Schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung?

Überfall mit Machete und Elektroschocker: Vier Männer aus der Region in Traunstein vor Gericht

Bei ihren Überfällen sollen die Täter unter anderem einen Elektroschocker als Waffe eingesetzt haben.
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Bei ihren Überfällen sollen die Täter unter anderem einen Elektroschocker als Waffe eingesetzt haben.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Sie sollen bei ihren Überfällen mit einer Machete gedroht, einen Elektroschocker dabei gehabt und einen Schlagring eingesetzt haben: In Traunstein müssen sich jetzt vier Männer aus dem Chiemgau unter anderem wegen besonders schweren Raubs vor Gericht und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Traunstein/Chieming – Um einen besonders schweren Raub, gefährliche Körperverletzungen und Drogendelikte geht es in einem Prozess der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein gegen vier Angeklagte, die zwei Männer überfallen haben sollen. Die zwischen 32 und 38 Jahre alten mutmaßlichen Täter aus Garching an der Alz, Chieming und Traunreut zeigten sich zum Prozessauftakt am Donnerstag (22. Oktober) teilgeständig. Alle räumten ein, jeweils an den Tatorten gewesen zu sein.

Mit dem Schlagring zugeschlagen

Der erste Vorfall ereignete sich am 11. April 2019 gegen 22.30 Uhr in der Wohnung eines 39-jährigen in Traunreut. Dessen Mutter war gerade zu Besuch, als an der Tür geläutet wurde. Kurz darauf krachte es. Die Tür sprang auf, möglicherweise durch einen Tritt. Während der 33-jährige Traunreuter „Schmiere“ stand, stürmten zwei andere in die Wohnung. Der 32 Jahre alte Traunreuter soll den Wohnungsmieter festgehalten, der 38-jährige Garchinger mit einem Schlagring zugeschlagen haben. Hintergrund des Angriffs war ein Gerücht, das er angeblich weiterverbreitet haben sollte.

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Der 39-Jährige berichtete im Zeugenstand: „So schnell die Jungs gekommen sind, so schnell waren sie wieder weg.“ Er habe die Personen „aus der Szene“ gekannt. Wer genau damals in der Wohnung war, daran vermochte er sich gestern angeblich nicht zu erinnern. Die Männer seien maskiert gewesen.

Betäubungsmittel gefordert

Zweites Opfer war ein 54-jähriger Mann aus Traunstein, dem ein Arzt ob einer Behinderung nach einem Unfall medizinische Drogen verschrieben hatte. Der Geschädigte kannte einzig den 33-Jährigen. Etwa vier Wochen vor dem Überfall meldete sich der Angeklagte und verlangte über einen Messenger-Dienst Betäubungsmittel von dem 54-Jährigen. Der Zeuge weigerte sich.

Mit Machete und Elektroschocker ausgerüstet

Am späten Nachmittag des 11. Januar 2020 kreuzten dann drei der vier Angeklagten vor der Wohnung auf – ausgerüstet mit einer Machete und einem Elektroschocker. Als er die Tür aufmachte, wurde er gepackt. Einer der Angeklagten hielt ihm den Mund zu und verdrehte ihm den Kopf mit den Worten: „So, jetzt haben wir dich. Aus is.“ Gemeinsam soll das Trio den 54-Jährigen ins Wohnzimmer gedrängt haben. Der 37-jährige Chieminger soll nahe der Tür aufgepasst haben, dass niemand stört. Währenddessen drückten der 38-jährige Garchinger beziehungsweise der 33-Jährige aus Traunreut das Opfer zu Boden, schlugen es vielfach mit Fäusten, traten zu und traktierten es mit dem Taser.

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Der Garchinger hielt dem Geschädigten eine Machete an Nacken und Hals, schob die Klinge am Ohr hin und her. Der 54-Jährige bestätigte dessen Worte: „Soll ich dir ein Ohr abschneiden?“ Die Täter warnten den Mann außerdem, sie zu verraten. Nach weiteren Schlägen offenbarte der 54-Jährige sein Betäubungsmittelversteck. Die Angeklagten bedienten sich anschließend selbst an dem medizinischen Marihuana, an Morphin-Tabletten und -Pflaster. Sie holten 40 Euro Bargeld aus der Geldbörse des Nebenklägers und nahmen ihm das Handy weg.

Nach dem Überfall „ein richtiges Trauma“

Auf Frage des Vorsitzenden Richters meinte der 54-Jährige: „Das Motiv der Täter ist mir ein Rätsel.“ Er versicherte, nie etwas von den ihm verschriebenen Drogen abgegeben zu haben. Nach dem Überfall habe er „ein richtiges Trauma“ gehabt. Inzwischen fühle er sich besser, habe jedoch bis heute Angst – „nachts und wenn es klingelt“.

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Kripobeamte aus Traunstein schilderten gestern ihre Ermittlungen, die sich mit dem Sachverhalt der Anklage deckten. Sie informierten unter anderem über DNA-Spuren, ausgewerteten Nachrichtenverkehr und weitere Beweismittel. Zu keinem Ergebnis führte das von den Verteidigern – Karl-Heinz Merkl aus Burghausen, Jörg Zürner aus Mühldorf, Hanns Barbarino aus Altötting und Kerstin Zinke aus Traunreut – beantragte Rechtsgespräch mit Staatsanwalt und Gericht.

Die Hauptverhandlung wird am Freitag, 23. Oktober, fortgesetzt.

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