Viele Opfer aus Rosenheim: 38-Jähriger muss wegen Betrugs mit Online-Tickets ins Gefängnis

  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Wegen hunderter Betrugsfälle mit Online-Tickets musste sich jetzt eine dreiköpfige Gruppe von Männern aus Ghana und Burkina Faso in Traunstein vor Gericht verantworten. Die gutgläubigen Käufer kamen dabei vorwiegend aus dem Raum Rosenheim.

Traunstein/Rosenheim – Unter Verwendung echter, aber „gepishter“, also auf kriminelle Weise über das Darknet erlangter Kreditkartendaten erbeutete eine dreiköpfige Gruppe von Männern aus Ghana und Burkina Faso aus dem Verkauf von E-Tickets und Onlinetickets Zehntausende von Euros.

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Die gutgläubigen Käufer kamen vorwiegend aus dem Raum Rosenheim. Manche Tickets nutzten die Täter selbst. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verurteilte den Haupttäter jetzt zu vier Jahren Haft, die anderen zu Freiheitsstrafen mit Bewährung.

Marihuana im Koffer

Dem 38-jährigen Hauptangeklagten aus Erding lagen gemäß Anklage von Oberstaatsanwalt Dr. Martin Freudling insgesamt 1465 Fälle des Computerbetrugs in besonders schwerem Fall zur Last, einem 41-Jährigen aus Viersen 166 Fälle und einem 38-Jährigen aus Rosenheim 125 Fälle. Der dritte Täter war zudem von Mitarbeitern des Hauptzollamts Rosenheim mit Drogen am 11. November 2018 in einem von Mailand kommenden Flixbus erwischt worden. In seinem Koffer führte der Ghanaer für den Bereich Rosenheim bestimmte 2,1 Kilogramm Marihuana und acht verschiedene andere Betäubungsmittel in Kleinmengen mit sich.

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Die Verteidiger – Kerstin Zinke aus Traunreut, Michael Vogel aus Traunstein und Dr. Kenan Ertunc aus München – beantragten gestern ein Rechtsgespräch mit Gericht und Staatsanwalt. Im Ergebnis unterbreitete die Kammer im Fall von Geständnissen Strafspannen. Darin wurden einige der Vorwürfe, darunter die Drogendelikte des 38-Jährigen, nicht mehr berücksichtigt.

Bewährungsstrafen für zwei der Angeklagten in Aussicht gestellt

Bei dem Hauptangeklagten entfielen zahlreiche Computerbetrugsfälle, bei dem aus Rosenheim das Drogendelikt. Die Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten sollte zwischen drei Jahren neun Monaten und vier Jahren drei Monaten liegen.

Den beiden anderen Männern stellte das Gericht Strafen mit Bewährung in Aussicht – dem 41-Jährigen zwischen eineinhalb und zwei Jahre, dem 38-Jährigen aus Rosenheim Bewährungsstrafen zwischen neun und zwölf Monaten.

Vereinbarte Strafkorridore

Die drei Täter bekannten sich letztlich ganz beziehungsweise teilweise zu ihren Taten. Die Schlussanträge in den Plädoyers bewegten sich in den vereinbarten Strafkorridoren, ebenso die Strafen im Urteil. Übrig blieben bei dem 38-Jährigen aus Erding 1231 Fälle des Computerbetrugs. Die nachgewiesenen Straftaten der Mittäter deckten sich mit dem Sachverhalt der Anklageschrift.

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Der 41-Jährige kam mit 21 Monaten zur Bewährung davon, der 38-Jährige mit zehn Monaten mit Bewährungschance. Die Sechste Strafkammer ordnete außerdem jeweils Wertersatz an nach dem Motto „Straftaten dürfen sich nicht lohnen“ – zwischen mehr als 64 500 und über 5300 Euro.

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