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Abzocke mit offiziellem Anschein

Über Whatsapp oder per Mahnschreiben: So wollen Betrüger in der Region Rosenheim an Ihr Geld

Neue Betrugsmaschen: Über den Messengerdienst Whatsapp versuchen Kriminelle derzeit genauso Menschen in der Regio abzuzocken wie mit fingierten Mahnschreiben.
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Neue Betrugsmaschen: Über den Messengerdienst Whatsapp versuchen Kriminelle derzeit genauso Menschen in der Regio abzuzocken wie mit fingierten Mahnschreiben.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Zwei Betrugsmaschen machen derzeit auch in der Region die Runde: fingierte Mahnschreiben im Namen einer Lottogesellschaft und Whatsapp-Nachrichten vermeintlicher Verwandter. In beiden Fällen wollen die Hintermänner eines von ihren Opfern: Geld. Und solche Methoden werden immer ausgefeilter.

Rosenheim – Es sind vor allem ältere Menschen, die sich jene Betrüger heraussuchen, um sie um Geld zu bringen. Über den Messanger-Dienst Whatsapp nehmen sie Kontakt zu ihren Opfern auf und schauen dabei gezielt auf Personen, deren Profilbild darauf schließen lässt, dass es sich um ältere Semester handelt.

Geld für neues Handy überweisen

Ihre Masche: Sie melden sich bei Besagten, geben sich als Verwandte aus und bitten um Geld, meist für ein neues Handy. Denn damit haben sie auch gleich einen Grund, warum ihre Nachrichten nicht von der bekannten Telefonnummer stammen. Sie sprechen entweder davon, dass das eigene Handy gestohlen worden oder schlichtweg kaputtgegangen sei.

2000 Euro für neues Handy

Eine Prienerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von einem solchen Vorfall. Von ihrer Tochter soll die vermeintliche Nachricht gekommen sein, die ihrer Mutter mitteilte, ihre Tochter benötige Geld, da ihr Handy kaputtgegangen sei. Das Geld sollte sie überweisen, knapp 2000 Euro. Das Glück für die Dame: Für ihr Konto hatte sie ein spezielles Limit gesetzt, aber 500 Euro sind wohl für immer verloren. Denn in der Pflicht steht rechtlich der Empfänger des Geldes, einen Betrag zurückzuüberweisen, wenn er ihm nicht zusteht.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd kann auf Anfrage zwar nicht mit absoluten Zahlen aus der Kriminalstatistik dienen, verzeichnet jedoch eine „spürbare Zunahme“ solcher Betrügereien. Im Jahr 2021 hätten die Beamten noch eine „niedrige zweistellige Fallzahl“ feststellen können, heuer sei die Zahl bereits im hohen zweistelligen Bereich.

Mahnschreiben aus München

Und auch eine andere Masche ist beim Polizeipräsidium inzwischen aktenkundig: Der Versand von vermeintlichen Mahnschreiben einer fingierten Anwaltskanzlei, die Geld für eine Lotto-Gesellschaft eintreiben will. Rund 100 Fälle hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd inzwischen allein im laufenden Monat April verzeichnet.

Seit vergangener Woche warnt auch die Rechtsanwaltskammer München vor diesen angeblichen Mahnschreiben einer Anwaltskanzlei „Schmidt und Kollegen“ beziehungsweise der „KS Anwaltssozietät.“ Solch ein Brief ist auch an einen Stephanskirchener gegangen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Fingierte Anwaltskanzlei aus München

Die fiktiven Advokaten treten im Namen einer „Euro Lotto Zentrale Euro Jackpot-6/49“ auf, eine Firma, die es offenbar genauso wenig gibt wie die Anwaltskanzlei. Sie fordern im Namen ihres fiktiven Mandanten rund 290 Euro, angeblich wegen eines telefonisch abgeschlossenen Vertrags.

Beglichen werden soll die angebliche Forderung mittels Lastschriftverfahren, das Formular für die zugehörige Vollmacht legen die Betrüger bei.

Das Schreiben, welches der Redaktion vorliegt, wirkt authentisch. Es gibt ein Aktenzeichen, die Sprache ist fast fehlerfrei und sogar eine Münchener Festnetznummer ist auf dem Briefkopf zu finden. Dort erreicht man während der üblichen Bürozeiten jedoch nur eine Mailbox. Die Bitte um Rückruf der OVB-Heimatzeitungen blieb jedoch unbeantwortet.

Schreiben immer professioneller

Dass fingierte Mahnschreiben immer professioneller wirken, bestätigt auch Julia Zeller, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Wir sehen die Tendenz, dass diese Schreiben immer besser werden“, sagt Zeller. Das komme nicht von ungefähr, denn die Betrüger orientierten sich oft an authentischen Mahnschreiben oder kopierten diese gleich eins zu eins und ergänzten sie mit ihren Angaben.

Julia Zeller von Verbraucherzentrale Bayern rät beim Eingang von Mahnschreiben, zunrächst Ruhe zu bewahren.

Zeller rät Verbrauchern, beim Erhalt solcher Schreiben in jedem Fall Ruhe zu bewahren. Denn auch, wenn die Schreiben einschüchternd wirkten: Wer vermeintliche Schulden eintreiben will, muss das formale Mahnverfahren durchlaufen, welches im Zweifel vor Gericht ende, wo der Gläubiger nachweisen muss, dass ihm das Geld zusteht.

Im Zweifel zur Polizei gehen

Zeller empfiehlt: „Schauen Sie sich die Schreiben genau an und überlegen Sie, ob Sie wirklich einen solchen Vertrag abgeschlossen haben.“ Und selbst wenn klar ist, die Forderung ist unbegründet, sollte man sich im Zweifel an die Polizei wenden und gegebenenfalls Anzeige erstatten.

Dies auch, damit solche Betrügereien überhaupt öffentlich würden. Und spätestens, wenn man tatsächlich Geld an die Betrüger überwiesen hat, sollte man den Fall zur Anzeige bringen, rät die Polizei.

Bliebe noch die Frage: Woher kommen die Betrüger an die Adressen und Telefonnummern ihrer Opfer? Hier können Verbraucherzentrale und Polizei nur mutmaßen. Adressen und Nummern würden inzwischen gehandelt, legal wie auch illegal.

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