Jodl-Gedenkstein auf Fraueninsel: Bayern-SPD will per Gesetz dagegen vorgehen

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Eine Hecke und eine fest montierte Steinplatte verdecken den Namen von Alfred Jodl auf einem Grabstein auf der Fraueninsel.
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Vor einem Grabstein auf der Fraueninsel, in dem auch der Name des Nazi-Kriegsverbrechers Alfred Jodl verewigt ist, war im Mai dieses Jahres eine Steintafel angebracht worden – die Jodls Namen verdeckt. Dennoch startet die SPD im bayerischen Landtag einen Vorstoß zur Causa Jodl.

Update 26. Juni 2020

SPD will den Namen Alfred Jodl per Gesetz vom Friedhof entfernen

Fraueninsel – „In Bayern ist kein Platz für Gedenkstätten für Nazi-Verbrecher", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. Er bezeichnet es mit Blick auf den Jodl-Stein auf dem Friedhof der Fraueninsel als "unsäglich, dass diese Pilgerstätte für Neonazis aus rechtlichen Gründen bislang nicht vom Friedhof auf der Fraueninsel im Chiemsee entfernt werden durfte.“

Der Name Alfred Jodl ist auf dem Grabstein des Familiengrabes auf der Fraueninsel zwar verewigt. Begraben liegt der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Tode verurteilte Nazi-Kriegsverbrecher dort jedoch nicht. Die SPD wirft den Nachfahren und Grabnutzungsberechtigten in einer Pressemitteilung vor, bislang verhindert zu haben, dass die Grabstätte entfernt wurde.

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Nun startet die SPD einen neuen Anlauf, um den Namen Alfred Jodl vom Friedhof der Fraueninsel verschwinden zu lassen. Sie will das bayerische Bestattungsgesetz ändern. Gemeinden und Friedhofsbetreiber sollen laut Gesetzentwurf das Recht bekommen, Gedenksteine für verurteilte Nazi-Kriegsverbrecher auf ihren Friedhöfen generell zu verbieten.

Wann der Gesetzentwurf im Landtag behandelt werden wird, ist bislang unklar. Der Name Alfred Jodl war zuletzt auf dem Friedhof der Fraueninsel nicht mehr zu sehen. Eine Steinplatte verdeckte den Namenszug auf dem Grab.

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Die Erstmeldung vom 14. Mai 2020

Fraueninsel –  Der Gedenkstein des Wehrmachtsgenerals und verurteilten Kriegsverbrechers sorgt seit Jahren immer wieder für Streit. Jodl liegt gar nicht auf der Insel begraben, sondern nur seine beiden Frauen. Er wurde seinerzeit zum Tode verurteilt und seine Asche nach der Hinrichtung in der Isar zerstreut.

Wer die neue Steinplatte fachgerecht auf den Gedenkstein geklebt hat, ist biher nicht bekannt. Auch der neue Inselbürgermeister Armin Krämmer rätselt. Er hatte die Platte vor eineinhalb Wochen entdeckt, als er das Grab seines Vaters besuchte, erzählte er im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Die Platte mit der Aufschrift „Familie Jodl“ wird demnächst Thema im Gemeinderat, kündigte Krämmer an. Das Gremium muss darüber beraten, wie es mit der neuen Entwicklung umgeht.

In der vergangenen Legislaturperiode hatte sich der damalige Bürgermeister Georg Huber mit einem Nachfahren Jodls auf das Anbringen einer Platte geeinigt. Der damalige Gemeinderat hatte dieser Lösung aber nicht zugestimmt.

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