Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Teilnahme am Dialogverfahren verweigert

Streit um den Brenner-Nordzulauf im Kreis Ebersberg eskaliert - im Kreis Rosenheim bleibt‘s auffallend ruhig

Himmlische Ruhe? Hohentann liegt nach den Planungen der Bahn nahe an einer der Grobtrassen.
+
Himmlische Ruhe? Hohentann liegt nach den Planungen der Bahn nahe an einer der Grobtrassen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Gemeinden im Landkreis Ebersberg erleben im Kleinformat, was die Region Rosenheim bereits seit Jahren erlebt: Konfrontationen über den Brenner-Nordzulauf mit der Bahn. Bei den Nachbarn ist der Streit eskaliert. Allerdings ohne die Bürgermeister aus der Region Rosenheim – weil die sich was erhoffen.

Tuntenhausen/Ebersberg – Die Planungen für den Brennernordzulauf sorgen im Landkreis Ebersberg weiter für Zoff. Die Bürgermeister der Anrainergemeinden Bruck und Grafing hatten ebenso wie Landrat Robert Niedergesäß (CSU) ihre Teilnahme am Bürger-Dialog mit der Bahn fürs erste auf Eis gelegt. Und die Bahn mit einer Liste von 84 Fragen konfrontiert.

Anders Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl und Großkarolinenfelds Bürgermeister Bernd Fessler – sie halten am Dialog fest. Nicht im Widerspruch zu den Nachbarn, wie Weigl betont. Sondern eher, weil die Region Rosenheim wesentlich mehr Zeit gehabt habe, die Planungen der Bahn zu verdauen.

Plädoyer für die Bestandsstrecke

Im Kern geht‘s momentan darum: Bürger, Organisationen und Anrainergemeinden im Landkreis Ebersberg ziehen den viergleisigen Ausbau der Bestandsstrecke vor, fordern zumindest die Prüfung der Trasse. Was die Bahn wiederholt zurückgewiesen hat. Auch in ihren Antworten bleibt sie dabei: Die Bestandsstrecke sei für Mensch und Natur belastender als die vier Grobtrassen, die sie im Dezember für den Abschnitt zwischen Ostermünchen und Grafing vorgestellt hat.

Bahn und Bürger stehen einander in dieser Frage schroff gegenüber. Man sei „höchst irritiert“, darüber, wie die Bahn ihre Trassen präsentiere, so hatte es in dem offenen Brief geheißen. „Leider findet der Dialog aus unserer Sicht nicht auf Augenhöhe statt.“

Bahn weist Vorwürfe zurück

Die Bahn bedauerte in einer Erklärung den Boykott, hielt aber dennoch die nächsten Dialogrunden bereits ab. Nur eben ohne die Phalanx der Widerstrebenden.

„Einen Boykottaufruf finden wir falsch“, sagte Christian Tradler, Chefplaner der Bahn für den Abschnitt. Vorwürfe, es mangle an Dialogbereitschaft und die Bahn bleibe Antworten schuldig „müssen wir entschieden zurückweisen“, sagt Tradler. Mit denjenigen, die da gewesen seien – vorwiegend Teilnehmer aus dem Nachbarlandkreis Rosenheim – sei das Gespräch „sehr konstruktiv“ verlaufen.

Zu diesen Teilnehmern gehörte Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl. Der Ortsteil Hohenthann ist von den Planungen der Bahn stark betroffen. Also schaltete er sich dazu. Allerdings diesmal eher als interessierter Zuhörer. Denn ohne Abstimmung mit den andern erscheine eine Beteiligung seinerseits wenig sinnvoll. Über den Boykott der anderen Gemeinden war er informiert gewesen.

