Sturm "Bianca" beschert den Einsatzkräften in der Region eine schlaflose Nacht

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In Mößling kippte ein Baum und stürzte auf ein Haus.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Im Vorfeld hat Sturm "Bianca" weit weniger Wind gemacht als das Sturmtief "Sabine" vor knapp zwei Wochen. Aber die Auswirkungen in der Region waren genauso deutlich zu spüren, wie eine Sturmbilanz für die Landkreise Rosenheim, Mühldorf und Traunstein zeigt.

Rosenheim/Mühldorf – Nach Information von Carolin Hohensinn, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, sind in der Region am Donnerstagabend binnen drei Stunden 288 Notrufe eingegangen. So waren viele Straßen blockiert, weil Bäume umgefallen oder Äste abgebrochen waren. Es gab zwei Leichtverletzte und 29 Kleinunfälle mit Kraftfahrzeugen, hingegen keine Schwerverletzten.

Baum kracht auf das Auto eines Siegsdorfers

In Siegsdorf fiel ein Baum auf das Fahrzeug eines 57-jährigen. Der Mann hatte Glück im Unglück, da der Baum nur den hinteren Teil seines Fahrzeugs traf und er selbst nicht verletzt wurde. Zwischen Chieming und Traunstein erfasste eine Windböe den Anhänger eines 68-jährigen Chiemingers. Der Anhänger geriet auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit dem Fahrzeug eines 55-jährigen Chiemingers. Auch in diesem Fall blieb es nur bei einem Sachschaden.

Da der Wind stark an manchen Fenstern und Türen rüttelte, erhielt die Polizei auch 28 Fehlalarme von Sicherheitsanlagen. OVB-Mitarbeiterin Silvia Mischi fuhr mit ihrem Auto von Rimsting in Richtung Prien, als am Ortsausgang knapp vor ihrem Fahrzeug ein Baum umstürzte.

Direkt vor dem Auto ist zwischen Rimsting ein Baum vor ein Auto gekracht.

Für die Rosenheimer Feuerwehr mehr zu tun als bei Sturm Sabine

Die Feuerwehr im Landkreis Rosenheim war nach Auskunft von Kreisbrandrat Richard Schrank deutlicher stärker gefordert als beim Sturmtief Sabine. In der Nacht rückten die Feuerwehren des Landkreis rund 140 mal aus, um Äste und umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen. Zum Teil lösten sich auch Ziegel von den Dächern. Einige Straßen im Landkreis, beispielsweise zwischen Pang und Nickelheim, mussten zwischenzeitlich gesperrt werden, bis sie wieder befahrbar waren.

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Stark zu schaffen machte Bianca dem Zugverkehr. Auf allen Strecken in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein kam es zu Einschränkungen und teilweise auch Sperrungen. Am Donnerstagabend gegen 21.50 Uhr war die Bundespolizei gefordert: Ein Baum fiel auf eine Oberleitung bei Prien, und rund 60 Fahrgäste konnten ihre Fahrt mit dem Meridian nicht fortsetzen. Der Zug musste evakuiert werden. 

Bei Riedering knickte ein dicker Baum direkt bei einer Kapelle um.

Die Strecke Rosenheim-Salzburg war ab 23 Uhr komplett gesperrt. Auch der eingesetzte Schienenersatzverkehr hatte durch Windböen und Schneefall Schwierigkeiten. Nach Auskunft der Bayerischen Oberlandbahn kamen die Fahrgäste erst mit langen Verzögerungen an ihren Reisezielen an.

Zahlreiche Zugstrecken von Sturmschäden betroffen

Auch ein Nachtzug und ein Railjet der ÖBB waren vom Stromausfall auf der Strecke betroffen und wurden von einer Rangierlok wieder zurück zu ihren jeweiligen Ausgangspunkten nach München und Salzburg gezogen.

Es dauerte, bis der Zugverkehr wieder anlief. Noch am Freitagmorgen blockierten Äste und Bäume noch viele Zugstrecken, so dass die Strecke Prien Salzburg bis in den späten Vormittag nur eingleisig befahren werden konnte.

