Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Rohrdorfer Zementwerk bezieht Stellung

758 oder 840 Meter? Streit um die Abbaugrenze am Steinbruch Heuberg

Mike Edelmann (links), Geschäftsführer des Rohrdorfer Zementwerks, und Prokurist Anton Bartinger positionieren sich zum Thema Steinbruch.
+
Mike Edelmann (links), Geschäftsführer des Rohrdorfer Zementwerks, und Prokurist Anton Bartinger auf dem Gelände des Steinbruchs.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
    schließen

Wenn es um den Steinbruch am Heuberg geht, zeigen alle Finger auf das Landratsamt und den Betreiber. Jetzt ergriff das Rohrdorfer Zementwerk die Initiative, um Vorwürfe gegen das Unternehmen auszuräumen. Geschäftsführer Mike Edelmann und Prokurist Anton Bartinger bezogen Stellung zu den jüngsten Vorwürfen.

Rohrdorf/Nußdorf – „Wir gehen nicht über die Grenzen von 1980 hinaus“, sagt Edelmann. Es handle sich lediglich um eine rechtliche Klärung einer bestehenden Genehmigung. Bis zur Höhenlinie von 758 Metern über dem Meeresspiegel dürfen die Betreiber das Gestein abbauen. Das sei unbestritten. „Aber darüber hinaus ist die Genehmigung laut Richter nun zu unbestimmt“, macht Edelmann deutlich.

Betreiber pocht auf zusätzliche 100 Meter

Im Mai 2018 hatte der bayerische Verwaltungsgerichtshof einen Abbaustopp oberhalb von 758 Metern verfügt (wir berichteten). Aber die nächsten 100 Höhenmeter seien entscheidend, sagt Edelmann.

Lesen Sie auch: Naturschutbehörden sehen Erweiterung des Steinbruchs am Heuberg kritisch

Also hat das Rohrdorfer Zementwerk im März 2019 erneut einen Erweiterungsantrag beim Landratsamt Rosenheim gestellt, um Gestein bis 840 Meter über dem Meeresspiel abbauen zu dürfen. Andernfalls könne man nicht den kompletten Kalk gewinnen. „Das gesamte Material darunter verlieren wir“, erklärt Edelmann.

Das könnte Sie auch interessieren: Aufschrei gegen Erweiterung des Nußdorfer Steinbruchs wird immer lauter

Auch zum Thema Rodung nahm der Geschäftsführer Stellung: Der Genehmigungsbescheid von 1980 sei zum Zeitpunkt der Rodung gültig gewesen. Bartinger pflichtet bei: Nachdem 2018 dann der Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs gefallen sei, habe man „alle Arbeiten da oben eingestellt“. Auch seien teilweise bereits Renaturierungen umgesetzt worden.

Die Genehmigung von 1980 gilt bis 758 Meter und keinen Meter weiter.

Sepp Reisinger, Aktionsbündnis „Rettet den Heuberg“

Ein entsprechendes Raumordnungsverfahren von 1960 liege vor. Darüber hinaus solle im Herbst ein öffentliches Verfahren stattfinden. „Wir haben uns freiwillig dazu entschieden. Den Schuh wollten wir uns nicht anziehen“, so Edelmann. Sonst heiße es wieder, es sei gemauschelt worden.

Lesen Sie auch: Die Grünen sind gegen massiven Eingriff in den Lebensraum von Tieren und Pflanzen

Sepp Reisinger vom Aktionsbündnis „Rettet den Heuberg“ betrachtet die Vorgehensweise des Betreibers kritisch.

Das Abraummaterial darf nicht über die Forststraße abtransportiert werden, sondern muss über die Bermen geschüttet werden.

Die Argumente, mit denen das Unternehmen versucht, das Geplante und bereits Geschehene zu rechtfertigen, stoßen ihm sauer auf: „Die Genehmigung von 1980 gilt bis 758 Meter und keinen Meter weiter.“ Denn die Bruchsohle liege auf 548 Höhenmeter über Null. Darüber liegen sechs Bermen (Böschungen).

Für die Höhenlinien am Heuberg keine Gewähr

„Jede Berme hat eine Höhe von dreißig Metern“, sagt Reisinger. Das ergebe zusammen eine Höhe von 180 Metern. Nimmt man die darüberliegende Böschung von ebenfalls dreißig Metern noch dazu, liege man bei 210 Höhenmetern. „Wenn man diesen Wert zum tiefsten Punkt addiert, ergibt sich exakt eine Höhe von 758 Metern“, sagt Reisinger. Aus dieser Rechnung gehe klar hervor, dass es nie eine andere Genehmigung gegeben habe.

Oberhalb von 758 Höhenmetern soll Schluss mit dem Abbau sein. Doch der Betreiber hat einen Erweiterungsantrag gestellt, um weitere Höhenmeter zu gewinnen.

Dass diese 840 Meter überhaupt ins Spiel gebracht worden sei, liege laut Reisinger an dem Genehmigungsplan von 1980. Dort habe der Planungsverfasser jedoch deutlich vermerkt, dass er für die Höhenlinien keine Gewähr übernehmen würde. „Das Landratsamt hätte diesen Plan einfach nicht genehmigen dürfen.“ Und so verhalte es sich auch mit der Rodung. Alles, was über 758 Meter gerodet wurde, sei „illegal“ gewesen.

Alle Stellungnahmen liegen jetzt vor

Weil der Betreiber sowie das Landratsamt Rosenheim stets darauf verweisen, dass sich die Schutzzone C des Alpenplans nicht auf Steinbrüche beziehe, würde sich Reisinger wünschen, dass man die Schutzzone C als „absolute Tabuzone“ ausweist. „Das wäre dann im Sinne des Alpenplans“, ist er überzeugt.

Auf Nachfrage erklärt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes Rosenheim, dass seit Ende Juli alle Stellungnahmen vorliegen würden – einschließlich die des Betreibers. Auch bestätigt Fischer, dass im Herbst ein öffentliches Verfahren geplant sei. „Derzeit sind wir noch in einer frühen Phase der Planung und können keinen konkreten Termin nennen.“ Eine Renaturierung sei bereits im Bereich der Sichtschutzwände sowie in einem Bereich auf Höhe von 620 Metern erfolgt, sagt Fischer.

Mehr zum Thema

Kommentare