Tourismus in Rosenheim: Die Ausflügler drängen aufs Land, der Stadt fehlen die Gäste

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Seitdem bekannt ist, dass ab dem 30. Mai der Tourismus wieder anläuft, nehmen die Buchungen in der Region zu. Und bei schönem Wetter wird sicher auch der Andrang auf dem Gipfel der Kampenwand wieder stärker.
  • Michael Weiser
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Andrang auf dem Land, banges Warten in der Stadt: Nach dem Corona-Lockdown und dem jähen Absturz tastet sich der Tourismus in der Region Rosenheim langsam zurück. Vor allem in Rosenheim selbst aber bleiben die Gäste aus.

Rosenheim - Christina Pfaffinger hat alle Hände voll zu tun. „Seit Bekanntwerden der Lockerungen für Gastgeber zum 30. Mai nehmen die Buchungen in der Region stark zu“, sagt die Geschäftsführerin von Chiemsee-Alpenland-Tourismus auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Man verzeichne 35 Prozent mehr Anfragen als im Mai vergangenen Jahres, so berichtet es Pfaffinger. Touristen suchten vor allem für Juli und August sowie die bevorstehenden Pfingstferien Unterkünfte. Für Pfingsten selbst, das kommende Wochenende also, seien allerdings noch Kapazitäten frei.

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Während man sich auf dem Land darauf vorbereitet, dass trotz der weiterhin schwelenden Corona-Krise das Geschäft mit den Gästen schnell wieder auf Touren kommt, blickt man in der Stadt Rosenheim und ihrer Umgebung in bange Gesichter. Die Pfingstbuchungen blieben weit hinter den Vorjahren zurück, sagt Theresa Albrecht vom Hotel Post in Rohrdorf, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. „Die wenigsten Betriebe sind auch nur halb voll ausgelastet.“ Kurz: Die Lage bei den Reservierungen sei „sehr schlecht“.

Tagungsverbot wirkt sich verheerend aus

Das Gefälle zwischen Land und Stadt liegt an der Spezies der Gäste. Die einen kommen überwiegend zur Erholung, die anderen eher zum Arbeiten. Aufs Land zieht es die Erholungssuchenden, die Sommerfrischler, Wanderer und See-Liebhaber, in die Stadt die Tagungs- und Geschäftsreisenden. Tagungen aber sind den Hotels bis auf weiteres nicht gestattet, die Geschäfte liegen in weiten Teilen darnieder, und auch Vertreter sind nicht wie gewohnt unterwegs. Martin Kupferschmied vom Happinger Hof hat gerade noch über 20 Zimmer belegt, überwiegend mit Geschäftsreisenden. „Das wären um die 40 Prozent Auslastung, immerhin“, sagt er. Danach aber? Siehts auch bei ihm nicht gut aus.

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Magere Aussichten nach katastrophalem Frühling: Im März brachen die Zahlen drastisch ein, Stadt und Landkreis Rosenheim verzeichneten 59,5 Prozent weniger Gäste. Die Zahl der Übernachtungen ging um 43 Prozent zurück. Um 150 Millionen Euro wird nach Auskünften des Tourismusverbands Chiemsee-Alpenland der Umsatz sinken.

Einbußen, die Touristiker auch auf den Ruf der Region als „Corona-Hotspot“ zurückführen. „Uns hat die schlechte Presse enorm geschadet“, sagt Theresa Albrecht.

Schritt für Schritt in die Normalität

Nun gilt es, nach dem Lockdown in so etwas wie Normalität zurückzufinden. Am wichtigsten für den Tourismus: Gaststätten dürfen Gäste auch in den Innenräumen empfangen, ab Samstag, 30. Mai, dürfen auch Hotels und Ferienwohnungen wieder öffnen. Ab 2. Juni dürfen Außenbereiche und Biergärten bis 22 Uhr öffnen, Freibäder können ab 8. Juni öffnen. Die Grenzen etwa zu Österreich soll man eine Woche später dann auch ohne „triftige Gründe“ passieren können.

Der Rosenheimer Abgeordnete Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU im bayerischen Landtag, begrüßt den bedächtigen bayerischen Weg des Freistaats, will sich aber darum bemühen, dass kleinere Tagungen bald wieder stattfinden können. Ein wichtiger Punkt für Rosenheim. Denn, so sagt Stöttner: „60 bis 70 Prozent der Tagungen umfassen weniger als 100 Menschen.“

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In Österreich ist man nicht nur da einen Tick voraus. Dort können die Hotels schon am Freitag Abend aufsperren, zudem dürfen auch Spa- und Wellnessbereiche unter strengen Auflagen geöffnet werden. Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) warnt vor Wettbewerbsverzerrungen im Vergleich zu Österreich und anderen Bundesländern.

Abstand halten? Auf dem Einer-Sessellift zur Mittelstation der Hochriesbahn kein Problem.

Die Öffnung der Übernachtungsbetriebe zu den Pfingstferien sei richtig, sagt sie, ein „wichtiger und überfälliger Schritt“ sei auch die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent für die Gastronomie. Nun müsse man darauf achten, dass Tourismus und Gastronomie als „Leistungsträger“ nicht benachteiligt würden.  „Einheitliche Regelungen“, fordert Ludwig. „Das betrifft auch Freizeiteinrichtungen wie die Schwimmbäder oder Wellnesseinrichtungen.“

Corona verändert den Tourismus

Auf mittlere Sicht könnte der Tourismus in Bayern gestärkt aus der Krise hervorgehen - vor allem, wenn die Reisebeschränkungen ins Ausland noch länger anhalt. Im Voralpenland wirbt man daher um Urlauber und Ausflügler.

Von Miesbach über Rosenheim bis Berchtesgaden, dazu in der Region Region Inn-Salzach, arbeitet die Branche derzeit an einem gemeinsamen digitalen Auftritt zur Lenkung des Besucher-Andrangs. Die Verbände ebenso wie Einrichtungen und Betriebe sollen sich in einem Online-Liveticker mit Informationen, Tipps und Anregungen äußern und so Urlauber wie Einheimische auf Pfade locken, die nicht hoffnungslos überlaufen sind.

Die Idee dazu kam von der Alpenregion Tegernsee-Schliersee. „Bei dem Unwetter am vergangenen Wochenende zum Beispiel hätte man darauf hinweisen können, dass die Kaltfront erst am Nachmittag kommt“, sagt Geschäftsleiter Thorsten Schär. „So aber war bei uns nix los.“ Am Wochenende soll die Seite starten, nach kurzer Vorbereitungszeit von nur zwei Wochen.

Sanftes Konzept für den Winter

Christina Pfaffinger und Daniela Ludwig planen schon jetzt für den Winter. An eine „große Winterkampagne“ denkt Pfaffinger. Und Ludwig unterstützt sie mit dem Konzept eines sanften  Tourismus mit überschaubaren Skigebieten, „ohne Après-Ski-Rummel mit Menschenmassen“. Dass das gesellige Zusammenseinnach dem Wintersport durchaus seine Gefahren birgt, dürfte sich nach dem Corona-Debakel in Ischgl herumgesprochen haben.

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