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Auch auf anderen Strecken lief es nicht rund: Zwischen Holzkirchen und Bad Aibling fuhr Freitag früh kein Zug. Tamara Danicic wollte von München nach Bad Aibling fahren und danach einen Termin in Rosenheim wahrnehmen. Bis Holzkirchen kam sie mit der S-Bahn, dort musste sie aber umdisponieren. Nach Bad Aibling konnte sie nicht weiter reisen. So ging es für sie wieder zurück nach München und von dort mit dem Eurocity weiter nach Rosenheim. Auch Nebenstrecken wie die Verbindung von Prien nach Aschau und von Traunstein nach Ruhpolding waren betroffen.

9000 Haushalte wegen "Bianca" ohne Strom

Umgestürzte Bäume beschäftigten auch die Stromversorger. Nach Auskunft der Bayernwerke waren in der Nacht von Donnerstag auf Freitag rund 9000 Haushalte in der Region ohne Strom. Bäume waren in Freileitungen gefallen, es kam zu Kurzschlüssen. Die Schäden konnten noch in der Nacht behoben werden, so dass die meisten Haushalte nur ein bis zwei Stunden vom Netz abgeschnitten waren. Um ein Uhr nachts waren auch die letzten Ortschaften der Region wieder mit Strom versorgt.

Nicht nur Straße, auch Friedhöfe sind von den Sturmschäden betroffen. In Traunstein sind sowohl der Waldfriedhof als auch die Kriegsgräberstätte „Hohes Kreuz“ vorerst komplett gesperrt.

48 Einsätze für die Feuerwehr im Kreis Mühldorf

In Mühldorf hieß es: Wieder eine Sturmnacht, wieder kam der Landkreis glimpflich davon. Trotzdem mussten die Feuerwehren nach Angaben von Kreisbrandrat Harald Lechertshuber zu 48 Einsätzen ausrücken. „Diesmal waren 29 Feuerwehren im Einsatz.“

Dabei war einmal mehr der ganze Landkreis betroffen, von Maitenbeth im Westen, wo der erste Alarm um 21.13 Uhr einging, bis Mößling im Osten, wo die Wehren noch mal um 7.21 Uhr ausrücken mussten. „Es ist aber nicht viel passiert“, sagte Lechertshuber, wie in den vergangenen Sturmnächten hatten die Freiwilligen vor allem mit umgestürzten Bäumen zu tun.

Baum fällt bei Mößling auf Haus

Kurz vor 23 Uhr heulten ihn Mößling zum ersten Mal die Sirenen, die Feuerwehr mussten in der unmittelbaren Nachbarschaft des Gerätehauses helfen. Dort erlitten Bewohner eines Hauses einen gehörigen Schrecken, als der Sturm einen großen Nadelbaum entwurzelte und gegen ein Wohnhaus warf; ein zweiter geriet dadurch in bedrohliche Schieflage, genau wie ein Gartenhaus, dass mit der Wurzel eines der Bäume ausgehebelt wurde.

Außer dem Schrecken und den noch nicht bekannten Sachschaden, erlitten die Anwohner keine Verletzungen. Die Feuerwehr zog die Bäume vom Haus weg und räumte sie schließlich auf von der Straße. „Es gab überhaupt keine Personenschäden“, sagt Feuerwehrchef Harald Lechertshuber, damit reihen sich die Sturmfolgen weitgehend in die der letzten ein.

Bahnstrecken blieben weitgehend frei

Diesmal sind auch Bahnkunden glimpflich davon gekommen, wie ein Bahnsprecher am späten Vormittag erklärte. Die wichtigste Strecke von Mühldorf nach München sei gar nicht betroffen gewesen, auf den anderen nach Erkundungsfahrten sehr früh grünes Licht gegeben worden. „Auf den meisten Strecken sind wir morgens mit verminderter Geschwindigkeit gefahren, auf den anderen haben wir Erkundungsfahrten eingesetzt.“

Diese Erkundungsfahrten hätten nach der regulären Nachtpause begonnen, Äste hätten die Bahnmitarbeiter direkt von den Gleisen entfernt, Bäume seien von Hilfstrupps beseitigt worden. So hätten auch in Richtung Passau, Simbach, Burghausen, Salzburg und zwischen Trostberg und Traunstein die meisten Züge im Morgenverkehr fahren können. „Seitdem sind alle Strecken frei“, sagte der Bahnsprecher.

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