Unsere stillen Begleiter

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Geistheilerin Milena Rehborn: "Die helfende Kraft dieser Lichtwesen kann im wirklichen Leben einiges bewirken."

Kiefersfelden - So recht mag man der Geschichte von Milena Rehborn nicht glauben. Es fasziniert und verunsichert zugleich, wenn die Kiefersfeldenerin behauptet, Engel sogar riechen zu können.

Der Duft dieser Lichtwesen, wie sie sie bezeichnet, sei betörend. So dufte etwa die Mutter Maria nach Rosen, Jesus selbst nach Jasmin. Für Pater Robert von den Reisacher Karmeliten sind diese sogenannten Engelkontakte "Aberglaube pur und Geldschneiderei!" Das Zwiegespräch zwischen dem Geistlichen und der Geistheilerin zeigt aber, dass sie bei aller Gegensätzlichkeit eines gemein haben: Sie sind davon überzeugt, dass es Engel wirklich gibt.

Das Wort "Engel" leitet sich ab vom griechischen "ángelos" und bedeutet Bote oder Gesandter. Als Boten Gottes erscheinen sie in vielen Berichten des Alten und Neuen Testaments - und übrigens auch im Koran, im heiligen Buch des Islam. Im Alten Testament ist der "Engel Gottes" oft auch eine Umschreibung für Gott selbst, der aber aus Ehrfurcht nicht bei seinem Namen genannt wird. Pater Robert erklärt beim Rundgang durch die Klosterkirche Reisach: "Aus der Bibel kennen wir die Namen von drei Erzengeln: Michael (Sein Name bedeutet: Wer ist wie Gott?), der mit seiner Engelschar für die Ehre Gottes und gegen den Satan kämpft; Gabriel (Gott ist mein Held), der Verkündigungsengel; Rafael (Gott heilt), der Weggefährte des Tobias, der dessen Braut Sara und am Ende auch dessen Vater Tobit heilt."

Biblisch begründet ist auch der Glaube, dass jeder Mensch vom Anfang seines Lebens bis zum Ende einen Schutzengel hat. Deshalb führt Pater Roberts Weg in der Kirche direkt zum vorderen rechten Seitenaltar, den sogenannten Schutzengelaltar. Zu sehen sind zwei Schutzengel mit göttlichem Auftrag: Der eine nimmt einen Buben bei der Hand und führt ihn am Abgrund sicher vorbei, mit einer Lilie in der anderen Hand den Weg der Tugend weisend. Der zweite Schutzengel deutet mit dem Kreuz zum Himmel und nimmt einen sterbenden Greis in seinen Arm. Der Geistliche: "Daran denke ich immer, wenn ich bei einer Beerdigung vor einem Sarg oder einer Urne stehe und singe: "Zum Paradies mögen Engel dich geleiten."

Gibt es diese andere geistige Welt? Gibt es diese Lichtwesen, die beschützen, trösten oder Botschaften überbringen? Milena Rehborn bejaht diese Fragen eindeutig. Sie stellt Kontakte zu Engeln her, indem sie sie "einfach ruft". Die Kiefersfeldenerin, die im "richtigen Leben" freiberufliche Projektleiterin in der Automobilindustrie ist, gerät über bestimmte Frequenzen - "Stellen Sie sich Radiowellen vor" - in Verbindung mit der "Ebene des Lichts", die die Engel beheimatet. Und so erscheinen sie ihr als fast drei Meter hohe Lichtsäulen, die in beeindruckenden Farben schillern und sich gerne den Menschen mitteilen. Oft sei es ein direktes Gerangel, wer von den erschienenen Engeln zu ihr "sprechen" darf - "Live-Channel" nennt man diese Mitteilungsform aus der geistigen Welt, erklärt die Geistheilerin. Die helfende Kraft dieser Lichtwesen könne im weltlichen Bereich vieles bewirken, so ihre Überzeugung. Die Kritik an ihrer Arbeit - vor allem seitens katholischer Geistlicher - sieht sie gelassen. Vielmehr fordert sie mit Blick auf die ihrer Meinung nach umfangreiche Götterwelt mehr Toleranz: "In diesen extrem schwierigen Zeiten sind die Menschen suchend. Viele Fragen kann die Kirche derzeit nicht mehr beantworten." Deshalb sieht sich Rehborn als Mittlerin zwischen den Ebenen der geistigen Welt und der alltäglichen Wirklichkeit. Engel seien "Botschafter der Zeitenwende".

Hier schließt sich der Kreis zum weihnachtlichen Geschehen. Die durch die Geburt Jesu eingeläutete Zeitwende wurde durch einen Engel verkündet. "Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist", heißt es im Angelus-Gebet.

Diese kleine Schnittstelle erkennt der Karmelitenpater gerade noch an, geht aber mit den Geistheilern, die es auch im Landkreis Rosenheim gibt, hart ins Gericht. In seiner diesjährigen Fastnachtspredigt gab er deshalb in Reimform zu bedenken: "Es wäre manchmal grad zum Lachen, würd' es nicht zugleich traurig machen, was Aberglaube fertig bringt. Und selbst in g'scheite Köpfe dringt, was Kartenleger zammaspinnen und Astrologen lässt gewinnen Unsummen Gelder von den "Schlauen", die mehr auf Stern' als Gott vertrauen. Frei Haus kommt's schon durchs Glotzofon, ist abrufbar per Fax und Fon und heut' erst recht im Internet - der Preis dafür ist ganz schön fett - was mir und dir die Sterne künden, um sein vermeintlich' Glück zu finden."

Seine Botschaft zu Weihnachten lautet: "Ich wünscht', es wär' auch heut' noch so, dass alle Christen wären froh, dem Gottessohne zu begegnen, um so den Lebensweg zu segnen mit seinem Wort und Lebensbrot. Doch viele sind lebendig tot und hasten sinnlos durch das Leben, als gäb's nichts andres zu erstreben als Geld und Macht und Eitelkeiten."

Oberbayerisches Volksblatt

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