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Täterin und Opfer zugleich

Angestellte aus dem Inntal fällt auf Betrüger rein und zweigt 61.000 Euro vom Firmenkonto ab

Der Telefonbetrüger war, wie in dieser nachgestellten Szene, offensichtlich sehr überzeugend, brachte eine 55-Jährige dazu, sich vom Konto ihres Chefs zu bedienen.
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Der Telefonbetrüger war, wie in dieser nachgestellten Szene, offensichtlich sehr überzeugend, brachte eine 55-Jährige dazu, sich vom Konto ihres Chefs zu bedienen.
  • VonTheo Auer
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Sie wollte ihr Auto verkaufen, fiel dann aber auf einen Telefonbetrüger herein. Wie sie dazu kam, dem Betrüger insgesamt 65.000 Euro zu überweisen, ist verblüffend. Und erstaunlich ist, was ihr Chef zu ihr sagte.

Inntal/Rosenheim – Seit 30 Jahren, seit Gründung der Firma, ist die Angeklagte in der Buchhaltung des Betriebes beschäftigt. Dies über all die Jahre zur vollen Zufriedenheit des Eigentümers. Bis sie im September 2020 ihr Auto im Internet verkaufen will. Dabei gerät sie in die Fänge von Telefonbetrügern, welche die eigentlich versierte Buchhalterin über Monate hinweg in eine finanzielle Zwickmühle und schließlich auch vor Gericht bringen.

55-Jährige versteht sich heute selber nicht

Rückblickend versteht die 55-Jährige aus dem Inntal selber nicht, wie sie in diese Zwangslage geraten konnte. Ein angeblicher Kaufinteressent erklärte ihr, dass sie 1000 Euro bezahlen müsse, damit der Abholer des Wagens die Überführungskosten vorab bekäme. Bei der Bezahlung des Wagens würde sie zum Kaufpreis dieses Geld erstattet bekommen.

Offensichtlich war der Anrufer derart überzeugend, dass sie sich tatsächlich darauf einließ.

Immer wieder muss der vermeintliche Käufer die 55-Jährige so sehr beeindruckt haben, dass sie im Laufe der Zeit nicht nur 4000 Euro von sich überwies, sondern schließlich gar Geld vom Firmenkonto – auf das sie unbegrenzt Zugriff hatte.

Hin- und hergerissen zwischen Versprechen und Druck

Hin- und hergerissen von dem Versprechen, einerseits das Geld wieder zurück zubekommen und damit die unrechtmäßigen Entnahmen auszugleichen, und der Drohung andererseits, alles zu verlieren, wenn sie nicht weiterzahlt, geriet sie so sehr in Druck dass sie von September 2020 bis April 2021 an den „Autokäufer“ 65.000 Euro überwies, beziehungsweise per Moneygramm und sogar als Bargeld per Brief übersandte. Etwa 61.000 Euro hatte sie vom Geschäftskonto der Firma abgezweigt.

Eine überregionale Geldwäsche-Prüfstelle meldete diese Überweisungen auf Grund des Verdachtes unlauterer Machenschaften wegen der örtlichen Zuständigkeit an die Kripo Rosenheim. Als der damit befasste Kriminalhauptkommissar deswegen bei dem Chef der Firma vorsprach, war dieser auch von seiner Bank bereits auf fragwürdige Geldabflüsse in seinem Konto aufmerksam gemacht worden.

Er selbst hatte die Angeklagte schon damit konfrontiert, woraufhin sie ihm den Sachverhalt eingestand. Sein Kommentar laut der Frau: „Wie blöd kann ein Mensch sein?“ „Damit hatte er sicher recht“, sagte die Angeklagte.

Chef hält an Mitarbeiterin fest

Der Chef hatte sich zwischenzeitig mit seiner langjährigen Mitarbeiterin ausgesprochen und mit ihr auch einen Rückzahlungsmodus vereinbart. Trotz des Vorfalles wollte er auf seine – ansonsten untadelige – Mitarbeiterin nicht verzichten. Er stellte auch keinen Strafantrag. Vor Gericht bestätigte er, dass bereits 7500 Euro zurück geflossen seien und er – abgesehen von der Bankkarte, die er natürlich zurückforderte – die Angeklagte wie bisher mit ihren Aufgaben betraute. Nun behalte er aber im Gegensatz zu früher seine Konten selber im Blick.

Der Staatsanwalt erkannte durchaus besondere Umstände, in denen sich die Angeklagte, betrügerisch erpresst, befunden habe. Auch dass sie überschießend geständig gewesen sei und nach wie vor die Wertschätzung ihres Chefs genieße. Dennoch habe sie gewerbsmäßig eine hohe Summe veruntreut. Sein Strafantrag lautete 22 Monate Haft, die aber angesichts der Umstände zur Bewährung ausgesetzt werden können.

Beteiligten bei Bewährung einig

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Gabriele Sachse, verwies darauf, dass ihre Mandantin zu keiner Zeit vorher straffällig geworden und selber Opfer einer abgefeimten Betrugsmasche geworden sei. 17 Monate Haft mit Bewährung lautete ihr Vorschlag an das Gericht.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat entschied, dass 21 Monate Haft mit der Chance der Bewährung Tat und Schuld angemessen sei. Der Missbrauch des Vertrauens und die Höhe des Schadens ließen keine geringere Strafe zu. Als Bewährungsauflage sprach das Gericht die Verpflichtung zur Rückzahlung aus.

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