Tourismus und Gastronomie in Region Rosenheim von Corona gebeutelt: „Schaden ist enorm“

Die Ruhe vor dem Sturm? Die Wirte bereiten sich schon mal auf die Öffnung der Biergärten vor. Foto: picture alliance

Rosenheim - In der Region Rosenheim wurden Hotellerie und Gastronomie hart getroffen. Über den langen Rückweg in die Normalität, über Tipps für den Vatertag und die Konkurrenz mit Österreich sprachen wir mit dem Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands, Thomas Geppert aus Bad Aibling.

Die Gastronomie kann nun langsam wieder hochfahren, zuerst machen nächste Woche die Biergärten auf. Wie groß ist Ihre Erleichterung?

Thomas Geppert: Wir sind froh, dass die Rahmenbedingungen für die Gastronomie nunmehr feststehen. Das war ein hartes Stück Arbeit,  es ist aber auch wichtig, dass die Vorgaben in der Praxis umsetzbar sind. Denn der Überlebenskampf unserer Betriebe endet nicht mit der schrittweisen Wiedereröffnung. Im Gegenteil. Wenn Gaststätten und Hotels den Betrieb wieder aufnehmen, entstehen Kosten, und diese Kosten müssen durch Umsatz gedeckt werden. Die Reduzierung der Umsatzsteuer auf sieben Prozent ist da extrem wichtig. Es war aber auch wichtig zu klären, unter welchen Bedingungen die Betriebe wieder arbeiten können.

Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands. Foto: Privat

Andere Bundesländer lassen die Gastronomie auf 50 Prozent ihrer Kapazität laufen. Wie genau sieht Bayerns Weg aus?

Geppert: Es gibt keine Obergrenzen von Personenzahlen oder der konzessierten Plätze, und das ist auch in der Hotellerie nicht vorgesehen. Es kommt vielmehr darauf an, dass der Mindestabstand von 1,5 m gewährleistet ist. Nur 50 Prozent – das wäre eine Katastrophe. Du hast dann die selben Kosten wie normal, aber nur die Hälfte des Umsatzes. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, dass Betriebe möglichst aus eigener Kraft überleben können. Denn dann spart sich der Staat Kurzarbeitergeld und weitere Zahlungen. Man darf sich aber auch nichts vormachen: Es bedarf ohnehin eines Hilfsfonds, es bedarf nicht rückzahlbarer Mittel, wir sind massiv dran, dass das über die Bundesregierng verabschiedet wird. Es wird Zeit, dass man nicht länger nur redet. Die Betriebe sind unverschuldet in Not geraten, und sie mussten unverschuldet länger geschlossen haben.

Welche Regel muss man sich auf jeden Fall merken?

Geppert: Die Prämisse lautet: ein Abstand von 1,50 Metern zwischen Personen, zwischen Gästen einerseits und Mitarbeitern andererseits. Ansonsten gibt es keine Beschränkung etwa der Quadratmeterzahl. Die 1,50 Meter muss ein Betrieb umsetzen, aber es gibt keine Begrenzung darüber hinaus. Man kommt so nicht auf die volle Personenzahl, klar, aber wir hoffen auch auf die Kommunen, dass sie mit Freischankflächen großzügig umgehen. Und vielleicht auch mal keine Gebühren erheben.

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Nächste Woche ist Vatertag, und da schlagen manche über die Stränge, gerne auch in Gruppen. Wie können Wirte für Disziplin  sorgen? 

Geppert: Wir haben in unseren Betrieben ja keinen unkontrollierten Zugang. Ein Spontanbesuch ist zwar weiter möglich, aber es werden Gästelisten geführt werden, mit Name, Telefonnummer und Uhrzeit. Das dient der Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten. Auch für den Betreiber ist das wichtig. Wenn ein Fall auftritt, muss er nicht den ganzen Betrieb schließen. Wir hoffen auf die Vernunft der Menschen, auf dass sich nicht Szenen wiederholen wie bei diesen schrecklichen Demonstrationen ohne Maske. Solche Zustände kann es und wird es nicht geben. Man wird empfangen, informiert, an die Plätze geleitet. Dort kann man den Biergarten dann ohne Maske genießen. Sogar Freunde kann man treffen, über die Familie und engsten Bezugskreis hinaus – aber eben in 1,50 Meter Abstand. Auf den Wegen dorthin wird die Polizei für die Einhaltung von Regeln sorgen. Wenn sich aber ein Gast dann im Biergarten nicht an die Vorgaben hält, muss der Betreiber von seinem Hausrecht Gebrauch machen.

