte, an Montag und Dienstag war das Personal von Wasserwacht und Technischem Hilfswerk wegen der Hochwassergefahr noch stärker eingespannt. Von einem „Mordsaufwand“ sprach Baumann gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Kooperation in der Region Rosenheim: Keine Rivalität unter Helfern

Was gewiss ist: Die Zusammenarbeit unter den Ehrenamtlichen läuft. „Das lief hervorragend“, sagt Matthias Baumann. „wir können stolz sein, dass das so gut funktioniert.“ Gabriel Mayer bestätigt: „Die Zusammenarbeit absolut perfekt. Besser gehts nicht.“ Die Abwesenheit von Rivalitäten habe Tradition in der Region.

Was Mayer aber überraschte, war die Reaktion der Urlauber. „Die Resonanz war hervorragend. So etwas habe ich schon lang nicht mehr erlebt.“ Die Urlauber waren vermutlich informiert, dass sich da vor allem Ehrenamtliche einsetzten. „Einer war extra aus München hergefahren, um sich zu bedanken“, sagt Mayer.

Mitarbeiter eines Labors lösten die Helfer am Dienstag ab

Am Dienstag war’s dann so weit. Über den Vormittag hin wiesen die Ehrenamtlichen die Mitarbeiter von Eurofins ein und unterstützten sie beim Aufbau der Infrastruktur.

Bleibt die Frage, warum Eurofins die Testaktion nicht gleich übernahm. Das Gesundheitsministerium hatte sich bis Redaktionsschluss noch nicht zu dieser Frage geäußert. Vermutlich war der Dienstleister vom Tempo des bayerischen Schnellstarts überrascht worden.

Die Vorgaben aus München überraschen auch andere immer wieder. Jüngst ist Ministerpräsident Markus Söder mit der Ankündigung von Testzentren für jeden Landkreis vorgeprescht. Vermutlich, ohne dass ein bayerischer Landkreis zuvor davon gehört hatte. „Söder überrascht alle“, sagt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamts Rosenheim, „wir wissen nicht wo, auch nicht, ob wir das zusammen mit der Stadt oder wie auch immer betreiben.“

Tests sollen nun schneller Resultate liefern

Wo es bereits klare Vorgaben gibt: Das Test-Procedere soll gehörig beschleunigt werden. „Mit dem externen Dienstleister ist die Zielvorgabe vereinbart, dass das Testergebnis innerhalb von bis zu 48 Stunden mitgeteilt wird“, sagte ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums auf die Fragen der OVB-Heimatzeitungen. Diese Zielvorgabe gelte aber nur bei elektronischer Übermittlung. Wenn - etwa mangels Kontaktdaten - keine elektronische Übermittlung möglich ist, sei diese Zeitspanne nicht einzuhalten, schon aufgrund des Postlaufs.

Was passiert, wenn das Testergebnis positiv ist, der Getestete also mit dem Corona-Virus infiziert ist? Dann informiert das Labor das für den Corona-Infizierten zuständige Gesundheitsamt, das sich daraufhin telefonisch bei den Testpersonen meldet, um zeitnah das weitere Vorgehen zu besprechen.

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