Verhaltene Reaktionen: Das sagen die Kulturschaffenden in der Region über die neuen Lockerungen

Das Ballhaus in Rosenheim. Im Innenbereich dürfen seit gestern wieder Veranstaltungen mit 200 Personen stattfinden.
+
Das Ballhaus in Rosenheim. Im Innenbereich dürfen seit gestern wieder Veranstaltungen mit 200 Personen stattfinden.
  • vonAlexandra Schöne
    schließen

Seit dem 15. Juli sind in Innenräumen 200 und außen 400 Personen erlaubt. Die große Euphorie im Raum Rosenheim bleibt dennoch aus.

Rosenheim – Gute Nachrichten für die Kulturschaffenden in der Region: Seit dem gestrigen Mittwoch dürfen sie in Bayern Veranstaltungen mit bis zu 400 Gästen im Freien und bis zu 200 Gästen in geschlossenen Räumen ausrichten. Die Verantwortlichen von Kurhäusern und Konzertsälen in der Region stehen in den Starlöchern, sehen aber in den neuen Vorgaben auch nicht den großen Wurf.

Alexandra Birklein, Geschäftsführerin des Ballhauses in Rosenheim, findet die neue Regelung „ganz nett“. Doch für die bevorstehenden Wochen nütze diese Änderung nicht viel. So kurzfristig könne sie nämlich keine Kulturveranstaltung „aus dem Boden stampfen“. Da brauche man mehr Vorlauf. „Oft beginnen wir ein Jahr vorher mit der Planung eines Events“, sagt sie. 200 Personen mit je 1,50 Meter Abstand im Ballhaus unterzubringen habe sie schon ausprobiert. Das Ergebnis: Alles passen hinein und die Abstandsregel wird eingehalten. „Das sieht in dieser Hinsicht positiv aus.“

Andrea Hübner freut sich, bleibt aber vorsichtig

Auch bei der Prien Marketing GmbH freut man sich über die Lockerungen. Geschäftsführerin Andrea Hübner bleibt aber vorsichtig. Den „Priener Kultursommer“ mit drei Konzerten von Künstlern aus der Region werde im August wie geplant stattfinden. Wie viele Personen Hübner dann in den Chiemsee-Saal lässt, das stehe noch nicht fest. Der Priener König-Ludwig-Saal wird derweil saniert. Mit oder auch ohne Corona-Pandemie hätten hier keine Veranstaltungen stattfinden können.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

In Bad Aiblinger Kurhaus zeigt sich Geschäftsführer Thomas Jahn für die kommenden Monate gerüstet. Im September geht es mit dem alljährlichen Kindermusical los. Das Gitarrenfestival „Saitensprünge“ wird – wenn auch nur mit fünf anstatt mit zehn Konzerten – im November folgen. „In den kommenden zwei Wochen beginnen wir mit dem Kartenvorverkauf“, berichtet Jahn und freut sich. Die Künstler aus Südamerika und den USA kämen jedoch leider nicht zum Festival. Denn diese dürften zum Teil entweder nicht ein- beziehungsweise ausreisen. Oder die Quarantäne-Auflagen nach der Ankunft seien zu hoch.

Obergrenze von 200 Personen „massive Einschränkung“

Die maximale Anzahl von 200 Personen im Innenbereich sieht er als „massive Einschränkung“. Das eigentliche Problem sei aber die Abstandsregel von 1,50 Meter. „Solange diese Regel besteht, geht Bad Aibling der Platz aus“, sagt Jahn. Er hofft für 2021 auf eine abgeschwächte Form der Abstandsregel. Ein Meter zwischen zwei Personen wie in Österreich, das wäre zumindest „eine Perspektive“.

Im Außenbereich des Kurhauses läuft der Betrieb hingegen seit drei Wochen schon wieder. 400 Gäste wären hier theoretisch möglich. Aber: „Die Leute halten sich nicht an die Abstandsregeln, wenn wir den ganzen Außenbereich öffnen“, sagt Jahn. Deshalb würde man sich auf die Plätze an den Tischen konzentrieren und die große Wiese weglassen.

Im Ballhaus in Rosenheim herrscht währenddessen Stille. Bis Herbst werden laut Alexandra Birklein keine Auftritte oder Konzerte stattfinden. Positiv sei aber, dass große, bekannte Künstler – was Auftritte in der Zukunft betrifft – durchaus kooperativ geworden seien. „Mittlerweile möchte einfach jeder wieder auftreten“, sagt Birklein. Sie sei mit den Agenturen der Künstler bereits in Kontakt.

Absagen, verschieben oder aufteilen?

Jetzt überlegt sie, wie sie mit den ausstehenden Veranstaltungen umgeht. Verschieben, absagen oder in zwei Vorstellungen aufteilen – das seien alles Möglichkeiten, die sie im Moment auslotet. „Ich wurde ein wenig ins kalte Wasser geschmissen durch die plötzliche Lockerung“, gibt sie zu. In den vergangenen Wochen habe es im Ballhaus keine Kulturveranstaltungen gegeben. Seminare sowie Schul- und IHK-Prüfungen fanden währenddessen dort ihren Platz.

Und wie sehen die Planungen bezüglich der neuen Vorgaben im Kultur- und Kongresszentrum aus? Dazu wollte sich Geschäftsführer Peter Lutz gegenüber den OVB-Heimatzeitungen nicht äußern.

Kommentare