Als Geschäftsführer des Hotel  und Gaststättenverbands in Bayern können Sie uns einen Überblick geben. Wie hoch ist der Schaden in Ihrer Heimatregion rund um Bad Aibling, in Rosenheim und am Chiemsee, also einer stark touristisch geprägten Region?

Geppert: Der Schaden ist enorm. Seit über acht Wochen haben die Betriebe nahezu keinen Umsatz gemacht, und stattdessen Schulden aufgebaut. Da werden gerade viele Beträge gestundet, aber der Schaden ist gravierend, das ist ganz schwer für unsere Betriebe. 96 Prozent der Beschäftigten sind in Kurzarbeit. Das Rahmenkonzept für die Hotellerie ist noch nicht verabschiedet, wir hoffen aber doch, dass das nun zeitnah kommt. Am besten wäre es, wenn die Anreise schon am Pfingstfreitag ermöglicht wird, weil die Menschen gerne lange Wochenende machen. Und dass die Nutzung von Wellness und Spa-Bereichen zeitnah erlaubt wird. Es gibt ja auch keinen Grund, diese Breiche viel länger geschlossen zu halten: Corona wird nicht durch das Wasser, sondern über Begegnung übermittelt. In Österreich haben die Betriebe mit Spabereich offen. Wenn die Grenzen im Juni aufmachen und wir diese Bereiche in unseren Betrieben noch geschlossen hätten, kann man sich vorstellen, was das bedeutet.

Scharfe Konkurrenz...

Geppert: Die Österreicher versuchen ja gerade schon, um deutsche Touristen zu werben. Die Nähe zu Österreich spielt gerade für die Region um Rosenheim eine wichtige Rolle. Wenn unsere Betriebe zu sind und die in Österreich offen sind, muss ich kein Hellseher sein um zu sagen, wo der Tourismus hingeht. Gut ist, wenn unser sicherer Weg des späteren Öffnens zu geringeren Auflagen führt.

Wie viele Prozent der Betriebe werden die Krise nicht überstehen?

Geppert: Wir haben Erhebungen gemacht, in Bayern und deutschlandweit. Es ist ein Drittel von der Insolvenz bedroht. Und das wird Auswirkungen auf uns alle haben, gastgewerbliche Betriebe sind mit die wichtigsten regionalen Wirtschaftsmotoren. Die Rahmenbedingungen zum Öffnen sind akzeptabel, aber nicht leicht für die Betriebe. Wir müssen schauen, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben, dass wir dann Auflagen reduzieren, dass die Gäste auch wieder bereit sind, in Restaurants und Hotels zu gehen. Wir können garantieren, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Wir sind eine Gesundheitsregion, Gesundheit und Hygiene hatten hier immer Priorität. Und wir haben auch noch die wunderbare Landschaft. Auch unter verschärften Bedingungen können die Menschen bei uns einen großartigen Urlaub erleben.

Sie sind in der CSU verwurzelt. Wenn man von Seiten des CSU-Ministerpräsidenten Markus Söders in den vergangenen Wochen immer wieder hörte, dass für Hotels und Gaststätten die Zeit noch nicht gekommen sei - wie sehr leiden da die Wurzeln?

Geppert: Eigentlich gar nicht. Oberstes Gebot ist die Gesundheit. Und das Gastgewerbe muss man differenziert betrachten. Es ist nicht alles Ischgl und nicht alles Karneval. Wenn ich später öffne, dann aber mit besseren Rahmenbedingungen, dann ist das insgesamt besser.

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