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Trassen-Pläne zum Brenner-Nordzulauf: So spalten sie die Region Rosenheim

dpa
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dpa
  • Rosi Gantner
    VonRosi Gantner
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Erhitzte Gemüter, Ratlosigkeit, Verunsicherung – die Präsentation der fünf Grobtrassen für den Brenner-Nordzulauf stürzt die Region Rosenheim in ein Gefühlschaos. Ob westlich oder östlich des Inns: Die Unsicherheit ist groß, was mit dem Megaprojekt auf die Gemeinden zukommen wird.

Rosenheim – Nach der Vorstellung der neuen Trassen für den Brenner-Nordzulauf im Inntal gibt es auch das: Erleichterung. Viele Tunnel und die Zusagen für mehr Lärmschutz entlang der Bestandsstrecke lassen die südlichen Gemeinden aufatmen. 

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Ganz anders weiter im Norden: Rohrdorf, Riedering, Stephanskirchen, aber auch Kolbermoor, Großkarolinenfeld und Tuntenhausen sind von den Trassenplänen teils massiv betroffen – und die Verunsicherung dort, insbesondere in der Bevölkerung, ist groß.

In Tuntenhausen ist man überrascht von den Plänen

Hohen Erklärungsbedarf durch die Deutsche Bahn sieht denn auch Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl, der sich doch „ziemlich überrascht“ über die sich nun konkretisierenden Trassenpläne auf seinem Gemeindegebiet zeigt. Denn: Käme eine der westlichen Trassen zustande, müsste der Bahnhof Ostermünchen vor die Tore des Ortes verlegt werden. „Und das ist für uns ein No-Go“, unterstreicht Weigl. „Der Bahnhof ist bei uns im Ort verwachsen, eine Verlegung können wir uns definitiv nicht vorstellen“, stellt er klar. „Das wäre ein extremer Einschnitt.“

Der Rathaus-Chef und auch die Bevölkerung sehen nun gespannt der Infoveranstaltung der Deutschen Bahn in Ostermünchen (30. Juli) entgegen. „Es besteht Riesenaufklärungsbedarf“, meint Weigl und hofft auf weitere Details. Ein weiterer für seine Gemeinde bedeutender Punkt ist die Weiterführung der Planung in Richtung Grafing, die bereits angelaufen ist.

Brannenburg: Hoffnung auf Untertunnelung 

Positiv überrascht von den Trassen-Plänen zeigt sich indes Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch. „Für uns bedeutend ist, dass eine Trasse mitten durch die Felder weggefallen ist“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und dass die Ertüchtigung des Bestands vom Tisch ist, weil ansonsten der gesamte Verkehr mitten durch Brannenburg gefahren wäre.“ 

Weiterer positiver Punkt: Dass nach wie vor auch Trassen östlich des Inns im Gespräch seien – „die wären zwar sehr aufwendig umzusetzen, aber eine komplette Untertunnelung wäre für die Zukunft natürlich das Beste.“ Jokisch begrüßt zudem die Zusagen, dass der Takt im Personennahverkehr optimiert und der Lärmschutz entlang der Bestandsstrecke verbessert werden soll.

"Am Geld darf es nicht scheitern, sagt Flintsbachs Bürgermeister

Keine Überraschung, aber auch kein Grund zum Jubeln – so schätzt Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher die Lage für seine Gemeinde ein. Lichtblick auch für ihn: kein Ausbau der Bestandstrasse. Hinsichtlich des Neubaus plädiert er darauf, dass möglichst viel „unter der Erde oder im Berg verschwindet“. Lederwascher: Das muss oberste Priorität haben, am Geld darf es nicht scheitern.“

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Mit einer gesunden Portion Realismus steht Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer der Aufregung in der Bevölkerung gegenüber: „Dass wir betroffen sein werden, war zu erwarten“, bekennt er. Für ihn undenkbar wäre allerdings eine Trasse entlang des Inns. 

Auf Nußdorfer Raum wären unter anderem Überschwemmungsflächen betroffen, mögliche Erweiterungsflächen des Gewerbegebiets und schließlich gingen die Gleise nah am Wohngebiet vorbei; im weiteren Verlauf Richtung Neubeuern ein Trinkwassergebiet und der Bereich Neubeurer See. „Eine absolute Katastrophe“, meint dazu auch Neubeuerns zweiter Bürgermeister Martin Schmid. „Wir werden uns wehren müssen, wo es nur geht.“ Und Oberauer ergänzt: „Für mich vollkommen unverständlich, dass diese Trasse in die engere Auswahl genommen wurde.“ Einer Tunnel-Lösung stünde er indes offen gegenüber.

Tunnel unter Samerberg

Von einer Tunnel-Lösung massiv betroffen: der Samerberg. Bürgermeister Georg Huber dazu: „Dass der Tunnel unter dem Samerberger Gemeindegebiet weiter als eine mögliche Variante verfolgt wird, damit habe ich gerechnet. Wir werden die Detailplanungen weiterhin aufmerksam und intensiv begleiten und uns für verträgliche Lösungen einsetzen.“ 

Grundsätzlich zeigt er sich allerdings enttäuscht: „Auch ohne Brenner-Nordzulauf ließe sich jetzt schon eine bessere Verkehrspolitik machen, die sich an den berechtigten Bedürfnissen der Bürger orientiert und die mehr Güter auf die Schiene bringt. Das vermisse ich.“ Hier muss seiner Ansicht nach enger mit den Nachbarländern zusammengearbeitet werden. „Jetzt wird mit Hochdruck an einer Neubautrasse geplant, deren Nutzen zweifelhaft ist und die nach wie vor dem Landkreis Rosenheim wertvolle Lebens- und Naturräume nimmt“, so Huber.

