Unternehmer „beobachten“ Situation

Unternehmen in der Corona-Krise schützen:Mit der neu eingeführten Regelung für das Kurzarbeitergeld will die Bundesregierung auch verhindern, dass Unternehmen Mitarbeiter entlassen müssen. Pleul dpa

Die Bundesregierung hat aufgrund der Corona-Krise die Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld gelockert. Besonders Firmen, die von Lieferengpässen oder Schließungen betroffen sind, sollen entlastet werden. Zahlen für die Region gibt es nicht.

Rosenheim– Wie viele Unternehmen in der Region bereits das Kurzarbeitergeld beantragt haben, darüber macht die Bundesagentur für Arbeit keine Angaben. Es sei keine Auswertung nach Regionen möglich, teilte eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung mit. Grund dafür sei der Datenschutz, denn vor allem in kleineren Regionen ließen sich sehr schnell Rückschlüsse auf die betroffenen Firmen schließen.

Jedoch könne die Agentur für Arbeit feststellen, welche Branchen besonders von der Corona-Krise betroffen sind. Transport- und Logistikfirmen sowie das Hotel- und Gastgewerbe, Betriebe aus dem Messebau und der Touristikbranche hätten sich schon an die Behörde gewandt. Bis die ersten Zahlen da sind, wie groß der Schaden für die regionale Wirtschaft durch das Coronavirus tatsächlich sein könnte, wird es wohl noch dauern.

Telefonleitung derBehörde überlastet

Elke Korn-Markl aus Traunstein, die in einem Hotel in Reit im Winkl ein Wellness-Institut betreibt und am Dienstag ihren Laden zusperren musste, hat bereits Erfahrungen mit dem Beantragen des Kurzarbeitergeldes für ihre Angestellte. Aber das war nicht so leicht. Denn eigentlich sollte das Prozedere im Zuge der Corona-Krise einfacher werden. Da der Personenverkehr in den Behörden eingestellt wurde, sollen Betroffene die Kurzarbeit telefonisch oder über die Homepage der Bundesagentur für Arbeit beantragen.

Doch die Telefonleitungen der Agentur für Arbeit sind überlastet. Seit Tagen versucht die Traunsteinerin durchzukommen, fliegt jedoch immer wieder aus der Leitung. „Auf der Homepage wird man direkt zum Antrag geleitet. Allerdings muss man vorher bereits eine Anzeige auf Kurzarbeit gestellt haben“, berichtete sie. Das habe sie jedoch nicht gewusst und niemanden erreicht, um sich ausreichend zu informieren.

Um den Antrag zu stellen musste sie außerdem eine Einverständniserklärung ihrer Mitarbeiterin einholen und alle Angestellten – auch Geringfügigangestellte, die gar kein Recht auf Kurzarbeitergeld haben – auflisten. Auch diese Info habe sie nur durch Glück von einer Sachbearbeiterin erhalten, die ihr in der Vergangenheit bei der Personalsuche behilflich war und deren E-Mail-Adresse Korn-Markl noch zur Hand hatte.

Die zentrale Stelle der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bestätigte auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung, dass es derzeit zu einer Überlastung der Telefonleitung kommt. Ein Sprecher gibt allen, die das Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen müssen, einen Tipp: „Alle Infos rund um das Kurzarbeitergeld stehen auf der bundesweiten Homepage der Arbeitsagentur. Wenn man herunterscrollt, sind unter Downloads alle relevanten Links.“ Im Merkblatt 8a – das sehr umfangreich ist, seien Voraussetzungen und Schritte für den Antrag aufgeführt.

15 Tage dauertdie Bearbeitung

Mithilfe einer Sachbearbeiterin hat Elke Korn-Markl den Antrag doch noch stellen können. 15 Arbeitstage dauert die Bearbeitung. Dann erfährt sie, ob sie für ihre Angestellte das Kurzarbeitergeld bewilligt bekommt. Sie selbst hat jetzt kein Einkommen. Auf ihrer Homepage bietet sie ihre Kosmetikprodukte im Onlineshop an, gibt Gesundheitstipps und erklärt auch, wie man selbst naturbasiertes Desinfektionsmittel herstellen kann. „Vielleicht kann ich auf diese Weise helfen“, sagt Elke Korn-Markl.

Auch große Unternehmen trifft die Corona-Krise. Immer mehr stellen die Produktion ein. Gerüchte, dass bei der Firma Schattdecor in Thansau ab Donnerstag kurzgearbeitet wird, wies das Unternehmen zurück: „Für uns gibt es derzeit keinen Grund zur Kurzarbeit. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen die weitere Entwicklung mit sich bringt und welche Maßnahmen sie fordern wird, ist aktuell wohl für niemanden absehbar“, sagt Vorstandsvorsitzender Roland Auer.

Zudem teilte Auer mit, dass sich zweimal täglich ein interner Krisenstab treffe, der die neuesten Entwicklungen rund um das Coronavirus beobachtet und das Vorgehen bespricht. Zudem verfolge man die Situation mit höchster Sensibilität, um die Mitarbeiter entsprechend zu schützen. Das heißt, keine Dienstreisen, vermehrt Videokonferenzen, ein Großteil der Mit arbeiter arbeitet im Home- Office. Dafür wurde eigens ein Schichtbetrieb eingerichtet: Ein Teil des Teams arbeitet von zu Hause aus, der Rest ist im Büro. Dann wird abgewechselt.

Auch beim Rosenheimer Elektronikhersteller Heinzinger läuft die Produktion bislang reibungslos. „Wir sind sehr froh, dass Kurzarbeit bislang noch kein Thema für uns ist“, sagt Unternehmenssprecherin Julia Wolf. Die Maschinenbaufirma Krones ist ebenfalls nicht von der Kurzarbeit betroffen. Die Produktion läuft ohne Einschränkungen, teilte Unternehmenssprecherin Ingrid Reuschl mit. Dafür habe man zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Mitarbeiter zu schützen. „Je nach Tätigkeitsbereich arbeiten unsere Mitarbeiter im Home-Office. In der Produktion haben wir die Schichten entzerrt.“

An den Standorten in Rosenheim gebe es je zwei Schichten. Des Weiteren gelten strenge Regeln beim Kantinenbesuch: Gemeinsames Essen sei derzeit nur in kleineren Gruppen empfohlen. „Wir haben sehr früh angefangen, unsere Mitarbeiter zu schulen und auf eine Einhaltung der Hygiene-Empfehlungen zu achten. Das funktioniert sehr gut“, so Reuschl. Produziert wird bei Krones derzeit in Vollauslastung. Allerdings beobachte man die Entwicklungen, da die Firma abhängig von Zulieferern sei. „Momentan weiß wohl keiner so recht, wie es in ein paar Tagen aussehen kann.“

Nachdem am Dienstag VW angekündigt hatte, die Produktion in einem Großteil der europäischen Werke einzustellen, zieht ab Montag auch Audi nach. Dies betrifft auch Zulieferer von Autoteilen. Diebald Lackierungen in Rosenheim beliefert MAN Daimler. „Noch sind wir von der Kurzarbeit nicht betroffen. Sollten die anderen Automobilhersteller nun nachziehen, müssen wir sehen, wie sich die Situation entwickelt“, sagte Geschäftsführerin Manuela Diebald. Da auch sie auf Zulieferer angewiesen sind, rechne sie täglich mit der Nachricht, dass es zur Kurzarbeit kommen könnte. „Jeder kann betroffen sein, es ist wirklich bitter“, so Manuela Diebald.

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