Das Ende des Weihnachtsgeschäfts?

Vor dem großen Corona-Lockdown: Rosenheimer Einzelhandel „dankbar um jeden Kunden“

Dekoartikel fürs Fest: Daniela Baumgartner (links) hat vor dem am Mittwoch beginnenden Lockdown noch schnell im Priener Laden von Manuela Loher eingekauft.
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Dekoartikel fürs Fest: Daniela Baumgartner (links) hat vor dem am Mittwoch beginnenden Lockdown noch schnell im Priener Laden von Manuela Loher eingekauft.

Der harte Lockdown, der ab Mittwoch, 16. Dezember, helfen soll, die Coronazahlen nach unten zu drücken, vermiest den Einzelhändlern im Landkreis Rosenheim die umsatzträchtigste Zeit des Jahres: den Weihnachtseinkauf. Dennoch wollen die Unternehmer dafür sorgen, dass ihre Kunden an Geschenke kommen.

Von Eva Lagler, Petra Maier, Korbinian Sautter, Tanja Weichold und Ines Weinzierl

Rosenheim – Was sich Ende vergangener Woche hat, ist seit Sonntag Fakt: Der harte Lockdown kommt, der Weihnachtseinkauf endet damit ab morgigen Mittwoch abrupt. Für viele Händler aus dem Landkreis Rosenheim eine Katastrophe – generieren sie doch mit Weihnachtsgeschenken den höchsten Umsatz des Jahres.

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Wie beispielsweise in den Buchhandlungen der Region. „Da wird das Polster geschaffen, um in der ersten Hälfte des darauffolgenden Jahres zu überleben. Denn da schreiben die meisten in der Branche in der Regel rote Zahlen“, sagt Michael Braun (61) aus Bad Aibling. Er wird den Betrieb in seiner Buchhandlung Librano ab Mittwoch – wie schon im Frühjahr – wieder auf Bestell- und Lieferbetrieb umstellen, um das Weihnachtsgeschäft weiter bedienen zu können.

Nachschub für Bildband-Abteilung: Kurz vor dem Lockdown kommt der Bad Aiblinger Buchhändler Michael Braun mit dem Auffüllen kaum noch nach.

Nachfrage ist gewaltig gewesen

Mit seinen vier Angestellten und zwei Praktikantinnen hat er bereits am Samstag einen noch nie da gewesenen Ansturm erlebt – wobei man trotzdem zu jeder Zeit penibel auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln achte. Die Nachfrage sei gewaltig vor dem zweiten Lockdown. „Wir haben durch unseren Online-Shop im Frühjahr knapp überlebt und werden es wohl auch jetzt knapp überleben“, meint Braun, der allerdings im Moment keinen Silberstreif am Horizont sieht und auch davon ausgeht, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, dass die Geschäfte schließen müssen.

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Manuela Loher (51), die in Prien als Inhaberin des Geschäfts Mühleisen Glas, Porzellan, Keramik und Haushaltswaren vertreibt, trägt den erneuten Lockdown mit Fassung. „Wir nehmen es hin, wie es ist“, kommentiert Manuela Loher die damit verbundene wochenlange Schließung ihres Geschäfts. „Ich möchte keine Entscheidung in dieser Situation treffen müssen“, meint sie im Hinblick auf die Politiker.

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Auf Facebook kündigte sie bereits am Montagmorgen an, dass sie ihr Geschäft am Montag und Dienstag „aus gegebenem Anlass“ von 8 bis mindestens 19 Uhr geöffnet hat. Der Kundenandrang war am Montag groß, wie sie im Telefongespräch mit den OVB-Heimatzeitungen sagte. Fürs Gespräch war deshalb nicht viel Zeit. „Ich bin dankbar um jeden Kunden, der bewusst im Ort einkauft“, betonte sie. Dies sei ein Geben und Nehmen. „Wir bieten vor Ort qualitativ hochwertige Ware.“ Das Bewusstsein dafür steige bei den Verbrauchern spürbar, sie macht ein Umdenken aus.

