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Sexistische Verbalattacken

Vollzugsbeamtin in der JVA Bernau beleidigt: Gericht verlängert Haftstrafe eines 21-Jährigen

Der Angeklagte (21) sitzt derzeit in der JVA Bernau seine Haftstrafe ab. dpa
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Der Angeklagte (21) sitzt derzeit in der JVA Bernau seine Haftstrafe ab. dpa
  • VonChrista Auer
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Weil er eine Vollzugsbeamtin der JVA Bernau unter anderem als „Hure“ bezeichnet hatte, musste sich jetzt ein Asylbewerber (21) aus Somalia in Rosenheim vor Gericht verantworten. Der 21-Jährige, der derzeit in Bernau eine Strafe absitzt, war ausgerastet, weil ihm ein Telefonat verwehrt worden war.

Rosenheim – „Man könnte meinen, wenn einer schon im Gefängnis sitzt, dass er dann keine neue Straftaten mehr begeht“, stellte der vorsitzende Richter am Rosenheimer Jugendschöffengericht fest. Im Fall des 21-jährigen Somaliers, der unter anderem bereits in Asylbewerberunterkünften in Rosenheim, Wasserburg, Soyen, Penzberg und München untergebracht war, traf das allerdings nicht zu.

Im Juni 2020 war er wergen diverser Straftaten zu einer Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Auf eigenen Wunsch wurde er zwischenzeitlich in den Erwachsenenvollzug verlegt. Dort schien es bis zum Oktober auch einigermaßen gut für ihn zu laufen. Laut seinem Verteidiger wurde er vonseiten der Vollzugsbeamten bis dahin als höflich und selbstbeherrscht beschrieben.

„Du bist nur ein Weib“

Die Verweigerung eines Telefonats ließ den jungen Mann dann allerdings ausrasten. Mit den Worten: „Du Hure, mach was ich will, du bist nur ein Weib“, machte der 21-jährige seinem Ärger gegenüber der Justizvollzugsbeamtin Luft. Mit den englischen Begriffen für Schlampe und Hure setzte er noch eins drauf.

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Vor dem Jugendschöffengericht machte der Angeklagte keine Angaben. Er gab an, der Verhandlung auf Deutsch ohne Dolmetscher nicht folgen zu können. „Wir verhandeln“, stellte Richter Dombrowski klar und belehrte den Angeklagten, dass er, falls er Angaben mache, dies in Deutsch tun müsse, denn das Gericht gehe davon aus, dass er nicht innerhalb eines Monats seine Sprachkenntnisse komplett verloren habe.

Bei einer Anhörung im Januar zu einer vorzeitigen Haftentlassung habe sich der Angeklagte nämlich durchaus verständigen können. Der Somalier hatte aber auf stur gestaltet und sich geweigert, Angaben zur Sache zur machen.

Besuchszeiten wegen Corona eingeschränkt

Die 48-jährige Vollzugsbeamtin schilderte seinen kurzen Ausraster dagegen glaubhaft. Demnach seien in der Corona-Krise die Besuchszeiten eingeschränkt worden. Dafür seien den Häftlingen wöchentliche Telefonate ermöglicht worden. An dem besagten Tag habe sie ihn für einen Anruf bei seinem Bruder abgeholt.

Als er ihr einen Zettel mit einer neuen Telefonnummer gegeben habe, habe sie ihm erklärt, dass er nur eine Nummer anrufen könne, die auch im System hinterlegt sei.

Das habe den Angeklagten so in Rage gebracht, dass er sie übelst beschimpft habe. Zudem habe er gedroht: „Fass mich nicht an, sonst schlag ich dich tot.“ Hier sei allerdings nicht eindeutig klar gewesen, wer gemeint gewesen sei.

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Der 21-jährige habe damals angegeben, einen Mithäftling angesprochen zu haben. „Dieser verbale Ausbruch war außergewöhnlich für ihn“, sagte die 48-jährige ohne großen Belastungseifer. An sich sei der Angeklagte eher zurückhaltend. Mit einem Monat Entzug der Einkaufserlaubnis und zehn Tagen Arrest sei das Fehlverhalten in der JVA bereits disziplinarisch geahndet worden.

Bruder als einziger Kontakt

„Der Angeklagte hat uns hier alle an der Nase herumgeführt“, stellte der Anklagevertreter fest und forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Verteidiger Praun gab zu bedenken, dass es einige Brüche im Leben seines Mandanten gegeben habe. Der Bruder sei dessen einziger Kontakt.

Als ihm dieser Anruf wegen der neuen Nummer verweigert worden sei, habe sich sein Mandant zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen lassen. Eine Erhöhung seiner derzeitigen Strafe um zwei Monate sei deshalb ausreichend.

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Das Jugendschöffengericht war da anderer Ansicht. Der Angeklagte sei kein unbeschriebenes Blatt und es habe sich um eine sexistisch motivierte Tat gehalten. „Fünf Monate dafür sind nicht zu hoch“, hieß es in der Urteilsbegründung.

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