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49-JÄHRIGE SAMMELT GELD UND LEBENSMITTEL

Unruhen in Südafrika: Ninette Sellmair aus Bad Aibling engagiert sich für ihre Heimat

  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Erst Corona, jetzt schwere Unruhen: Südafrika geht durch eine der schwersten Krisen seiner jüngeren Geschichte. Eine Südafrikanerin in Bad Aibling will nicht abseits stehen. Ninette Sellmair (49) hilft. Sie sammelt Lebensmittel und Geld vor allem für Menschen in Pietermaritzburg.

Rosenheim/Bad Aibling – Die 200 000-Einwohnerstadt im Osten Südafrikas ist Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal. Es ist die Heimatprovinz von Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma, dessen Verhaftung die jüngsten Unruhen mit bislang über 70 Toten, Zerstörung und Plünderungen auslöste. Ein Chaos, das auch der langen Dominanz der Partei des African National Congress (ANC) geschuldet ist, dem Zuma angehört.

„Menschen, die vor Trümmern stehen“: Ninette Sellmair stellt eine Hilfslieferung für die Menschen in Südafrika zusammen.

„Die Verhaftung von Zuma war der Zündfunke“, sagt Ninette Sellmair, die seit fünf Jahren mit ihrem Mann in Bad Aibling lebt. Von KwaZulu-Natal aus breiteten sich die Unruhen in Bayerns Partnerprovinz Gauteng aus.

Viel Zunder für einen politischen Großbrand

Am Kap hatte sich viel Zunder für einen politischen Großbrand angesammelt. Zwist zwischen den verschiedenen Ethnien, aber auch soziale Ungleichheit. Die Gegensätze zwischen Weißen und Schwarzen hingegen empfindet Ninette Sellmair als „weniger belastend“, das Verhältnis sei in Südafrika weniger kritisch als beispielsweise in Simbabwe. Sellmairs Eindrücke aus Südafrika: relativ frisch. Erst im Juni ist sie von einem sechswöchigen Aufenthalt in Pietermaritzburg und Umgebung zurückgekehrt.

„Dort lebt meine Familie.“ Daher war ihr schnell klar: Den Menschen dort muss man helfen. Reisen dorthin sind gerade nur unter Schwierigkeiten möglich, wegen der Unruhen und der kritischen Corona-Lage rät das Auswärtige Amt von allen Reisen ab, die nicht unbedingt sein müssen.

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Ninette Sellmair setzte sich daher an den Schreibtisch vor den Laptop und griff zum Telefon, trommelte per Instagram und Whatsapp. Sie rief Freunde und Bekannte in Südafrika an, und die machten sich auf den Weg in die Supermärkte. Haltbare Lebensmittel wie Reis und getrocknete Bohnen, aber auch Babynahrung, Windeln und Tierfutter standen auf den Einkaufslisten. Und ganz schnell sei eine Tonne beisammen gewesen.

Ein bewaffneter Polizist steht in einem Laden, der von Plünderern völlig verwüstet worden ist. Die Knappheit an Dingen des täglichen Bedarfs, die durch die Gewalttaten entsteht, trifft vor allem die ärmsten Menschen des Landes. dpa

Die Gaben sollen Menschen gleich welcher Hautfarbe oder Ethnie zugute kommen, die sie benötigten. Es gebe Menschen, die im Chaos hungerten, die „Kinder haben, und nichts zu essen“, sagt Sellmair.

Nun wird alles eingepackt, am Montag dann von Johannesburg nach Pietermaritzburg gebracht. Voraussichtlich werden die Güter im Lkw transportiert, unter Bewachung von Sicherheitsleuten. „Über Freunde von Freunden“ sei der Kontakt zustande gekommen, eine notwendige Sicherheitsvorkehrung, sagt Sellmair: „Die Straßen sind unsicher.“

„Wir befürchten große humanitäre Not“

Gut möglich, dass Ninette Sellmair noch einige Hilfskonvois auf den Weg schicken wird. Sie und ihr Mann wenden selber Mittel auf, auch ihre Freunde haben Geld in die Aktion gesteckt, mit Spenden könnte noch etwas mehr gehen. Es wird weiter Menschen geben, die Hilfe benötigen. „Wir befürchten große humanitäre Not“, sagt Ninette Sellmair. Militär sei in Pietermaritzburg am Flughafen angekommen, rund 20 000 Soldaten, berichtet sie. „Die kontrollieren die wichtigsten Plätze und Kreuzungen, Gerichtsgebäude und den Flughäfen.“ Die Lage? „Ruhig, aber nicht gerade entspannt.“

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Nur eine unruhige Momentaufnahme, so hofft Sellmair. Denn eigentlich seien die Menschen in der „Rainbow-Nation“ gut im Zusammenhalten. Es könne auch etwas Neues entstehen. Aber zunächst droht Knappheit an Lebensmittel. Weil so viele Fabriken gebrannt hätten, in denen Lebensmittel hergestellt werden. Und weil Corona so vielen armen Menschen die Lebensgrundlage entzogen habe. „Wir müssen den Hilflosen helfen“, sagt sie, „den Menschen, die jetzt vor den Trümmern stehen.“

Wer spenden möchte, kann sich unter der E-Mail.Adresse kontakt@skingarden.de bei Ninette Sellmair über Möglichkeiten informieren, den Menschen in Südafrika zu helfen.

Rubriklistenbild: © Hadersbeck

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