UNFALL AUF DER A9

Helfer des THW Rosenheim ist nach Crash zehn Minuten bewusstlos – Unfallfahrer stirbt

Die Unfallstelle auf der A9 in Höhe Ingolstadt: Ein Lastwagen fährt fast ungebremst in jenen Lkw, in dem zwei Kameraden des Rosenheimer THW auf dem Weg nach Hause waren.
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Die Unfallstelle auf der A9 in Höhe Ingolstadt: Ein Lastwagen fährt fast ungebremst in jenen Lkw, in dem zwei Kameraden des Rosenheimer THW auf dem Weg nach Hause waren.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Mit dem Schrecken davongekommen sind zwei Helfer des Rosenheimer THW. Bei einem Unfall auf der A9 bei Ingolstadt, bei dem der Unfallfahrer ums Leben kam, mussten die Kameraden anderthalb Stunden eingeklemmt in ihrer Führerkabine ausharren. Der Beifahrer verlor zeitweise das Bewusstsein.

Etwa um 13.15 Uhr kam es zum Crash: Auf der A9 in Höhe Ingolstadt floss der Verkehr nur noch zäh fließend. Ein 57-Jähriger Lkw-Fahrer übersah diese Verkehrssituation offenbar und fuhr ungebremst auf einen Sattelzug zweier THW-Helfer auf, mehrere Fahrzeuge verkeilen sich durch den Aufprall ineinander.

Der 25-jährige Fahrer des THW-Fahrzeugs aus Rosenheim und der 35-jährige Beifahrer aus der Gemeinde Großkarolinenfeld sind ab diesem Zeitpunkt in ihrer Führerkabine eingeklemmt. Für anderthalb Stunden sind die jungen Männer in ihrem Fahrzeug gefangen.

Rettung aus zertrümmerten Kabine

„Für die Feuerwehr Ingolstadt war es wohl nur einem Schutzengel zu verdanken, dass die beiden aus der völlig zertrümmerten Kabine lediglich mit Platz- und Schürfwunden sowie Prellungen befreit werden konnten“, berichtet Stefan Huber von einem Gespräch mit seinen Feuerwehrkollegen. Insgesamt waren acht Fahrzeuge der Ingolstädter Wehr, vier Rettungswagen und ein Rettungshubschrauber im Einsatz. Auch elf Bundeswehrsoldaten waren vor Ort und leisteten Erste Hilfe.

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Was während dieser Minuten passiert ist, können die verunglückten THW-Helfer derzeit nicht komplett wiedergeben. Stattdessen schildert der Pressesprecher des Rosenheimer THW, Stefan Huber, was die Kameraden ihm erzählt haben. Demnach war der Beifahrer für gut zehn Minuten bewusstlos. Seinem Kollegen gelang es erst nach dieser Zeit, ihn wieder ins Hier und Jetzt zurückzuholen. Keine ungefährliche Situation, schließlich fehlten dem Helfer in diesen Minuten auch gewisse Schutzreflexe.

Auch der Fahrer kann sich nur verschwommen an die Zeit erinnern, während er mit seinem Kameraden eingeklemmt in der Kabine saß und an ihm rüttelte, um den 35-Jährigen zu Bewusstsein zu bringen. Die Rettung der beiden gestaltete sich für die Ingolstädter Feuerwehrleute schwierig. „Die Kollegen waren am Schluss wirklich körperlich durch“, berichtet THW-Sprecher Huber.

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Die verkeilten Sattelaufleger hätten die Brandbekämpfer zunächst mit Seilwinden und hydraulischem Gerät von der Fahrbahn wuchten müssen. Auch zwei schwere Papierrollen hätten im Weg gelegen und mussten weichen, bevor die verunglückten THW-Helfer befreit werden konnten. Beide waren auf dem Rückweg aus Bamberg, wo sie Schutzausrüstung angeliefert hatten, die im Rahmen der Corona-Pandemie benötigt wurde. Seit März ist das Rosenheimer THW mit dieser Aufgabe betraut, die Transporte erfolgen wöchentlich.

Im Stau fuhr der Verursacher des Unfalls rund 80 km/h auf den Lastwagen des Technischen Hilfswerks auf. Der 57-Jährige aus dem Raum Schweinfurt bezahlte den Aufprall mit seinem Leben. Ein Rettungshubschrauber flog ihn in eine Klinik, wo er letztendlich seinen Verletzungen erlag. Auch ein rumänischer Fahrer hatte Glück. Er kam mit leichten Verletzungen davon. Den 25-jährigen Fahrer holte das Rosenheimer THW gestern aus der Klinik wieder nach Hause. Einen Tag, nachdem auch die Eltern nicht wussten, ob ihr Sohn nicht vielleicht jener Schwerverletzte gewesen war, den der Rettungshubschrauber ins Krankenhaus flog.

Gut zehn Minuten bewusstlos

Denn zunächst war die Situation für die THW-Kameraden in Rosenheim unklar. Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als klar wurde: Den beiden geht es den Umständen entsprechend gut. In der Klinik hingegen verbleibt zumindest über das Wochenende der Beifahrer, nach seiner gut zehnminütigen Bewusstlosigkeit.

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Einsatznachsorge für die Kameraden

Für die beiden Einsatzkräfte aus Rosenheim und Großkarolinenfeld heißt es nun zunächst wieder zur Ruhe zu kommen und die Erlebnisse zu verarbeiten. Wenn diese es wollten, biete das THW eine Einsatznachsorge, um sie dabei zu unterstützen. Dabei dränge sich die Organisation nicht auf. Signalisierten die Kameraden, dass mit ihnen alles in Ordnung sei, behellige man sie nicht durchgehend mit diesem Angebot. Vorausgesetzt, sie machten auch den Eindruck, als hätten sie das Geschehene verarbeitet.

Letztendlich beziffert die Polizei den Gesamtschaden der Karambolage mit rund 400 000 Euro. Das Führerhaus des THW-Fahrzeugs wurde durch den Aufprall abgerissen. Für den Rosenheimer Ortsverband hingegen entstand kein finanzieller Schaden. Er hatte sich für den Transport der Medizingüter ein Fahrzeug des Landesverbands ausgeliehen.

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