Rohrdorfer Gemeindeoberhaupt lehnt Neubau ab, in Großkaro herrscht Ernüchterung 

Große Enttäuschung in Rohrdorf: Das Aus für eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke kritisiert zweiter Bürgermeister Joachim Wiesböck scharf. „Wir lehnen nach wie vor den Neubau ab.“

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In Großkarolinenfeld herrscht Ernüchterung. Bürgermeister Bernd Fessler: „Großkarolinenfeld ist erheblich betroffen. Ich habe großes Verständnis für jede Art der Kritik und finde sie auch wichtig, glaube aber nicht, dass hier eine Lösung gefunden wird, die allem und allen gerecht wird.“ Die Frage des Bedarfs müsse vor dem Hintergrund der Klimaveränderung und der sozialen Gerechtigkeit in den nächsten Jahren anders als heute diskutiert werden, andererseits hätten Großprojekte – auch rechtsstaatlich bedingt – nun mal heute einen erheblichen Vorlauf. Fessler weiter: „Bei einer gebietsverträglichen Fortführung der Planung werde ich daher versuchen, konstruktiv mitzuwirken, eine Realisierung kann erst nach deren Abschluss sachgerecht diskutiert werden.“

Bürgerinitiative sieht keine Lösung für Verkehrsprobleme

Groß ist die Enttäuschung über die Trassenpläne bei den Bürgerinitiativen im Raum Rosenheim, die unter dem Dach der Initiative „Brennerdialog Rosenheimer Land“ gebündelt sind. Deren Vorsitzender Thomas Riedrich erklärt: „Die Vorstellung der Grobtrassen entsprach zwar den Erwartungen der Bürgerinitiativen, dennoch waren das Ergebnis und vor allem die Art und Weise, wie dieses begründet wurde, mehr als enttäuschend. 

Brenner-Nordzulauf: Stellungnahme zur Vorstellung der Grobtrassen auf Brennerdialog.de

Eine ernst gemeinte Lösung der Verkehrsprobleme im Inntal ist weiter in die Ferne gerückt, an einer ernsthaften Diskussion zu einer wirkungsvollen Verkehrsvermeidung oder -regulierung besteht offensichtlich keinerlei Interesse. Statt dessen soll unter allen Umständen eine zusätzliche Neubautrasse gebaut werden.“ 

Informationen der Bahn zum Brenner-Nordzulauf gibt es hier

Darlegung der Untersuchung des Bestandstrassen gefordert

Die Bürgerinitiativen zweifeln zudem die Überprüfung der Bestandstrasse und damit deren Ablehnung an. „Mit der bloßen Behauptung, am Bestand sei es nicht möglich, lassen wir uns nicht abspeisen, wir fordern eine detaillierte Darlegung dieser Untersuchung. Das Bestandsgleis ist noch lange nicht vom Tisch“, so Riedrich. Seiner Ansicht nach ist die Kapazität der Bestandstrasse mehr als ausreichend. Ein entsprechendes Gutachten will die Bürgerinitiative kommende Woche zusammen mit dem Bund Naturschutz in München vorstellen.

Außerdem haben die Bürgerinitiativen eine Petition an den Deutschen Bundestag gestartet, mit der für die Planung einer Bestandstrasse und deren Berücksichtigung als mögliche Alternative für eine Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel geworben werden soll. Aktuell wird die Annahme der Petition im Petitionsausschuss geprüft. Unterschreiben ist damit noch nicht möglich.

Kolbermoor "extrem hoch" betroffen 

Als „extrem hoch“ bezeichnet Ralf Exler, Vorsitzender der Bürgerinitiative Kolbermoor, die Betroffenheit in der Mangfallstadt. Denn: Sämtliche Trassenführungen westlich des Inns würden zwischen Kolbermoor (Lohholz) und Bad Aibling (Harthausen) hindurchführen. „Das Ergebnis ist schon heftig, drei von fünf Varianten betreffen uns massiv“, ist Exler entsetzt. Und er bleibt bei seiner Forderung: Planungsstopp und ein „modernes“ Verkehrskonzept für den gesamten Raum Rosenheim und das Inntal.

Weiterkämpfen will auch die Bürgerinitiative Pang „Wasen nicht verbrennern“. Zwar ist mit der Präsentation der fünf Grobtrassen die Variante Pang vom Tisch, dennoch fühlten sich viele von einer Streckenführung weiter westlich bei Wasserwiesen dennoch betroffen, wie BI-Vorsitzende Alexandra Linordner im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. „Die Erleichterung ist da, aber wir werden uns auch weiterhin im Dialogverfahren einbringen.“ Immerhin hat die Panger Initiative inzwischen über 1300 Unterstützer.

Breit gefächert ist auch das Meinungsbild unserer Online-User (Facebook/OVB-Heimatzeitungen) beim Thema Brenner-Nordzulauf: Sven meint dazu: „Und es ist wie so oft: Die meisten sind ‚grün‘, wollen den Verkehr aus den Ortschaften verbannen, am liebsten nur erneuerbare Energien nutzen etc., Allerdings ist das Ganze schnell vorbei, wenn es nur im eigenen Dunstkreis stattfindet. Das geht natürlich gar nicht!“ 

Und Gejo meint: „Ich bezweifle zum einen den Bedarf und zum anderen glaube ich einfach nicht, dass man dadurch die Lkw von der Straße bringt. Man macht ja jetzt schon den Fehler, dass man bei der Lkw-Maut deutlich billiger ist als zum Beispiel die Schweiz und dadurch Verkehr an sich zieht, der eigentlich wo anders hingehören würde.“

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