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Wertvolles Glied des Ökosystems

Summender Lebensspender: Imker aus der Region verraten, warum die Biene für uns so wichtig ist

Wissen viel über das Leben der Bienen: Hobbyimker Andreas Sollinger (links) und Bienen-Fachwart Karl-Heinz Schäfer an einer Schautafel mit „Bienen-Behausung“ am Lehrbienenstand Großkarolinenfeld.
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Wissen viel über das Leben der Bienen: Hobbyimker Andreas Sollinger (links) und Bienen-Fachwart Karl-Heinz Schäfer an einer Schautafel mit „Bienen-Behausung“ am Lehrbienenstand Großkarolinenfeld.
  • VonKatharina Heinz
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„Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen“, soll Albert Einstein gesagt haben. Tatsächlich spielt die Biene eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur. Überdies ist das Leben des Insekts voller Wunder. Die OVB-Heimatzeitungen werfen einen Blick auf die Ökologie der Biene.

Tuntenhausen/Großkarolinenfeld – „Die Biene ist ein wichtiges Glied in der Kette der Natur, aber auch das schwächste“, sagt Hobbyimker Andreas Sollinger aus Tattenhausen. Der Vorstand vom Bienenzuchtverein Großkarolinenfeld und Umgebung kniet vor einem Schaukasten am Bienenlehrstand, einige Bienen summen um ihn herum. Er erklärt, dass die meisten Menschen lediglich den Honig mit Bienen assoziieren. „Doch an erster Stelle steht eigentlich die Bestäubungsleistung“, betont er.

Bestäubung sichert den Fortbestand

80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, wobei die Honigbiene den bedeutendsten Anteil übernimmt. „An guten Trachttagen fliegen Sammlerinnen bis zu 30 Mal aus und besuchen pro Flug bis zu 300 Blüten“, beschreibt Stefan Spiegl, Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker.

Während sie an der Blüte Nektar und Pollen einsammelt, bleiben einige Pollen an ihrem Pelz hängen. Diese trägt sie mit zur nächsten Pflanze, wo sie an der klebrigen Narbe hängen bleiben. Damit kann die Befruchtung der Pflanze erfolgen und sie vermehrt sich weiter. Die Honigbiene ist dabei besonders effektiv, da sie bei einem Sammelflug immer die gleiche Blütenart anfliegen.

Faszinierende Kommunikation

Faszinierend ist die Kommunikation unter den Sammlerinnen. „Sie erklären den anderen Bienen im Stock mittels eines Schwänzeltanzes, wo sich ein gutes Nahrungsangebot befindet“, erklärt Sollinger. Während die Bienen mit dem gesammelten Nektar Honig produzieren, der das Bienenvolk ernährt und vom Imker geerntet werden kann, spielt sie quasi nebenbei eine existenzielle Rolle für den Fortbestand der Pflanzen. „In meinem Wohnort haben vor einigen Jahren viele Imker aufgehört – bald war kaum mehr Obst auf den Bäumen“, berichtet Sollinger. Denn ohne Bestäubung gibt es auch keine Früchte auf den Pflanzen. „Der Nutzen, der durch die Bestäubungsleistung der Honigbienen entsteht, ist volkswirtschaftlich erheblich höher einzuschätzen als der Honigertrag“, so LVBI-Präsident Spiegl.

Das Ökosystem der Biene ist ebenso komplex wie störanfällig. „Das Halten von Bienen benötigt umfangreiches Wissen, sonst sterben sie“, erklärt Karl-Heinz Schäfer, Sachverständiger und Bienen-Fachwart aus Tuntenhausen. Daher durchlaufen Imker und Hobby-Imker eine umfassende Ausbildung.

Einblicke in das faszinierende Leben im Bienenstock erhalten Jung-Imker bereits im Grundkurs. Dabei lernen sie zum Beispiel den Lebenszyklus der Biene kennen. „Denn das Leben im Bienenstock erscheint nur wie ein großes Durcheinander“, so Schäfer. Tatsächlich folgen alle Mitglieder eines Volkes einem fixen Muster.

In den ersten zehn Tagen ihres Daseins hat jede Biene „Stockdienst“. Dabei reinigt sie die Zellen und füttert die Larven. Und sie leistet Dienst als „Bauarbeiterin“, sobald die Wachsdrüsen der Biene aktiv werden, kann sie Waben im Bienenstock bauen oder reparieren. Anschließend wird die Biene zur Wächterin. Sie kontrolliert vor dem Stock, wer hineindarf. Nach diesen zehn Tagen wird die Biene zur Sammlerin. Jetzt fliegt sie aus und bringt Pollen und Nektar als Nahrung für das Volk. Nach etwa drei Wochen stirbt die Biene an Erschöpfung – im besten Fall.

