Trotz Hepatitis Sex ohne Kondom: Traunsteiner Gericht verurteilt Prostituierte (27)

Hatte der Freier beim Verzicht auf ein Kondom von der Erkrankung der 27-Jährigen gewusst? Auch diese Frage spielte vor Gericht eine Rolle.
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Hatte der Freier beim Verzicht auf ein Kondom von der Erkrankung der 27-Jährigen gewusst? Auch diese Frage spielte vor Gericht eine Rolle.

Sie hatte trotz Hepatitis-Infektion Sex mit einem Freier, klaute dessen Auto und leistete bei gegenüber Polizisten Widerstand: Für diese Vergehen musste sich eine 27-jährige Prostituierte aus Salzburg jetzt in Traunstein vor Gericht verantworten.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein/Salzburg – Eine mit Hepatitis C infizierte 27-jährige Prostituierte aus Salzburg hatte mehrmals ungeschützten Sex mit einem Freier (50) aus dem südlichen Landkreis Traunstein. Mit ihrem Freund klaute sie dessen Auto. Das Paar baute einen Unfall bei Weißbach, wurde von Bundespolizisten in einem Zug in Salzburg kontrolliert, leistete Widerstand und beleidigte Beamte. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Thilo Schmid verhängte gegen die Ungarin eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Kunde hatte sich nicht infiziert

Die Anklage von Staatsanwältin Barbara Miller umfasste fünffachen Geschlechtsverkehr ohne Kondom ab dem Frühjahr 2019 in Salzburg, im Auto und bei ihm Zuhause. Über ihre Ansteckung mit Hepatitis C seit vier Jahren klärte sie ihn nicht auf, bestand auch nicht auf einem Kondom. Glücklicherweise wurde der Kunde nicht infiziert. Am 3. Dezember 2019 stahl die 27-Jährige laut Anklage zusammen mit ihrem Freund Handy und Autoschlüssel des Freiers in dessen Wohnung, zwei Geldbörsen samt 85 Euro Bargeld, Bankkarte, Krankenkarte, Führerschein und Personalausweis, dazu Arbeitsjacken und ein teures Blasinstrument, die im Kofferraum lagen. Der dritte Vorwurf der Staatsanwältin galt einer Szene in den Räumen der Bundespolizeiinspektion Freilassing im Bahnhof Salzburg. Der Hintergrund: Die deutschen Beamten dürfen im Bahnhof Salzburg Grenzkontrollen durchführen.

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Die Ungarin wehrte sich heftig gegen ihre Durchsuchung, warf Kleidungsstücke und Schuhe gegen zwei Polizistinnen. Sie schmiss einen Stuhl auf den Boden und drohte, ihn auch gegen die Beamtinnen zu werfen. Dabei stieß sie Beleidigungen aus. Nach der Durchsuchung spuckte sie einer Beamtin auf die Schulter.

Die Anklägerin gelangte zu fünffacher versuchter gefährlicher Körperverletzung, Widerstand, tätlichen Angriffen auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung sowie Beleidigung in drei Fällen. Das Verfahren gegen den 18-jährigen flüchtigen Freund der Angeklagten dauert an.

Einschlägig vorbestraft

Die einschlägig vorbestrafte 27-Jährige kannte den Freier vom Straßenstrich in Salzburg her. Sie behauptete gestern, sie habe ihm „nicht direkt“ von ihrer Hepatitis C berichtet, sondern gesagt: „Ich bin krank.“ Der Freier habe nicht richtig hingehört: „Ihm war nur wichtig, dass ich meine Arbeit mache.“ Behandeln gegen die Erkrankung habe sie sich nicht lassen, habe sie doch Haarausfall befürchtet. Vor dem Diebstahl des Pkws habe sie Tabletten genommen, die sie „sehr aggressiv“ machten. Die Ungarin wörtlich: „Ich hatte ständig den Gedanken, dass ich etwas stehlen muss.“

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Der 50-Jährige habe sie und ihren Freund, wie schon öfter, am 3. Dezember 2019 in Salzburg abgeholt, schilderte die Frau. Nachts seien sie mit seinem Auto weggefahren, um nach Ungarn zu reisen. An mehr könne sie sich nicht erinnern. Sie sei im Wagen eingeschlafen. Wach wurde sie wieder, nachdem der Freund den Pkw in einen Graben nahe Weißbach an der Alpenstraße gesteuert hatte. Ein Pkw-Lenker nahm das Paar mit zum Bahnhof Traunstein. Die Fahrt endete mit der vorläufigen Festnahme im Zug in Salzburg.

Auf seinen Wunsch Verkehr ohne Kondom

Der 50-Jährige sagte im Zeugenstand, die 27-Jährige habe ihm gefallen. Von ihrer Krankheit habe er nichts geahnt, erst durch die Polizei davon erfahren. Auf seinen Wunsch hin habe sie beim Sex kein Kondom benutzt. Er habe sie auch zu sich nach Hause eingeladen. In der Nacht des Pkw-Diebstahls habe sie mit dem „Bruder“ im Schlafzimmer übernachtet, er auf dem Kanapee im Wohnzimmer. Seinen Wagen habe er wiederbekommen – mit kaputter Kupplung, beschädigtem Kotflügel und eingedrückter Stoßstange.

Angeklagte war „nicht kooperativ“

Eine Bundespolizistin informierte gestern, die Angeklagte sei bei der Durchsuchung „nicht kooperativ“ gewesen. Ein Schuh habe sie getroffen, aber nicht verletzt. Ihr sei wegen des Bespuckens zweimal Blut abgenommen worden – gottseidank ohne Befund, so die Zeugin.

Ein psychiatrisches Gutachten kam zu dem Ergebnis, die 27-Jährige weise eine Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und instabilen Zügen auf, allerdings nicht von Krankheitswert. Sie sei voll schuldfähig gewesen. Eine Unterbringung zum Entzug sei abzulehnen.

Deutliche Kritik am Verhalten des Freiers

Staatsanwältin Barbara Miller wie der Verteidiger, Manfred Kösterke aus Traunstein, griffen in den Plädoyers das Verhalten des 50-Jährigen auf. Dieser habe bei seiner Forderung auf Kondomverzicht von dem allgemeinen Risiko bei ungeschütztem Sex gewusst. Die Anklägerin beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, der Verteidiger zwischen ein und eineinhalb Jahre, aber mit Bewährung.

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Das Schöffengericht wertete einzelne Aspekte milder als die Staatsanwältin. Vorsitzender Thilo Schmid begründete im Urteil, das Teilgeständnis und die Entschuldigungsbriefe an die Geschädigten hätten strafmildernd gewirkt.

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