Auf das Schlimmste vorbereitet und alles andere - Schulamt Rosenheim stellt Corona-Plan vor

Nicht nur in den Fluren, auch in den Klassenzimmern gilt in den ersten neun Tagen an den Schulen im Raum Rosenheim eine Maskenpflicht. Ausgenommen sind Grundschüler.
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Nicht nur in den Fluren, auch in den Klassenzimmern gilt in den ersten neun Tagen an den Schulen im Raum Rosenheim eine Maskenpflicht. Ausgenommen sind Grundschüler.
  • vonAlexandra Schöne
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Viele Konzepte, Masken im Unterricht, Lehrer in der Mobilen Reserve: Das neue Schuljahr steht unmittelbar bevor – und mit ihm kommen viele neue Corona-Regeln auf Lehrer, Schüler und Eltern zu. Ein Überblick.

Rosenheim – Dass der Start ins Schuljahr 2020/21 ganz im Zeichen der Corona-Pandemie stehen wird, wurde am Donnerstag, 3. September, auch bei der mittlerweile schon traditionellen Pressekonferenz des Schulamts Rosenheim deutlich. Die Schulen hätten aber laut Schulamtsleiter Edgar Müller „umfassende Konzepte erarbeitet“, um den Unterricht gewährleisten zu können. Ein Überblick über die coronabedingten Veränderungen, auf die sich Schüler und Lehrer einstellen müssen.

Der Unterrichtsbetrieb wird – laut Schulamtsleiter Edgar Müller abhängig vom Infektionsgeschehen – in drei Stufen organisiert. Diese sind abhängig von der Sieben-Tages-Inzidenz (STI), also der Anzahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche.

Stufe eins stellt den Regelbetrieb für das ganze Schuljahr dar. Die Inzidenz muss hierfür bei 0 bis 35 liegen. Auf dem gesamten Schulgelände müssen die Schüler und Lehrer zudem eine Maske tragen. „Außer im Klassenzimmer und am Arbeitsplatz“, sagt Müller.

Ab Stufe zwei Maske auch in der Klasse

Stufe zwei beginnt bei einer STI von 35 und endet bei 50. Zusätzlich zu den Maßnahmen der Stufe eins tragen die Schüler ab der fünften Klasse in diesem Szenario auch am Sitzplatz die Maske. Das gilt unabhängig von der Entwicklung der Inzidenz für die ersten zwei Schulwochen. Ausgenommen von dieser Regel bleiben allerdings die Grundschüler, was jüngst auch das bayerische Kultusministerium angekündigt hatte. Eine Entscheidung, die Müller „sinnvoll“ als erachtet.

Ab einer STI von über 50 greift dann nach Angaben des Schulamtsleiters die Stufe drei. Dann muss zusätzlich von einem Mindestabstand von 1,5 Metern im Klassenraum die Maske in allen Jahrgangsstufen getragen werden. Außerdem würde in der Regel zwischen Präsenzunterricht und Lernen daheim – also Homeschooling – gewechselt werden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sei aber nur ein Richtwert und keine Zwangsmaßnahme, betont Müller ausdrücklich. Letztendlich würde das Gesundheitsamt entscheiden, ob und welche Stufe eintritt.

Während des Unterrichts in festen Gruppen

Das heißt: Es könnte sein, dass die STI über dem Wert 35 liegt, die Schüler aber trotzdem keine Maske am Sitzplatz tragen müssen. Sie sollen während des Unterrichts in ihren festen Gruppen bleiben. Auch Sportunterricht werde in diesen Gruppen erlaubt. In Fächern wie Kochen oder Religion, wo sich die Schüler zwangsläufig vermischen, müsse der Mindestabstand eingehalten werden. Obwohl das Schulamt nur für die Grund- und Mittelschulen zuständig ist, gelten diese Maßnahmen laut Müller auch für alle anderen Schularten.

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Die Schulen in der Region hätten nach Auskunft des Schulamtes in der Ferienzeit Konzepte zu verschiedenen Szenarien entwickelt. „Sie sind gut vorbereitet.“

Gesamte Schulklasse muss in Quarantäne

Das trifft auch auf Sonderfälle zu, beispielsweise wenn ein Schüler aufgrund eines ärztlichen Attests nicht in die Schule kommen darf. „Sie müssen daheim beschult werden. Sie werden in Gruppen zusammengefasst und einem Lehrer zugeordnet“, erklärt Müller. Wenn sich ein Kind mit dem Coronavirus infiziert, werde die gesamte Klasse für 14 Tage in Quarantäne geschickt.

Ein Konzept für einen gestaffelten Unterrichtsbetrieb habe jede Schule ebenfalls erarbeitet. Dabei wird zwischen Präsenzunterricht und Lernen zuhause“ gewechselt. „Im schlimmsten Fall muss der gesamte Unterrichtsbetrieb eingestellt werden“, sagt Müller.

Die fünf Schulräte im Staatlichen Schulamt Rosenheim (von links): Herbert Unterreiner, Angelika Elsner, Schulamtsleiter Edgar Müller, Marion Zoudlik und Markus Kinzelmann.

40 Atteste von Lehrern liegen vor

Für die Lehrer gilt: Sie sind verpflichtet, in die Schule zu kommen und zu unterrichten. Nur bei einem Attest, das Müller zufolge maximal drei Monate gültig ist, dürfen sie daheim bleiben. Momentan haben an den Grund- und Mittelschulen insgesamt 40 Lehrkräfte ein solches Attest oder sind schwanger. Für Lehrerinnen, die ein Kind erwarten, gilt schon seit März ein allgemeines Beschäftigungsverbot.

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Aber auch von Zuhause aus müssen die Lehrer den Unterricht gestalten, betont der Schulamtsleiter. Dabei helfen ihnen sogenannte „Teamlehrkräfte“. Bürger, die ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben oder in einem höheren Semester Lehramt studieren, können sich als Teamlehrkraft bewerben. Sie sind in der Schule der verlängerte Arm des Lehrers, der nicht selbst vor seiner Klasse stehen kann. Bis Ende Juni haben sich Müller zufolge rund 1000 Bewerber gemeldet, die vom Kultusministerium auf Schulen in ganz Bayern verteilt werden.

101 Lehrer in der Mobilen Reserve

Auch die Stundenanzahl der Lehrkräfte in der Mobilen Reserve (MB), die erkrankte Kollegen vertreten, wurde von 1500 auf mehr als 1900 Stunden erhöht. Müller berichtet, dass dort insgesamt 101 Lehrer zur Verfügung stehen.

Für die Aufarbeitung coronabedingter Lernlücken ist ebenfalls gesorgt. An jeder Schule wurden bereits Abfragen gestartet, welchen Bedarf und welche Förderangebote es vor Ort gibt. Diese zusätzliche Hilfe solle den Regelunterricht ergänzen.

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