Krankheiten bedrohen die Existenz der Biene

Denn es existieren einige Krankheiten, die Bienen bedrohen und ganze Völker auslöschen können. „Da gibt es zum Beispiel die Varroose-Krankheit, die durch Importe aus Asien eingeschleppt wurde“, erklärt Schäfer. Ein Befall mit den parasitären Varroa-Milben ist tödlich für die Biene. „Der Imker muss das rechtzeitig erkennen und früh eindämmen“, so der Bienen-Experte. Auch eingeschleppte Arten wie die asiatische Hornisse schädigen Bienenvölker. Es seien also eher Auswirkungen der Globalisierung, die eine Bedrohung für die Honigbiene darstellten. Mit dem Klimawandel komme sie vergleichsweise gut zurecht.

„Bienen sind sehr anpassungsfähig“, sagt Schäfer. Auch in Sibirien oder auf Lavafeldern könne man Bienen vorfinden. Bienen seien in der Lage, in ihrem Stock stets die gleiche Temperatur von 34,5 Grad Celsius zu halten.

Veränderungen in der Landwirtschaft und Natur dagegen sorgen da schon für größere Herausforderungen. „Mangelernährung ist ein Problem“, erklärt Imker Sollinger. Zwar erscheine die Region als „das gelobte Land“ mit vielfältiger Flora. Doch im Sommer habe man ein Überangebot an Mais, der den Bienen keine Nahrung biete. Dieser Pollenmangel treffe vor allem die Winterbienen. Sie werden ab dem Spätsommer erzeugt und müssen im Winter gut angefüttert sechs Monate überleben, um das Volk in das nächste Jahr zu bringen.

Auch Privatgärten seien nicht immer bienenfreundlich. „Jeder Einzelne sollte einmal vor seiner eigenen Tür schauen“, so Sollinger. Anstatt Steingärten oder englischen Rasenflächen würde er sich bienenfreundliche Blumen, Totholzhaufen oder natürliche Gehölze wünschen. „Selbst ein Insektenhotel bringt ja nichts, wenn im Umkreis nichts blüht“, erklärt er.

Fleißig und fürs Ökosystem unverzichtbar: die Bienen.

Besonders die Wildbienen sind von diesen Gefahren betroffen. „Viele sind akut vom Aussterben bedroht“, betont Bienen-Experte Schäfer. Die Honigbienen trifft es da etwas besser. „Die haben ja uns Imker, die sich um sie kümmern“, betonen Schäfer und Sollinger.

Spannende Fakten rund um die Biene

So entsteht der Nachwuchs: In jedem Bienenstock lebt eine Königin. Sieben bis zehn Tage nach dem Schlüpfen begibt sie sich auf Hochzeitsflug, wo sie auf männliche Bienen – Drohnen – trifft. Bis zu 20 Drohnen dürfen sich mit ihr paaren, was im Flug geschieht. Mit den Spermien in ihrer Samenblase fliegt die Königin zurück in den Stock, wo sie von nun an Eier ablegt. Wenn sie ein befruchtetes Ei in die Wabe gibt, wird eine weibliche Arbeiter-Biene daraus, wenn das Ei unbefruchtet ist, wird es eine männliche Drohne.

Königin-Macher: Ein Bienenvolk ist demokratisch. Wenn es entscheidet, dass es eine neue Königin will, macht es sich einfach eine. Eine frisch aus dem Ei geschlüpfte Larve wird drei Tage mit Gelee Royal, einem besonderen Sekret aus den Futtersaft- und Oberkieferdrüsen gefüttert. Wird die Larve ausschließlich damit gefüttert, wird eine Königin daraus. Sie ist etwa doppelt so groß wie eine Arbeiterbiene.

Es kann nur eine geben: Erschafft das Volk eine neue Königin, bleibt das für die alte Herrscherin nicht unbemerkt. Sie nimmt sich dann einen Teil des Volkes und flüchtet. Dadurch teilt sich das Bienenvolk, die Bienen schwärmen aus und gründen woanders ein neues Volk.

Bayerischer Imkertag in Bad Aibling

Am Sonntag, 11. September, findet in Bad Aibling der Imkertag statt. Er startet um 9 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Ab 10.30 Uhr geht es im Kurhaus Bad Aibling weiter – zunächst mit einer Begrüßung, dann mit der Inthronisation der bayerischen Honigprinzessin und Honigkönigin. Ab 13 Uhr finden interessante Vorträge rund ums Imkern sowie die Biene statt. Den gesamten Tag über bieten die verschiedenen Ortsvereine Aktionen auch für Kinder an. Außerdem gibt es eine Fachausstellung. Bereits am Samstagabend, 10. September, findet im Hotel St. Georg ein geselliger Abend mit Musik statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Der Imkertag wird vom Landesverband Bayerischer Imker veranstaltet und vom Kreisverband Imker Rosenheim ausgerichtet.

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