Verteilt wird der Mangel: THW Bad Aibling und Rosenheim verteilen Corona-Schutzmaterial

100 Kilometer für zehn Atemschutzmasken:Dr. Bernhard Witt aus Bad Endorf nimmt sein Material von Marion Reinartz und Niall Halligen vom THW (von rechts) in Empfang. Gerlach
  • vonKathrin Gerlach
    schließen

Eine Lagerhalle in Bruckmühl hat sich jetzt in einen Umschlagplatz für Schutzmaterialien verwandelt. Ehrenamtliche Helfer der THW-Ortsverbände Rosenheim und Bad Aibling geben hier Atemschutzmasken, Schutzanzüge und -brillen, Einmalhandschuhe sowie Desinfektionsmittel aus.

Bruckmühl – Die positive Bilanz nach zwei Wochen: 173 Ehrenamtliche waren 1841 Stunden im Einsatz. Die negative bringt Richard Schrank auf den Punkt: „Es ist die reine Mangelverwaltung.“ Der Kreisbrandrat ist Mitglied der operativen Einsatzleitung des Katastrophenstabes des Landkreises Rosenheim. „Das 2019er Schneechaos war nichts gegen diese Krise“, sagt er.

Aufgaben auf den Landkreis verteilt

Im Landkreis sind die Aufgaben verteilt. In Prien läuft die Schutzmaskenproduktion an: „Wir haben erst vier Rollen Stoff von der Staatsregierung bekommen. Das reicht vielleicht für 10.000 Masken“, schätzt THW-Pressesprecher Stefan Huber.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

In Raubling wird Desinfektion aus Großbehältern in Flaschen umgefüllt. Wasserburg ist für die Notunterkunft verantwortlich. Und in Bruckmühl werden die Schutzmaterialien verteilt.

Zu Beginn der Krise sammelten die Feuerwehren vor Ort alles, was sie von Firmen, Baumärkten oder Großhändlern bekommen konnten. Das ist längst verbraucht. „Für drei Millionen Euro hat der Landkreis selbst Material bestellt“, informiert Schrank.

Lieferungen werden in USA aufgehalten

Es trifft allmählich vor Ort ein. Wenn es nicht auch noch in Amerika beschlagnahmt wird. „Wir wissen von einem Lieferanten, dass das ein oder andere Flugzeug mit unseren Bestellungen, das in den USA planmäßig zwischenlanden musste, derzeit nicht starten darf“, bestätigt Schrank. Ob die Ware in Bayern ankommen wird, ist noch unklar.

+++ Hier finden Sie unseren Liveblog zur Corona-Lage in der Region und in Bayern. Außerdem haben wir für Sie eine Coronavirus-Themenseite eingerichtet mit allen wichtigen Artikeln auf OVB-Online.de. +++

Etwa zehn Prozent der Schutzmaterialien kommen aus dem Bayerischen Innenministerium. Sie werden nun nicht mehr nach der Zahl der Einwohner, sondern nach Bedarf verteilt. Als der größte Corona-Hotspot in Oberbayern hat der Landkreis Rosenheim Vorrang. „Fakt ist, dass derzeit massiv Hilfsgüter im Zulauf sind und sich die Versorgung durch den Freistaat Bayern deutlich verbessern wird“, betont Huber. „Es dauert einfach noch etwas.“

THW holt Waren im Zentrallager München ab

Noch kommt in Bruckmühl nicht viel an. „Sobald wieder Ware da ist, fahren wir ins Zentrallager nach München“, erklärt Bernd Reinartz, Ortsbeauftragter des THW Bad Aibling. Sein ehrenamtliches Team hat aus dem Nichts eine funktionierende Warenwirtschaft aufgebaut, kommissioniert die Lieferungen, führt Listen über Ein- und Ausgänge, meldet täglich den Bestand an die Einsatzzentrale und verpackt die Waren entsprechend der Bestellscheine.

Das könnte Sie auch interessieren:

Was auf dem Chiemsee in der Coronakrise erlaubt ist: Landratsämter geben Regeln raus

Statt Sonnenschirme jetzt Masken: Stephanskirchner Firma überlässt Mitarbeitern Maschinen

Mit Ethanol und Glycerin gegen Corona: Heimische Unternehmer produzieren Desinfektionsmittel

Etwa 350 Bedarfsträger sind beim Landratsamt gelistet: Krankenhäuser, Pflegeheime, Ärzte oder mobile Pflegeeinrichtungen. Privatleute gehören nicht dazu. Nach einem Schlüssel werden den Bedarfsträgern verschiedene Atemschutzmasken, Einmalhandschuhe, Schutzanzüge, Brillen und Desinfektionsmittel zugeteilt. Erst wenn eine Bestellbestätigung vom Landratsamt kommt, können sie ihre dringend benötigten Schutzausrüstungen abholen.

Geringer Vorrat für zehnfachen Bedarf

„Es ist eine Mangelverwaltung“, bedauert Richard Schrank. „Wir bräuchten das Zehnfache an Ausrüstung, versuchen das Wenige so gerecht wie möglich aufzuteilen. Aber das ist eine Mammutaufgabe: Mal fehlen die Schutzmasken, dann wieder die Brillen, derzeit gerade die Flächendesinfektion.“

Zentrale Auslieferung für Landkreis

Aus dem gesamten Landkreis kommen die Menschen nach Bruckmühl. Darunter auch Dr. Bernhard Witt, Zahnarzt aus dem 48 Kilometer entfernten Bad Endorf. „Leider gehören wir nicht zu den bevorzugten Berufsgruppen“, bedauert er. „Dabei müssen wir sehr nah am Patienten arbeiten.“ An diesem Tag bekommt er zehn Schutzmasken. Der Vorrat reicht seinem zwölfköpfigen Team nicht einmal für einen Tag.

Mehr zum Thema

Kommentare