Staatsanwaltschaft ermittelt

„Wie im falschen Film“: Videoaufnahme zeigt Angriff auf einen Autofahrer (19) in Eggstätt

Justizia / Symbolfoto
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mann aus dem Kreis Rosenheim, der einen Autofahrer geschlagen und gewürgt haben soll. Er wird sich vor Gericht verantworten müssen (Symbolfoto).
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Überholt, ausgebremst, geschlagen und gewürgt: Es ist eine Szene, die alles andere als alltäglich ist im Straßenverkehr. Eine zufällig gemachte Videoaufnahme könnte das zentrale Beweisstück in einem Verfahren gegen Mann aus der Region Rosenheim werden.

EggstättEs waren Szenen wie in einem Action-Streifen. Das fand der wichtigste Zeuge. „Ich hab‘ geglaubt, ich bin im falschen Film“, so sagt er es heute. Dass er richtig gesehen hatte, davon konnte er sich nach dem Zwischenfall überzeugen. Indem er sich anschaute, was seine Helmkamera aufgezeichnet hatte.

„So was habe ich noch nicht erlebt“

Der Zeuge, ein 29-jähriger Justizbeamter, hatte zufällig eine besonders rabiate Auseinandersetzung auf dem Speicherchip seiner Helmkamera festgehalten: ein Autofahrer, der einen anderen Fahrer zum Anhalten zwingt, aus seinem Wagen aussteigt, um den andern durchs offene Fenster zu würgen und zu schlagen.

„So was habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Justizbeamte, nach seinen Worten ein „erfahrener Motorradfahrer“.

Ein Autofahrer tickt vollkommen aus

„So was habe ich noch nicht erlebt“: Das sagt auch Rechtsanwalt Rudolf Saller. Sein Mandant sei genötigt, gewürgt und geschlagen worden, das Verhalten des Täters sei „verabscheuungswürdig und unzumutbar“. In 25 Jahren Anwaltstätigkeit sei ihm dergleichen noch nicht untergekommen.

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Sein Mandant, ein sportlicher 19-Jähriger, früher mal Fußballer bei der JFG Ötting, war mit seinem Auto auf der Staatsstraße RO 10 unterwegs. Da kam ihm auf seiner Fahrbahn ein anderes Auto mit Rosenheimer Kennzeichen entgegen – bei einem Überholmanöver. „Ich war gerade aus Eggstätt raus, da sehe ich in einer S-Kurve zwei Autos entgegenkommen“, erzählt der 19-Jährige auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Er sah einen schwarzen A3, und wusste: „Wenn ich nicht eine Vollbremsung mache, dann krachen wir frontal zusammen.“ Da sei er in die Bremsen gestiegen, habe gehupt, aufgeblendet.

Bei Wendemanöver in Eggstätt beinahe noch ein Kind erwischt

Es ging noch mal gut. der 19-Jährige setzte erschrocken aber heil seine Fahrt fort. Was er nicht sah: Der 25-jährige Fahrer des Wagens mit dem Rosenheimer Kennzeichen wendete in Eggstätt.

„Dabei hätte er noch fast ein Kind erwischt.“ Das sagt der Justizbeamte, der in diesem Augenblick mit seinem Motorrad daherkam. Seine Helmkamera zeichnete alles auf. Auch das, was unmittelbar nach dem Wendemanöver am Kreisverkehr Oberndorf passierte.

Überholt, geschnitten und ausgebremst

Der schwarze Wagen setzte dem Wagen des 19-Jährigen hinterher. Am Kreisverkehr bemerkte der 19-Jährige, wie dicht der andere schon aufgefahren war. „Bei der nächsten Gelegenheit hat er überholt, mich geschnitten und ausgebremst.“

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Der Audi-Fahrer stellte sein Auto quer und sprang auf die Straße. Der 19-Jährige war so perplex, dass er nicht mal dran dachte, sein Fenster hochzufahren. Und schon sei der andere dagewesen, berichtet er, er sei beschimpft, gewürgt, geschlagen worden. Er ist sicher: „Wenn er mich rausgezogen hätte, dann hätte der mich verdroschen, dass es ganz gar is.“

Opfer mit Angst im Straßenverkehr unterwegs

Schließlich stieg der andere wieder in sein Auto und fuhr mit quietschenden Reifen los. Der 19-Jährige stieg verdattert aus und entschuldigte sich, wie er sagt, noch bei einem anderen Autofahrer, der wegen des quergestellten Wagens seinerseits hatte anhalten müssen.

Die körperlichen Beschwerden hat der 19-Jährige hinter sich gelassen, die Ängste nicht. „Ich hab immer noch Bedenken, wenn auf einmal hinter mir ein Auto auftaucht“, sagt er.

Ermittlungen wegen mehrerer Vergehen

„Unglaublich“ nennt Rechtsanwalt Saller die ganze Geschichte und findet damit ähnliche Worte wie der Mann, gegen den die Polizeiinspektion Prien ermitteln musste. „Ich fasse es selber nicht“, sagt der Mann aus dem Landkreis Rosenheim. „So etwas habe ich vorher nie getan.“

Er wolle sich entschuldigen, sagt der 25-Jährige noch. Was ihn kaum vor Ärger bewahren wird. Die Polizei ermittelt wegen Straßenverkehrsgefährdung, Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung.

Wann ein Prozess gegen den Verdächtigen beginnt, steht noch nicht fest.

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