Taxifahrer verhindert Abzocke

Das war mehr als Dienst nach Vorschrift: Taxifahrer Siegi Eisermann sollte eine Kundin zur nächsten Bank fahren, hatte aber kein gutes Gefühl dabei. Stattdessen alarmierte er die Polizei und verhinderte, dass die Frau kräftig abgezockt wurde. Foto wolf

Traunstein/Rosenheim - Schon seit über 20 Jahren gibt es eine Betrugsmasche, die unter dem Namen "Nigeria Connection" bekannt ist. Manche Leute fallen immer noch darauf herein.

Aber manche fallen trotz aller Warnungen auch heute noch darauf herein - so wie jetzt eine Traunsteinerin. Dass sie nicht noch mehr Geld verloren hat, verdankt sie der Aufmerksamkeit eines Bankmitarbeiters und eines Taxifahrers. Sie bewahrten die Frau vor einer großen Dummheit.

Siegi Eisermann muss sich eigentlich nur darum kümmern, dass seine Fahrgäste schnell, sicher und komfortabel am Zielort ankommen. Der Taxifahrer, der für das Traunsteiner Taxi-Unternehmen Manzinger fährt, sollte eine 86-jährige Frau - so orderte der Auftraggeber telefonisch an - von einer Bank zur anderen bringen.

Während der Fahrt kamen dem Mann aber Zweifel an der Rechtschaffenheit seines Auftraggebers. Er informierte die Polizei - und bewahrte seine Kundin davor, dass sie von schamlosen Betrügern kräftig abgezockt wird.

Die Vorgeschichte: Vor allem ältere Menschen erhielten zuletzt im Raum Rosenheim und im Chiemgau großspurige Gewinnmitteilungen - die meisten wurden angerufen, manche bekamen auch ein Fax. Bei den "Gewinnen" - natürlich waren es wieder einmal nur leere Versprechungen - handelte es sich um Luxusautos oder fünfstellige Geldpreise. Dabei hatten es die Täter auf eine "Gebühr" abgesehen, die das Opfer im Voraus zahlen musste, um an die Gewinne zu kommen.

Die Anrufer gaben sich nach Angaben der Polizei meist als Rechtsanwälte oder Notare aus. Im Auftrag des Gewinnspielbetreibers würden sie die Abwicklung der Geld- oder Autoübergabe abwickeln, logen die freundlichen Herren am anderen Ende der Leitung. Die 86-jährige Traunsteinerin drängten sie zu zwei Überweisungen in Höhe von mehreren hundert Euro auf Konten in Thailand und der Türkei.

Zu weiteren Transferaktionen kam es nicht - dank des beherzten Einschreitens eines Bankangestellten und des Taxifahrers. Der Mitarbeiter am Kundenschalter des örtlichen Geldinstitutes lehnte die dritte Überweisung ab. Auf seinen Rat wollte die "Gewinnerin" aber nicht hören und rief den "Rechtsanwalt" der Gewinnspielfirma an. "An Dreistigkeit nicht zu übertreffen", so die Polizei, organisierte der vermeintliche Rechtsanwalt sofort telefonisch ein Taxi für die Frau.

Auf dem Weg zum neuerlichen Überweisungsversuch machte den Gaunern schließlich Taxifahrer Siegi Eisermann einen Strich durch die Rechnung. Die alarmierten Polizeibeamten schafften es schließlich, die 86-Jährige von ihrem Vorhaben abzubringen.

"Auf fast identische Art und Weise wurden vier weitere Senioren aus dem Raum Traunstein und Berchtesgadener Land im Alter zwischen 80 und 90 Jahren um ihr Erspartes gebracht", erklärt Polizeipräsidiums-Sprecher Andreas Guske. Teilweise selbst stutzig geworden, in manchen Fällen durch aufmerksame Bankangestellte von weiteren Überweisungen abgehalten, meldeten sich die Geprellten schließlich bei der Polizei. Eine 85-jährige Frau aus dem südlichen Landkreis Traunstein hatte etappenweise sogar über 10 000 Euro an die bisher unbekannten Täter überwiesen.

Fast 2000 Euro überwies eine 70-jährige Frau aus dem Landkreis Rosenheim in drei Raten, um an die versprochene Luxus-Limousine im Wert von knapp 50 000 Euro zu kommen. "Die sie selbstverständlich nie zu Gesicht bekam", so Guske weiter.

Die Betrugsmasche ist unter "Scamming" (deutsch: betrügend) oder dem Überbegriff "Nigeria Connection" bekannt. Die "Gebühr", die vor der Gewinnübergabe zu zahlen ist, wird mit Transportkosten, Steuern und Versicherungsgebühren begründet.

ls

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