Trauer um die „Wirts-Kathi“ von Naring: Ausnahme-Bedienung Katharina Kink mit 96 verstorben

Katharina Kink arbeitete über 80 Jahre im Gasthaus „Zum Goldenen Tal“ in Naring bei Weyarn. Leder

Sie galt als Bayerns dienstälteste Bedienung: Katharina Kink, die Wirts-Kathi von Naring. Nun ist die gebürtige Prinerin im Alter von 96 Jahren verstorben.

Naring/Weyarn – Bis vor zwei Jahren hat Katharina Kink noch beim Wirt „Zum goldenen Tal“ in Naring bei Weyarn (Landkreis Miesbach) bedient. Für 80 Jahre im Dienst – immer in Naring – wurde sie damals geehrt. Und ihre Geschichte wurde noch mehr Menschen bekannt, auch über die Region hinaus. Nun ist die Ausnahme-Bedienung, die am 16. Juni 1923 in Prien geboren wurde, im Alter von 96 Jahren gestorben.

„Sie hat zur Familie gehört“, sagt der Wirt von Naring

Albert Huber, Wirt des Gasthauses „Zum Goldenen Tal“ sagt: „Sie hat zur Familie gehört.“ Bis sie vor zwei Jahren in ein Seniorenwohnheim in Feldkirchen-Westerham zog, wohnte sie auch im Haus der Wirtsfamilie. „Sie war geistig bis zum Schluss fit“, erzählt er. Aber körperlich sei ihr vieles schwerer gefallen.

„Sie war aber mindestens einmal pro Woche bei uns im Wirtshaus“, erzählt Huber. Dann habe sie zwar nicht mehr mitarbeiten können, aber sie habe die Abläufe zwischen Küche und Gaststube quasi „überwacht“.

Katharina Kink war immer in Bewegung

Wohl eine Selbstverständlichkeit für Katharina Kink, die auch als „Wirts-Kathi von Naring“ bekannt war. Denn das Gasthaus war ihr Leben. Gerade einmal 16 Jahre jung war sie, als sie nach Naring kam. Damals, im Nationalsozialismus, musste sie ein hauswirtschaftliches Pflichtjahr leisten.

Anfangs war ihr zu wenig los in dem kleinen Ort. Aber sie blieb, half nicht nur im Wirtshaus, sondern unterstützte auch dabei, die Kinder der Wirtsfamilie zu versorgen, etwa Albert Hubers Vater. Dieser erzählt, sie habe nach dem Krieg auch Pflegekinder der Familie versorgt, „mit aufgezogen“. In Spitzenzeiten seien das 13 Mädchen und Buben gewesen, sagt Albert Huber. Eine eigene Familie gründete Katharina Kink nie.

Seit 1977 trug Katharina Kink einen Schrittzähler bei der Arbeit

Sie sei „quirlig und lebhaft“ gewesen. Und Albert Huber sagt auch, dass sie einen hohen Anspruch an sich gehabt habe: „Als wir ein neues Kassensystem eingeführt haben, hat sie sich eingearbeitet. Da war sie schon über 80. Aber so war sie einfach.“ Ein Schrittzähler, den sie seit 1977 in der Arbeit trug, ergab, dass sie 2016 eine Strecke zurückgelegt hatte, die zweimal so lang war wie der Erdumfang.

Sie war nicht nur beruflich in Bewegung. Katharina Kink reiste gerne in ihrer Freizeit. Erinnerungen habe sie aufgeschrieben, erzählt Albert Huber. Vergesslich sei sie bis zuletzt nicht gewesen. Vor einigen Tagen sei sie körperlich schwächer geworden und schließlich im Krankenhaus verstorben. Sie wird im Familiengrab der Hubers ihre letzte Ruhe finden.

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