Terroranschlag in Wien - ein Bruckmühler erzählt vom Morgen danach: „Ein beklemmendes Gefühl“

Wolfgang Singer,
            
            Wiener Wahlbürger
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Wolfgang Singer, Wiener Wahlbürger
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    vonMichael Weiser
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Wien, die prächtige, die liebens- und lebenswerte Metropole: Seit dem islamistischen Terror-Anschlag mit vier Todesopfern herrscht Verunsicherung. „Ein beklemmendes Gefühl“, sagt der Bruckmühler Wolfgang Singer. Er lebt bei Wien und fährt jeden Tag zur Arbeit in die Stadt.

Bruckmühl/Wien – Die Stille danach, die Ungewissheit, die Angst: Wolfgang Singer (31) erlebte nach der islamistischen Mordtat am Montagabend (2.11.2020) im Zentrum Wiens eine Metropole im Ausnahmezustand. „Beklemmend“ erlebte der gebürtige Bruckmühler seine Fahrt in die Innenstadt am Dienstagmorgen nach dem Angriff, der mindestens vier Passanten das Leben kostete.

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Singer lebte jahrelang in Wien, schätzt das Stadtbild mit seinen „prächtigen herrschaftlichen Gebäuden“. Seit dem Sommer wohnt er zusammen mit seiner Freundin im Burgenland. Aber tagtäglich pendelt er nach Wien, zu seinem Job bei einem Weinhandel. Auch am Abend des Anschlags war er in Wien, in einer Kletterhalle im 17. Bezirk, zusammen mit einem Freund. „Als wir aus der Kletterhalle rauskamen, bekam ich einen Anruf von meiner Freundin, dass da was passiert sei“, erzählt Singer. „Die hatte es über Social Media mitbekommen.“

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Die gemeinsame Heimfahrt zur Wohnung des Freundes, wo Singer übernachten wollte – ein Kontrastprogramm zu dem, was an Hektik und Panik in den Nachrichten gemeldet wurde. „Es war relativ ruhig, man hat nicht viel gemerkt“, sagt der 31-Jährige. „In der Tram hat sich das noch nicht herumgesprochen gehabt.“

„Man muss es akzeptieren“

Das Wien am nächsten Morgen aber ist anders: eine verunsicherte Stadt. „Ob wir kommen wollten, hatte uns unser Arbeitgeber freigestellt“, sagt Singer, „es hatte geheißen, man solle die Innenstadt meiden.“ Er fuhr trotzdem und erlebte menschenleere U-Bahnhöfe, Polizisten in kugelsicheren Westen, mit Maschinenpistolen in Anschlag.

Ob Wien eine Narbe behalten wird, ob die Feindschaft gegenüber Muslimen wachsen wird? Singer glaubt es nicht. Wien habe zu Recht immer als eine der lebenswertesten Städte gegolten, und Vielfalt gehöre dazu. „Ich denke, man soll sich nicht einschüchtern lassen“, sagt er. „Man muss es akzeptieren.“

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