Von wegen schnell und kostenlos zum Corona-Test: Maxlrainer Brauerei-Mitarbeiter erlebt Odyssee

Am Corona-Testcenter des Flughafens München können sich nur Reiserückkehrer kostenlos und ohne Terminvereinbarung testen lassen.
+
Am Corona-Testcenter des Flughafens München können sich nur Reiserückkehrer kostenlos und ohne Terminvereinbarung testen lassen.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
    schließen

Er war erst krank, fühlte dann sich wieder besser. Doch vorsichtshalber sollte Alexander Öttl einen Coronatest machen, um seine Kunden und Kollegen nicht zu gefährden. Doch das Vorhaben geriet für den Mitarbeiter der Schlossbrauerei Maxlrain zur Odyssee – und brachte seinen Chef zum Überschäumen.

Tuntenhausen/München – Coronatest schnell, kostenlos und für jedermann? Von wegen: Alexander Öttl aus München hat genau das Gegenteil von dem erlebt, was die Bayerische Staatsregierung ihren Bürgern Ende Juni versprochen hatte. Der Angestellte der Schlossbrauerei Maxlrain durchlief eine wahre Odyssee, bis er in der Landeshauptstadt überhaupt eine Teststelle fand, bei der er halbwegs zeitnah einen Termin bekam. Und kostenlos war der Test dann auch nicht: 190 Euro musste er aus eigener Tasche berappen.

Starke Kopfschmerzen und Übelkeit

Öttl hatte starke Kopfschmerzen und Übelkeit, war krank gemeldet. Für seinen Chef, Brauereidirektor Roland Bräger, möglicherweise Symptome einer Corona-Infektion. Deshalb forderte er seinen Außendienstmitarbeiter, der viel mit Kunden in Kontakt ist, vor der Rückkehr zur Arbeit auf, sich auf Corona testen zu lassen, auch wenn die Symptome zwischenzeitlich verschwunden waren.

Von Theresienwiese bis zum Flughafen

Von seinem Münchner Hausarzt, der in seiner Praxis keine Tests anbietet, wurde Öttl an die öffentliche Teststation an der Theresienwiese verwiesen. „Dort hätte ich frühestens in zwei Wochen einen Termin bekommen“, schildert er. Er suchte online weiter, fand drei Kliniken, die ebenfalls Tests anbieten. Doch auch dort: Wartezeiten zwischen 10 und 14 Tagen.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Öttl wandte sich kurzentschlossen an den Franz-Josef-Strauß-Flughafen, wo sich bekanntermaßen Reiserückkehrer kostenlos testen lassen können. „Aber eben nur Reiserückkehrer“, erfuhr er. Immerhin: Hier wurde er an die Notfallambulanz des Flughafens verwiesen. Dort können sich abfliegende Passagiere kostenpflichtig auf eine mögliche Infektion testen lassen.

Roland Bräger, Brauereidirektor

Auch auf hier wird auf der Homepage darauf hingewiesen, dass es aufgrund der hohen Nachfrage gegebenenfalls zu längeren Wartezeiten kommen kann. Öttl hatte Glück: Er bekam für den nächsten Tag einen Termin – „aber auch nur, weil vorher jemand abgesagt hatte“. Er ließ sich testen, bezahlte 190 Euro und bekam am nächsten Tag sein Ergebnis per E-Mail mitgeteilt: corona-negativ.

Offener Brief an die Bayerische Staatsregierung

Für seinen Vorgesetzten war die Odyssee ein Grund, sich mit einem offenen Brief an die Bayerische Staatsregierung zu wenden. Er findet: „Alle Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie werden ad absurdum geführt, so lange sich Hausarztpraxen eines Corona-Tests ihrer Patienten verweigern und anderweitig nach über drei Monaten intensivster Bemühungen der Staatsregierung immer noch nicht genügend Testkapazitäten angeboten werden.

Eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen ist schlichtweg inakzeptabel.“ Bräger betont: „Die Bayerische Staatsregierung leistet in dieser Angelegenheit sehr gute Arbeit, was allerdings nicht bedeutet, dass es immer noch Unzulänglichkeiten gibt, die es gilt, schnellstens abzustellen.“

Lesen Sie auch: Corona-Tests für Urlauber – Wie zwei Riederinger die Datenpanne erleben

Gibt es in der Tat zu wenig Testmöglichkeiten oder scheiterte es in Öttls Fall an der Kommunikation? Laut einer Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums sind aktuell Kapazitäten von täglich bis zu rund 55 000 Testungen möglich. Um sie weiter zu erhöhen, habe die Staatsregierung den massiven Ankauf zusätzlicher Laborkapazitäten bei privaten Laboren und Unternehmen beschlossen. „Ziel ist eine Ausweitung der Tests auf über 200 000 pro Tag.“ Vor wenigen Tagen habe der Ministerrat beschlossen, in jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis ein „Bayerisches Testzentrum“ einzurichten, in dem sich jeder kostenlos testen lassen kann.

„Unkomplizierte Suche im Netz“

Auch Dr. Wolfgang Ritter, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Bayerischen Hausärzteverbandes, sieht die Situation eigentlich als nicht so schwierig an. Zwar gebe es Hausarztpraxen, die nicht testen – sei es, weil die Ärzte selbst zur Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf gehören, oder weil räumliche oder personelle Kapazitäten nicht ausreichten.

Doch habe die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) auf ihrer Startseite www.kvb.de eine Suchfunktion, mit der Patienten Fachärzte in Wohnortnähe suchen können. Dort könne auch ein „Arzt für Coronavirus-Test“ angekreuzt werden. Auf diese Möglichkeit könnten – was bei Öttl offenbar nicht geschehen ist – Praxen verweisen, die selbst nicht testen. So lasse sich „unkompliziert eine Testpraxis finden, die zeitnah den Test durchführt und schnell das Ergebnis mitteilt. Gerade in München ist das innerhalb von 24 bis 48 Stunden möglich“, sagt Dr. Ritter.

Hausarzt als erster Ansprechpartner

In der Region Rosenheim sind dem Staatlichen Gesundheitsamt laut Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, „derlei eklatante Terminengpässe“ wie in Öttls Fall nicht bekannt. Dies bestätigt der Vorsitzende des Ärztliche Kreisverbands Rosenheim, Dr. Fritz Ihler. Auch er nennt den Hausarzt als ersten Ansprechpartner – und empfiehlt ansonsten die Suche über die KVB-Homepage.

Mehr zum Thema

Kommentare