Geschäftiges Treiben in der Altstadt

Auch in Wasserburg versuchten am Montag noch viele, Präsente fürs Fest bei lokalen Händlern zu besorgen. In der Altstadt herrscht den ganzen Tag über geschäftiges Treiben. Auch bei Spielwaren Fuchs standen die Kunden zwischen Handpuppen und Brettspielen Schlange. Im Hintergrund klingelte unaufhörlich das Telefon. Inhaberin Stefanie Haller, die ihr Alter nicht verraten wollte, blieb trotzdem ruhig: „Mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft sind wir sehr zufrieden und hoffen, dass wir auch während des Lockdowns noch gefragt sind. Wir werden einen Lieferservice anbieten, der pünktlich zum Fest ausliefert“, verspricht sie.

Per Lieferservice will Stefanie Haller, Inhaberin von Spielwaren Fuchs in Wasserburg, trotz des Lockdowns die Wünsche der Kunden erfüllen.

Auch wenn am Mittwoch ihre Ladentür geschlossen bleibt, will sie doch versuchen, alle Wünsche ihrer kleinen und großen Kundschaft weiter zu erfüllen. Großer Weihnachtswunsch: „Wir hoffen, dass uns unsere Kunden auf diesem Weg treu bleiben und nicht zu online Großhändlern abwandern.“

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Vom Lockdown besonders stark betroffen sind die Friseurläden in der Rosenheimer Innenstadt. Zwei Tage vor der Schließung wollen sich zahlreiche Einwohner noch schnell einen Haarschnitt für die Festtage verpassen lassen. „Bei uns ist gerade die Hölle los“, berichtet Melanie Sivori, Salonleiterin des Friseurladens „Top Haar“. „Seit Montag um 8 Uhr klingelt hier dauerhaft das Telefon, es ist wirklich unbeschreiblich, ein absoluter Wahnsinn.“ Sie versucht zusammen mit ihrem Team bis Mittwoch noch möglichst vielen Anfragen gerecht zu werden.

Fesch machen für die Festtage: Die Rosenheimer Salonleiterin Melanie Sivori ist bis zum Lockdown nahezu im Dauereinsatz.

Wer allerdings jetzt noch anruft, um einen Termin zu vereinbaren, muss sich auf eine lange Wartezeit einstellen. Der Innenbereich des Friseursalons ist voll besetzt, sodass sich vor dem Laden bereits eine lange Schlange gebildet hat. Für Sivori bleibt somit keine Sekunde Zeit, um einmal kurz durchzuatmen. Dafür sei der Andrang einfach viel zu groß.

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+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Durchschnaufen – das ist normalerweise auch die Devise für Bürger, die ihren Urlaub planen. Doch auch das wird – jedenfalls in den Reisebüros der Region – in den kommenden Wochen wegfallen. Und auch in den Wochen davor war es extrem ruhig, wie Oliver Nowotny, Inhaber des Reisebüros „Lohmann & Nowotny“ in Kolbermoor, zu berichten hat. Seit Anfang November hat das Reisebüro nur eine Buchung zu verzeichnen: Eine Reise nach Namibia in den Osterferien, erzählt der 45-Jährige.

Eine Buchung in zwei Monaten zu verzeichnen: Oliver Nowotny vom Kolbermoorer Reisebüro „Lomann und Nowotny“.

Seit März haben Nowotny und seine Mitinhaberin Kerstin Lohmann das Reisebüro geschlossen. „Wir haben alles telefonisch und per E-Mail gemacht. Und wenn ein Kunde sich treffen wollte, haben wir einen Termin im Reisebüro vereinbart.“ Letzteres ist ab Mittwoch nun auch nicht mehr möglich.

Jubiläumsjahr im Lockdown

Und wie geht es jetzt weiter? „Seit März haben wir uns kein Gehalt auszahlen können“, sagt Nowotny. Er lebe von Ersparnissen. Dennoch: Das Überbrückungsgeld II haben sie jetzt bewilligt bekommen. Davon können die Fixkosten gezahlt werden – aber eben nicht das Gehalt. Und das im Jubiläumsjahr. Gefeiert haben sie ihr 15-jähriges Bestehen in bescheidenem Rahmen – zu zweit im Lockdown.

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