Tiere beim Schlachten misshandelt - 49-Jähriger vor dem Amtsgericht Traunstein

Anlässlich einer Routinekontrolle in einem Schlachtbetrieb im Achental wurden Mitarbeiter des Veterinäramts Traunstein und der Regierung von Oberbayern Zeuge, wie ein Schwein und ein Ochse durch unzureichende Betäubung unnötig leiden mussten. Er wurde zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Traunstein/Achental – Gegen den 49-jährigen Inhaber des Betriebs, einen gelernten Metzger, verhängte das Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott wegen zweifacher Tiermisshandlung eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro, somit von insgesamt 1200 Euro. Der Angeklagte hatte gegen einen vorausgehenden Strafbefehl des Amtsgerichts Einspruch erhoben.So kam es zu dem Prozess. Beim Besuch der Behörden am 18. März 2019 stand insbesondere das Thema „Tierschutz bei Schlachtungen“ im Mittelpunkt. Schon die zunächst durchgeführte Schlachtung eines Schweins verlief nicht den Vorschriften des Tierschutzgesetzes entsprechend.

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Der 49-Jährige setzte die Elektroden des Betäubungsgeräts nicht ordnungsgemäß an. Auch der zweite Versuch misslang. Einen weiteren Versuch verhinderte das Kontrollpersonal. Nicht besser verlief die aus Tierschutzgründen erforderliche Betäubung eines Ochsen mit einem Schussapparat vor dem Schlachten. Der ausgebildete Metzger setzte das Gerät an den falschen Stellen an. Erst nach dem vierten Versuch, über zweieinhalb Minuten nach dem ersten, trat eine angemessene Betäubung des Rinds ein. Zusätzliche Leiden hatten unsachgemäße Schnitte zur Entblutung des Tieres verursacht, stellten die Kontrolleure damals fest und erstatteten Strafanzeige.

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Vor allem bezüglich der Ochsenschlachtung sprach Richter Wolfgang Ott in der Beweisaufnahme von einem „Fiasko“. In der Anklage war von „länger anhaltenden und sich wiederholenden erheblichen Schmerzen“ sowie „Todesangst“ des Tieres die Rede. Beides habe der 49-Jährige auch erkennen können. Der gelernte Metzger gab sich in der mündlichen Verhandlung trotz gegenteiliger Aussagen der Zeugen wenig einsichtig. Nach der misslungenen Betäubung des Schweins sei er nervös geworden, argumentierte er. Normalerweise benötige er bei einem Ochsen keine vier Schüsse. Dass er, wie die Vertreterin der Regierung betonte, teils auch falsch geschossen habe, wollte der 49-Jährige nicht akzeptieren. Während der Staatsanwalt 100 Tagessätze zu je 15 Euro für die beiden Tiermisshandlungen beantragte, forderte der Verteidiger Freispruch. Im Urteil hatte das Amtsgericht keine Zweifel an der Schuld des Metzgers im Sinn der Anklage. Richter Wolfgang Ott ging von einem „bedingten Vorsatz“ aus. Der 49-Jährige habe mit Schmerzen der Tiere gerechnet und sie billigend in Kauf genommen. Monika Kretzmer-Diepold

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