Tochter (8) und Stieftochter (2) missbraucht: Chiemgauer (59) muss für sieben Jahre in Haft

Weil er sich mehrfach an seiner achtjährigen Tochter und der zweijährigen Stieftochter vergriffen hatte, muss ein 59-jähriger Chiemgauer für sieben Jahre in Haft. dpa
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Weil er sich mehrfach an seiner achtjährigen Tochter und der zweijährigen Stieftochter vergriffen hatte, muss ein 59-jähriger Chiemgauer für sieben Jahre in Haft. dpa
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Weil er seine Tochter (8) und seine Stieftochter (2) über ein Jahr lang immer wieder missbraucht hatte, musste sich am Donnerstag ein 59-jähriger Mann aus dem Chiemgau in Traunstein verantworten. Das Gericht verurteilte den geständigen Mann zu einer siebenjährigen Haftstrafe.

Traunstein – Durch anonyme Mails kam die Kripo Traunstein auf die Spur eines 59-Jährigen aus dem Chiemgau. der seine leibliche Tochter, anfangs acht Jahre alt, und seine zunächst zwei Jahre alte Stieftochter jeweils über ein Jahr lang massiv missbraucht und seine Taten gefilmt hatte.

Erste Hinweise im Jahr 2012

Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte gegen den voll geständigen Angeklagten am Donnerstag wegen mehreren Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie Kinderpornografie eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

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Bereits 2012 hatte die Kripo durch eine anonyme Mail einen Hinweis auf Kinderpornografie auf den Rechnern einer Firma bekommen. Eine Durchsuchung brachte kein Ergebnis, wie eine Kriminalbeamtin gestern berichtete. Im Frühjahr 2018 trudelte eine weitere Mail eines Unbekannten ein. Auf Bitte um weitergehende Details kam die Antwort, es handle sich um den Inhaber des Geschäfts.

Mehrere Datenträger mit Kinderpornos tauchen auf

Bei der Durchsuchung im Frühjahr 2019 wurden Datenträger sichergestellt und von Spezialisten ausgewertet. Dabei wurden nicht nur kinderpornografische Dateien entdeckt. Auf gelöschten Missbrauchsvideos waren der 59-Jährige, seine leibliche Tochter und seine Stieftochter an verschiedenen Örtlichkeiten zu erkennen. Haftbefehl erging im Oktober 2019. Bei der zeitgleichen Durchsuchung tauchte noch ein Laptop auf, wieder mit Kinderporno-Dateien und weiteren Missbrauchstaten an den Töchtern. In der Untersuchungshaft legte der 59-Jährige ein Geständnis ab, so die Kripobeamtin gestern.

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Über seinen Pflichtverteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, wiederholte der Angeklagte gestern das Geständnis. Der Anwalt erklärte: „Meinem Mandanten war stets daran gelegen, die Einvernahme der Kinder bei Polizei, Staatsanwaltschaft und einem Glaubwürdigkeitsgutachter zu verhindern.“

Tränen beim Verlesen der Anklage

Der 59-Jährige redete während der Verhandlung extrem leise, weinte unentwegt beim Verlesen der Anklage durch Staatsanwältin Karin Hahn wie bei Beantworten von Fragen. Deutlich wurde, dass er vor allem mit dem eigenen Leben haderte. Dazu der Vorsitzende Richter: „Sie reden von Ihrem großen Leid, Ihrem großen Pech, verlieren aber kein Wort über die Kinder.“ Der 59-Jährige erwiderte: „Es ist schlimm.“ „Vor allem für Ihre Töchter“, reagierte Dr. Jürgen Zenkel.

Er hakte nach, wie es zu den Missbrauchstaten gekommen sei. Das wisse er nicht, es sei eine „Kurzschlusshandlung“ gewesen – wegen zu viel „Stress“, erwiderte er. Mit den Kinderpornos habe er „etwas gesucht, was vom Stress ablenkt“. Weiter gab der 59-Jährige an, seine Frau habe tief und fest geschlafen während des Missbrauchs der Kinder.

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Der Angeklagte war ab 2017 in psychotherapeutischer Behandlung – ein Jahr vor den ersten Missbrauchstaten. Die Therapie endete letztlich erfolglos mit der Verhaftung Ende Oktober 2019. Der 59-Jährige hatte den Therapeuten den Missbrauch der Töchter verheimlicht. Die Beisitzende Richterin sprach das innige Verhältnis zu der leiblichen Tochter, zur Zeit des Missbrauchs zwei, drei Jahre alt, an. „Das ist das Allerschlimmste. Es tut mir leid“, meinte der Angeklagte. Nach den Taten habe er „große Angst“ empfunden. Warum er alles gefilmt habe, wollte die Beisitzerin wissen. Die Antwort: „Ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich hab die Videos gleich immer wieder gelöscht.“

Die Prozessbeteiligten sahen sich gestern die Videos an, in den die Taten des Vaters beziehungsweise Stiefvaters dokumentiert waren. Auch dabei vergoss dieser wieder Tränen, während er sein gesenktes Gesicht hinter den Händen verbarg.

Sachverständiger vermutet in Straftat „Ventil für andere Dinge“

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Matthias Hollweg von der Justizvollzugsanstalt München, attestierte, der Angeklagte weise keine Auffälligkeiten in Richtung einer Persönlichkeitsstörung oder sexuellen Störung auf. Eine Pädophilie liege nahe. Der 59-Jährige sei jedoch nicht auf Kinder im Sinn einer Kernpädophilie fixiert, bevorzuge vielmehr erwachsene Partnerinnen. Die sexuellen Handlungen an den Kindern seien möglicherweise „ein Ventil für andere Dinge“ gewesen.

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Die Steuerungsfähigkeit des Mannes sei zu keiner Zeit beeinträchtigt gewesen. Eine Therapie während der Haft hielt Dr. Hollweg für sinnvoll: „Der Angeklagte sollte sich seinen Problemen stellen.“ Sicherungsverwahrung sei angesichts des eher geringen Rückfallrisikos nicht anzuordnen, schloss der Gutachter.

Der 59-Jährige habe die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt und seine Vertrauensstellung als Vater missbraucht, unterstrich Staatsanwältin Karin Hahn im Plädoyer auf acht Jahre Freiheitsstrafe. Unter den strafschärfenden Aspekten nannte sie: „Der Angeklagte war nach der ersten Durchsuchung gewarnt, dass andere Leute von den Kinderpornos wussten.“

Verteidiger verweist auf Geständnis

Die Folgen für die Kinder seien nicht absehbar. Mit dem außergewöhnlich wertvollen Geständnis habe sein nicht vorbestrafter Mandant alles getan, die Kinder vor weiterem Schaden zu bewahren, würdigte Verteidiger Harald Baumgärtl. Fünf Jahre Haft seien ausreichend. Im „letzten Wort“ entschuldigte sich der 59-Jährige: „Es ist schlimm, was ich gemacht habe. Ich kann es nie mehr gutmachen.“

Im Urteil nahm Zenkel Bezug auf die Staatsanwältin. Nicht aus den Augen zu verlieren sei das Los der Opfer: „Sie haben Ihr Leben zerstört – hoffentlich nicht auch das Ihrer kleinen Kinder.“

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