Trotz Corona-Pandemie: Wahlbeteiligung im Raum Rosenheim deutlich höher als 2014

Ein Wahlhelfer mit Schutzhandschuhen stapelt Wahlbriefe. Trotz der widrigen Umstände durch die Corona-Krise war die Wahlbeteiligung im Raum Rosenheim deutlich höher als 2014. dpa
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Ein Wahlhelfer mit Schutzhandschuhen stapelt Wahlbriefe. Trotz der widrigen Umstände durch die Corona-Krise war die Wahlbeteiligung im Raum Rosenheim deutlich höher als 2014. dpa
  • Ludwig Simeth
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Die Kommunalwahlen 2020: Sie werden als Bayerns Corona-Wahl in die Geschichte eingehen. Doch trotz Pandemie war die Wahlbeteiligung in Stadt und Landkreis Rosenheim deutlich höher als zuletzt.

Rosenheim – In Rosenheim und in fast allen der 46 Landkreis-Kommunen haben deutlich mehr Bürger ihre Stimmen abgegeben als noch 2014 oder 2008. Das galt auch für die Stichwahl am Sonntag

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Sicherlich war dabei der Trend zur Briefwahl, der sich auch 2020 fortgesetzt hat, ein bedeutender Faktor. Viele hatten ihre Briefwahl-Unterlagen schon bestellt oder abgegeben, als Corona noch weit weg war. Laut offizieller Statistik des Landratsamts erhöhte sich die offizielle Zahl der bekannten Corona-Fälle in Stadt und Landkreis Rosenheim übrigens am Wahltag, dem 15. März, um acht Fälle auf 27 Betroffene. Zwei Wochen später weiß man, dass schon damals die Dunkelziffer sehr hoch gewesen sein dürfte.

Möglicherweise haben manche Demokraten diesmal auch mit einem Jetzt-erst-recht-Gefühl ihre Kreuzerl gemacht und damit zu einer deutlich höheren Wahlbeteiligung beigetragen. Auch die Diskussionen um den Nordzulauf zum Brenner-Basistunnel (BBT) haben das Interesse an der Kommunalwahl 2020 sicher nicht gebremst.

Umstrittene BBT-Zulaufpläne

Neben den vielen Briefwählern und den umstrittenen BBT-Zulaufplänen ist der Grundsatz „Konkurrenz belebt das Geschäft“ eine weitere Erklärung für den Stimmenzuwachs. 24 Amtsinhaber hörten in Stadt und Landkreis auf, das Gerangel um ihre Nachfolge war zum Teil groß. In zahlreichen Städten und Gemeinden waren enge Kopf-an-Kopf-Rennen und Stichwahlen zu erwarten, das Feld der Kandidaten war 2020 so groß wie nie.

122 Kandidaten bewarben sich um 43 Bürgermeisterposten im Landkreiis, die ab Mai neu zu besetzen sind, neun wollten Landrat in Rosenheim werden, sieben Oberbürgermeister. Insgesamt 138 Bewerber also – so viele wie nie zuvor und knapp ein Fünftel mehr als 2014. Vor sechs Jahren waren es 110 Kandidaten.

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Ramerberg war die einzige Kommune mit einer Wahlbeteiligung über 80 Prozent. Am nächsten an diesen Wert kamen Chiemsee (75,3), Albaching (72,6), Samerberg (74,0 und Eggstätt (71,2) heran – teilweise mit einem Zuwachs von zehn Prozent gegenüber 2014. Sechs Jahre zuvor hatten nur zwei Gemeinden die 70-Prozent-Marke bei der Wahlbeteiligung geknackt: 75,5 Prozent der Neubeurer wählten ihren Bürgermeister Josef Trost nach der „Kastanien-Posse“ ab, in Prutting schickten 70,4 Prozent Amtsinhaber Hans Loy (CSU) in die Stichwahl gegen Quirin Meisinger (SPD).

Spannungsfaktor durch Abschiede

Doch auch bei den Wahlbeteiligungs-Schlusslichtern – erneut waren das die Städte – gingen die Werte wieder deutlich nach oben: in Rosenheim von 40,9 auf 45,8 Prozent, in Wasserburg von 43,8 auf 50,6, in Bad Aibling von 50,3 auf 58,0 und in Kolbermoor sogar von 40,6 auf 53,1. Der Spannungsfaktor dürfte dafür der Hauptgrund gewesen sein: In Rosenheim und Bad Aibling hörten OB Gabriele Bauer und Felix Schwaller (beide CSU) nach 18 Jahren auf, in Kolbermoor und Wasserburg mussten die SPD-Größen Peter Kloo und Michael Kölbl, 2014 noch ganz oder fast konkurrenzlos, diesmal die Angriffe von vier beziehungsweise zwei Herausforderern abwehren.

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Beachtlich war am Sonntag auch die Wahlbeteiligung an den Stichwahlen. So hatte vor sechs Jahren beim Duell um den Landratsposten zwischen Wolfgang Berthaler (CSU) und Sepp Hofer (Freie Wähler) nicht einmal jeder Dritte sein Kreuz (32,7 Prozent) gemacht. Diesmal wählte mehr als jeder Zweite (58,6 Prozent) – was fast einer Verdoppelung der Wahlbeteiligung entspricht.

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