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Von Biene und Honig fasziniert

„Da gehört auch ein Erlös dazu“: Warum es sich für Imker immer weniger lohnt, Honig zu produzieren

Die Imker Sepp Hermann und Georg Bachmayr bearbeiten eine Wachswand aus einem Bienenstock.
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Die Imker Sepp Hermann und Georg Bachmayr bearbeiten eine Wachswand aus einem Bienenstock.
  • VonKatharina Heinz
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Wenn Imker über ihre Arbeit sprechen, geraten sie schnell ins Schwärmen. Doch die Imker Sepp Hermann und Georg Bachmayr wissen genau, was es heißt, sich heutzutage um den begehrten Honig zu kümmern und warum davon nur noch die Wenigstens Leben können.

Feldkirchen/Westerham – Das Leben in einem Bienenstock bezeichnen sie als Wunder, den Honig nennt manch einer wegen seiner wertvollen Inhaltsstoffe „Medizin“. Doch von ihrer Arbeit als Imker leben können die Wenigsten. Im heutigen Teil unseres Dreiteilers über Bienen und Co. geht es um die wirtschaftlichen Hintergründe des Imkerns.

BlütenweißeArbeitskittel

„Ich bezeichne mich immer als Nebenerwerbsimker“, betont Sepp Hermann aus Kleinhöhenrain. Er trägt einen blütenweißen Arbeitskittel und hat eine Haube auf dem Kopf. In seinem Imker-Arbeitsraum deutet er auf die Honig-Schleuder. „Alles hygienisch hier“, sagt er. Für ihn ist Imkern mehr als ein Hobby.

„Es ist Arbeit, und daher gehört auch ein Erlös dazu“, erklärt der Imker, der hauptberuflich selbstständiger Kaufmann ist. Doch die Einnahmen werden immer weniger. Durchschnittlich rund einen Tag pro Woche investiert auch Georg Bachmayr in seine Bienen. Der gelernte Koch hat 20 Bienenvölker, betreibt die Imkerei als Kleingewerbe und bezeichnet sich selbst dennoch als „Hobbyimker“. „Hauptberufliche Imker gibt es hier in unserer Gegend kaum“, erklärt der Vorstand vom Imkerverein Hohenthann-Schönau. Das bestätigt Stefan Spiel, Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker e.V.: „Derzeit gibt es rund 42 500 Imkerinnen und Imker in Bayern. Davon sind weniger als ein Prozent Erwerbsimker.“ Georg Bachmayr weiß auch, warum das so ist. Der Raum Süddeutschland liefere vergleichsweise schlechte Erträge. Er bringt auf den Punkt: „Vom Honigertrag kann hier keiner leben.“ Dazu sorgen die derzeit steigenden Preise für Probleme.

Wer Imker werden will, muss zunächst in die Ausstattung investieren. Bienenkästen, Honigschleuder, Smoker, eine erste Ladung Wachs und mehr müssen gekauft werden.

Zwischen drei und 4000 Euro liegen die Anschaffungskosten, wie die Imker erklären. Dazu kommen laufende Kosten etwa für Einfütterung oder Honiggläser, die Bachmayr mit rund 50 Euro pro Bienenvolk pro Jahr beziffert.

Neben Geld investieren die Imker jede Menge Zeit – etwa für die Pflege der Bienen, Säuberung der Stöcke oder die Vermarktung. Bevor es überhaupt Honig geben kann, brauchen die Bienen eine geeignete Unterkunft. Dazu werden die Kästen mit Rahmen bestückt, die mit einer Wachsplatte ausgestattet sind. Am wohlsten fühlen sich die Bienen an einem vor Wind- und Unwetter geschützten, warmen Ort. „Der Ausflug Richtung Süd, Südost ist ideal“, so Bachmayr. Seine Bienenstöcke stehen an einem Waldrand.

Auch die Arbeitsleistung der Bienen ist immens. LVBI-Präsident Spiegl erklärt, dass die Sammlerinnen eines Bienenvolkes an guten Trachttagen bis zu 30- mal ausfliegen und pro Flug rund 200 bis 300 Blüten besuchen. „Für ein 500-Gramm-Glas Honig bestäubt ein Volk insgesamt rund 75 Millionen Blüten und legt dabei eine Strecke von etwa 120 000 Kilometer zurück – umgerechnet dreimal um die Erde!“, betont Spiegl.

Die Bienen tragen den Nektar, den sie aus Blüten einsammeln und in einem komplizierten Prozess in ihrem Körper „veredeln“, in ihren Stock. Die Nahrung, die sie zum Leben brauchen, behalten sie – der Rest geht als Vorrat und für die Fütterung der Nachkommen an das Volk. Dazu wird die Wachswand ausgebaut und der Nektar dort eingelagert. Andere Bienen kommen und bearbeiten den Nektar erneut.

Honig im Prinzip ewig haltbar

Auf dieses Weise wird er von einem Feuchtigkeitsgehalt von rund 80 Prozent auf 18 Prozent eingedickt. „Damit ist der Honig im Prinzip ewig haltbar“, erklärt Hermann. Er hält eine der Wachswaben in der Hand und beschreibt fasziniert: „In etwa 80 Gramm Wachs können zwei Kilo Honig konserviert werden.“ Die Biene habe Wachsdrüsen am Körper, sodass sie selbst die Waben ausbauen könne.

Sind die Waben zu einem Dreiviertel oder mehr gefüllt und ist der Nektar trocken genug, kann der Imker Honig schleudern. Dazu entnimmt er die Waben-Wand, öffnet die Waben mit einer speziellen Gabel und hängt den Rahmen in die Schleuder. Durch die Drehbewegung fließt der Honig heraus, der dann noch unter anderem gesiebt wird und etwas ruhen muss, bevor er abgefüllt werden kann.

„Hier in der Region Schleudern wir in der Regel zweimal im Jahr“, erklärt Hermann. Ein Kilo Nektar ergeben etwa 150 Gramm Honig. Im Schnitt bekomme man in Südbayern rund 16 Kilo Honig pro Bienenvolk.

Schon um die laufenden Kosten zu decken und einen Mindestlohn zu erzielen, müsste das Pfund Honig um die zehn Euro kosten. In anderen Ländern wie Slowenien, Kroatien oder der Schweiz werde das auch bezahlt, so der Imker. Hermann und Bachmayr verkaufen ihren Honig ab Hof zwischen 6,50 und sieben Euro. „Wir schauen natürlich, was Honig anderswo kostet“, erklärt Hermann. Denn die Leute hinterfragen, warum sie so viel Geld ausgeben sollten, wenn der Honig beim Discounter nur 4,50 Euro koste. Unter dem Strich rentiert es sich wirtschaftlich damit für die beiden kaum.

Eigentlich nurein Nebenprodukt

„Es ist ein Hobby mit Trinkgeld“, so Bachmayr. Ihm machen besonders die steigenden Preise der Verkaufsgläser zu schaffen, so dass er seine Honigpreise bald um 50 Cent anpassen will. Doch ums Geld geht es den beiden auch nicht, wie sie betonen. Immerhin sei der Honig eigentlich nur ein Nebenprodukt – die Hauptleistung der Bienen sei die Bestäubung und damit ihr großer Wert für Landwirtschaft und Natur. Außerdem betreiben sie die Imkerei mit zu großer Leidenschaft. „Es ist die Faszination für die Biene und den Honig, die uns antreibt“, sagt Hermann.

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