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Brenner-Nordzulauf: „Unzumutbar“ - Rosenheim und andere Kommunen lehnen Ausbaupläne für Bestandsstrecke ab

Ein Güterzugim Gemeindegebiet von Raubling. Ruprecht
  • Anton Maier
    VonAnton Maier
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Einem Ausbau der Bestandsstrecke für den Brenner-Nordzulauf stehen die Kommunen an der Bestandsstrecke skeptisch bis ablehnend gegenüber. So hält die Stadt Rosenheim gar nichts davon, den Bahnknoten auszubauen, um den wachsenden Güterverkehr abzuwickeln. Auch in den Gemeinden, durch deren Gebiet die aktuelle Trasse verläuft, gibt es keine große Begeisterung für die Pläne, die bestehende Strecke zu ertüchtigen und auf eine Neubaustrecke zu verzichten.

Rosenheim – In seiner Studie zum Ausbau der Bestandsstrecke schlägt der Verkehrsplaner Dr. Martin Vieregg vor, den Bahnknoten Rosenheim grundlegend umzugestalten. „Das halte ich für ebenso sinnvoll wie machbar“, so der Experte im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Mit einer teilweisen Neutrassierung könne man mancherorts Gleise unterirdisch verlaufen lassen und insgesamt den Lärmschutz deutlich verbessern.

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Bei der Stadtverwaltung stößt der Vorschlag auf blanke Ablehnung: „Bei den im Raum stehenden Zugzahlen für die Zukunft wäre es für uns absolut unzumutbar, das über die Bestandsstrecke und damit über den Bahnhof Rosenheim abzuwickeln“, sagt Pressesprecher Thomas Bugl. Auch bei bestmöglichem Lärmschutz würden die Bürger in der Nähe der Bahnlinien in hohem Maße belastet.

Hoher Pendlerverkehr ab Rosenheim

Zudem verweist Bugl auf die Problematik mit dem hohen Pendlerverkehr ab Rosenheim: „Täglich fahren etliche tausend Menschen von hier aus nach München in die Arbeit. Schon jetzt ist es eine Herausforderung, die Slots für die Züge zu koordinieren. Noch deutlich mehr Güterzüge auf der Bestandsstrecke fahren zu lassen, verschärft die Nutzungskonkurrenz“, betont der Sprecher der Stadtverwaltung.

Vieregg sagt dazu im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass die derzeitigen Gleisverläufe den Bahnhof tatsächlich an seine Grenzen bringen würden. „Unsere Planungen sehen vor, diese Konflikte aufzulösen, was die Kapazität des Knotens deutlich erhöhen würde“. So müsse dann ein Zug, der von Norden her kommt und nach Süden ins Inntal weiterfahren möchte, nicht mehr über diverse ebenerdige Gleise queren. Die Stadt solle sich sein Konzept genau ansehen, so Vieregg, dann würde sie die Vorteile erkennen.

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Folgt man dem Verlauf der Bestandsstrecke, so ist Raubling die nächste Kommune, die von einem etwaigen Ausbau betroffen wäre. „Wer da bei diesem Expertenstreit recht hat, kann ich nicht beurteilen“, sagt Bürgermeister Olaf Kalsperger zu den Diskussionen über eine Neubautrasse und einen Ausbau der bestehenden Strecke. „Aus meiner Sicht bringt der vorgeschlagene Ausbau aber keine deutlichen Vorteile für unsere Gemeinde im Vergleich zu dem, was die Bahn vorschlägt, sofern die Neubautrasse durch unser Gebiet verlaufen würde“, sagt der Rathaus-Chef. Einzig der Wegfall einer in den Plänen der Bahn vorgesehenen Verknüpfungsstelle bei Reischenhart sei positiv.

Besserer Lärmschutz im Vordergrund

Die von Vieregg vorgeschlagene Option, für den Güterverkehr eine Umfahrung entlang der Autobahn zu bauen, sieht Kalsperger skeptisch:. „Das könnte mit der Bebauung dort draußen etwas eng werden.“ Wichtig sei in erster Linie, so der CSU-Politiker, dass der Lärmschutz für Raubling spürbar verbessert werde.

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Ein Anruf bei Kalspergers Parteifreund Matthias Jokisch ergibt ein ähnliches Bild. Als Bürgermeister von Brannenburg ruft der Vorschlag, die Neubaustrecke auszubauen, auch bei ihm keine Freudensprünge hervor. „Meiner Meinung nach würde sich nicht so viel ändern, soweit ich das jetzt beurteilen kann. Wie das mit der vorgeschlagenen Tunnellösung und einer möglichen Verlegung des Bahnhofs in einen Graben laufen würde, sind für mich offene Fragen“, so Jokisch.