Wo sich die Bürgermeister Verbesserungen erhoffen

„Ich habe Verständnis“, sagte Weigl auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Auf die Kollegen im Landkreis Ebersberg seien sehr viele Informationen in einem kurzen Zeitraum abgefeuert worden. „Im erweiterten Planungsraum Kiefersfelden bis Ostermünchen hat sich das über Jahre erstreckt, dort wurde in kurzer Zeit präsentiert und beschlossen“, sagte Weigl. Die Bürgermeister im Landkreis Rosenheim seien drin im Thema, „aber für die Kollegen ist das alles neu“.

Verständnis für die Forderung nach einem Ausbau der Bestandsstrecke hat er auch, wünscht er sich das doch auch für sein Gemeindegebiet. Nach der Planung der Bahn für die Trasse wird die alte Strecke samt Bahnhof aber abgebaut, der Bahnhof würde zwischen Tuntenhausen und Ostermünchen neu gebaut werden. Die Regierung von Oberbayern gab der Bahn in ihrem Raumordnungs-Gutachten allerdings auf, die Lösung mit der Bestandsstrecke zu prüfen.

Eine Hausaufgabe hat die Regierung der Bahn unter anderem auch für die nördliche Inn-Querung bei Stephanskirchen aufgegeben. Die Bahn sieht eine Brücke vor, bevor die Trasse im fünfeinhalb Kilometer langen Tunnel Ringelfeld östlich um Stephanskirchen herumgeführt wird.

Untertunnelung soll geprüft werden

Laut Gutachten des Raumordnungsverfahrens soll an dieser Stelle die Möglichkeit einer Untertunnelung des Inns geprüft werden. „Die Bahn täte gut daran, diese Prüfung sorgfältig vorzunehmen“, sagt Großkarolinenfelds Bürgermeister Bernd Fessler, der als Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Rosenheim den Bürger-Dialog für den Landkreis Ebersberg als „Beobachter“ begleitet, wie er sagt. Eine oberflächliche Analyse böte Anlass zu juristischen Schritten im Planfesstellungsverfahren. Dann würde sich der Bau des Brenner-Nordzulaufs verzögern.

Eine Untertunnelung des Inns vor Stephanskirchen hatten die Planer der Bahn wiederholt als technisch sehr schwierig bezeichnet. Gut 30 Meter müsste in die Tiefe gegraben werden, der Tunnel bergmännisch vorangetrieben werden, da eine offene Bauweise nicht in Frage kommt.

Einer schert aus der Boykott-Phalanx aus

Mit dieser Tieferlegung aber stünde die Bahn vor technischen Problemen. Bis zur Verknüpfungsstelle bei Ostermünchen wäre die Trasse kaum mit verträgliches Gefälle zu führen, sagen die Planer.

Bedeutet: Die Verknüpfungsstelle würde womöglich weiter in Richtung Norden wandern und damit wohl in den Landkreis Ebersberg. Man werde dennoch auch diese Möglichkeit sorgfältig prüfen, sagte ein Sprecher der Bahn, die Ergebnisse dieser Prüfung könne man im Sommer präsentieren.

Unterschrieben hatte den Boykott-Brief mit der Frageliste übrigens auch der Bürgermeister von Aßling, Hans Fent. Er wird sich auf kritische Nachfragen seiner Mitunterzeichner einrichten dürfen. Denn er nahm, dem Boykott-Aufruf zum Trotz, an der jüngsten Dialog-Sitzung teil.

Ministerin mahnt zum Miteinander

Für den Samstag (5. Februar) haben örtliche Interessensvertreter und regionale Mandatsträger zu einer Protestveranstaltung in Grafing eingeladen. Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer wird sich dort einfinden, sie wolle „vor Ort den Dialog mit den Verantwortlichen und den Bürgern suchen“, heißt es seitens des Ministeriums. Auch von Bahn und den Neubau-Gegnern verlangt Schreyer Dialog. „Nur gemeinsam kann das Beste für die Region erreicht werden“, sagte sie, nachdem die Interessensvertreter der Region die Gespräche mit der Bahn auf Eis gelegt hatten. 

Kommentare