Auseinandersetzung mit Nachspiel

Streit wegen Corona-Tests: Anzeige gegen AfD-Politiker Andreas Winhart

Andreas Winhart, AfD-Landtagsabgeordneter
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Andreas Winhart, AfD-Landtagsabgeordneter, soll sich aggressiv in einen Coronatest eingemischt haben. Er bestreitet dies.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Während eines Corona-Tests soll der Rosenheimer AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart ausgerastet sein. Jetzt gibt es ein Nachspiel. Die Ärztin, mit der Winhart in Bad Aibling verbal aneinandergeraten war, hat Winhart angezeigt.

Bad Aibling – In Zeiten der Corona-Pandemie ist es eigentlich eine Routine-Angelegenheit: Jemand hatte Kontakt mit jemandem, der sich als infiziert herausstellt. Nun will er oder sie sich seinerseits testen lasen. Corona oder nicht Corona, das ist sonst bei solchen Tests die Frage. An jenem Oktober-Sonntag wurde daraus auch noch ein Streit über Sinn und Unsinn von Schutzmaßnahmen und über Fragen des Anstands. Weil sich offenbar ein Dritter einmischte: der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart, der anlässlich besagten Tests in Rage geraten sein soll.

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Eine mit Andreas Winhart befreundete Frau hatte den Ärztlichen Bereitschaftsdienst angerufen. Sie gab an, selbst erkrankt zu sein, nachdem sie mit ihrem Physiotherapeuten Kontakt gehabt hatte, der mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Daraufhin machten sich die Ärztin und ein Rettungssanitäter der Ambulanz Rosenheim auf nach Bad Aibling.

An der angegebenen Adresse zog die Ärztin die Schutzkleidung über, der Rettungssanitäter bereitete die Test-Materialien vor. „Währenddessen näherte sich zum ersten Mal Herr Winhart, welchen ich zuerst als Nachbarn vermutete“ – so erinnert sich der Sanitäter an den Moment, da die Situation kippte. Winhart habe ohne Mundschutz auf die Frau eingeredet, habe schließlich zu schreien begonnen. Seine Worte: „Bin ich hier der einzige, der noch klar denken kann?“ Und: „Die klauen nur dein Gen-Material.“

„Ein Wortgefecht, klar“

Winhart bestätigte einen Streit. „Es gab ein Wortgefecht, klar“, sagte er. „Es ist doch normal, dass, wenn man sich freundlich nähert, man sich auch vorstellt.“ Die Ärztin jedoch habe sich danebenbenommen.

Das bestreiten die Frau und ihr Kollege. Vielmehr sei es Winhart gewesen, der sich beleidigend und drohend verhalten habe. Verschiedene Male habe er die Helfer mit „Verpisst euch!“ angeschrieen. Das Ende vom Lied: Ärztin und Rettungssanitäter riefen die Polizei, zogen sich bis zur Ankunft der Beamten ins Dienstauto zurück und berichten noch, dass der Politiker gegen die Scheibe der Beifahrertüre geschlagen habe.

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Winhart beteuerte, nichts gegen Tests an sich zu haben, wohl aber dagegen, dass aus „Jux und Dollerei“ getestet werde. Ihm stinke „diese Testerei die ganze Zeit“. Die Ärztin aber wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen. „Herr Winhart hat versucht, eine ärztliche Behandlung zu verhindern“, sagt sie auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Das kann ich nicht zulassen.“

Jetzt ermitteln die Behörden. Dem Fachkommissariat Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim liege mittlerweile eine Anzeige vor, bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

Anzeige geht an den Staatsanwalt

Wie es weitergeht? Die Anzeige wird der Staatsanwaltschaft in Rosenheim vorgelegt. Der Staatsanwalt prüft die Anzeige und entscheidet gegebenenfalls auch, ob er die Aufhebung der Immunität eines Mandatsträgers wie des Landtagsabgeordneten Andreas Winhart beantragen soll.

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