„Das ist nicht der große Wurf“

„Das ist jetzt nicht der große Wurf“, bestätigt Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher (CSU) die Zurückhaltung seiner Amtskollegen. Zwar habe Vieregg völlig richtig die „spezielle Situation“ in Flintsbach erkannt, aber ob dessen Vorschläge tatsächlich wesentliche Verbesserungen bringen würden, wisse er nicht.

Noch etwas weiter im Süden ergibt sich ein noch eindeutigeres Meinungsbild. Hintergrund ist, dass die Bahn für die Gemeinden Oberaudorf und Kiefersfelden einen unterirdischen Verlauf einer Neubautrasse vorschlägt. Demzufolge erteilt Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber (CSU) einem Ausbau der Bestandsstrecke eine Absage.

„Wir ringen seit vielen Jahren um einen besseren Lärmschutz“, sagt er. „Den zusätzlichen Verkehr auf der alten Strecke abzuwickeln, halte ich nicht für zumutbar und auf lange Sicht auch nicht für realistisch“, so das Gemeindeoberhaupt. Die von Vieregg vorgeschlagene Verlegung der Strecke und des Bahnhofs in teilweise besiedeltes Gebiet erzeuge zusätzliche Betroffenheit bei den Bürgern, so Wildgruber.

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Da eine Neubautrasse erst in etwa 20 Jahren fertig sei, müsse bis dahin noch die Bestandsstrecke den gesamten Verkehr übernehmen. „Daher muss hier bezüglich Lärmschutz eh noch etwas passieren“, sagt der Bürgermeister. Ein Fragezeichen bei den Plänen der Bahn sieht er noch in einer möglichen Verknüpfungsstelle in Niederaudorf: „Das müssten wir uns dann genau anschauen.“

Auch in Kiefersfelden bevorzugt man im Rathaus die Variante mit zwei zusätzlichen Gleisen, die dann im Gemeindegebiet unterirdisch verlaufen würden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine ausgebaute Bestandsstrecke tatsächlich bis weit ins 21. Jahrhundert oder darüber hinaus ausreichen würde“, sagt Kiefersfeldens Zweiter Bürgermeister Christian König (CSU). Er sei auch der Meinung, dass die Bahn den Ausbau der Bestandsstrecke gewissenhaft geprüft und aus guten Gründen verworfen habe.

„Wir bräuchten dann 2000 Basistunnel“

Genau das stellt der Verkehrsberater Vieregg in Frage. Und auch die Szenarien, wonach im Jahr 2050 bis zu 550 Züge auf der Strecke verkehren würden, sind aus seiner Sicht nicht begründet. „Jedes exponentielle Wachstum hat einmal ein Ende. Man kann nicht davon ausgehen, dass es sich so fortsetzt wie in den vergangenen Jahrzehnten“, sagt der Experte.

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Er habe mal nachgerechnet, was passieren würde, wenn sich das vom Verkehrsministerium angenommene Wachstum über das Jahr 2050 hinaus fortsetzen würde. „Wir bräuchten dann im Jahr 2200 etwa 2000 Brenner-Basistunnel, um das Güterverkehrsaufkommen zu bewältigen“, führt Vieregg an. Allein daran könne man schon erkennen, dass die Wachstumskurve nicht ewig so fortlaufen könne. Er sieht vielmehr gute Gründe dafür, dass bereits jetzt eine Stagnation oder zumindest ein deutlich geringeres Wachstum im Güterverkehr auf der Schiene erreicht sei.

„Planungen nach bestem Wissen“

„Ich habe meine Planungen nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und bin überzeugt, dass ein Ausbau der Bestandsstrecke die beste Lösung ist“, unterstreicht der Fachmann. Diese Meinung teilen nicht nur die Bürgerinitiativen, sondern auch die Gemeinden Stephanskirchen, Riedering, Rohrdorf und Neubeuern. Sie haben zusammen mit der Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land die Planungen zum Ausbau der Bestandsstrecke in Auftrag gegeben. Würden die Entwürfe der Vieregg-Rössler GmbH Realität werden, hätte sich das Thema Neubautrasse für ihre Gemeindegebiete automatisch erledigt. Anton Maier

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