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Video auf Online-Plattform Telegram

Rosenheimer AfD-Mitglied vergleicht Corona-Impfung mit KZ-Gas: Parteichef Meuthen begrüßt Rauswurf

Unrühmlicher Akteur in der Top-Story des österreichischen Portals „oe24“: Stefan Bauer in seinem Mauthausen-Clip.
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Unrühmlicher Akteur in der Top-Story des österreichischen Portals „oe24“: Stefan Bauer in seinem Mauthausen-Clip.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Er filmte sich in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und schwurbelte von Corona-Impfstoffen als dem neuen Zyklon B. Jetzt droht dem Rosenheimer AfD-Mann Stefan Bauer Ärger. Anzeigen wurden in Österreich und Deutschland erstattet. Nun schaltet sich auch Parteichef Meuthen in die Causa Bauer ein.

Update 10. März, 15.42 Uhr

AfD-Chef Meuthen zur Causa Bauer: In der Partei „haben Holocaust-Verharmloser keinen Platz“

Berlin (dpa/ki) - Der Rosenheimer Stefan Bauer, Mitglied der AfD Bayern, hat am vergangenen Wochenende auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein Video gedreht, in dem er Corona-Impfstoffe mit Zyklon B vergleicht – dem Gas, mit dem die Nationalsozialisten in Konzentrationslagern massenhaft Menschen ermordet haben. Ferner suggeriert Bauer in dem Video, irgendjemand könne vorhaben, Konzentrationslager für Coronatest- oder Impfverweigerer einzurichten.

Nun hat sich die Bundes-AfD in die Sache eingeschaltet. Parteichef Jörg Meuthen sagt: „Die vollkommen absurden und zutiefst abstoßenden Vergleiche, die hier von einem bayerischen AfD-Mitglied geäußert wurden, verharmlosen den Holocaust. Dass diese Äußerungen auf dem Gelände einer KZ-Gedenkstätte erfolgt sind, macht sie nur noch unerträglicher.“ Meuthen begrüßt, dass der bayerische AfD-Landesverband Bauer nun aus der Partei ausschließen wolle. Für Holocaust-Verharmloser gebe es in der Partei keinen Platz.

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Tino Chrupalla, Sprecher der Bundes-AfD, ergänzt: „Eben solche Mitglieder zerstören die AfD. Leute wie dieses Mitglied aus Bayern gehören nicht in unsere Partei. Und darum wird dieses Mitglied ausgeschlossen.“

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Der ursprüngliche Artikel vom 9. März

Rosenheim – Im Vorstand des AfD-Kreisverbands Rosenheim ist Bauer seit September 2020 nicht mehr, AfD-Mitglied ist Bauer – noch. Jetzt, nachdem der Rosenheimer mit einem Videoclip auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Empörung ausgelöst hat, will die AfD die Reißleine ziehen: Der Landesvorstand habe beschlossen, den Ausschluss Bauers zu beantragen, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Gerd Mannes auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Grund für diesen Schritt sei Bauers Video auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich gewesen, bestätigte Mannes, „dessen Inhalt auf anstößige Weise Vergleiche der NS-Zeit mit heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten anstellt“. Nun muss sich in den nächsten Wochen das AfD-Landesschiedsgericht mit der Causa Bauer befassen.

„Wenn mein Telegramvideo dazu beiträgt, die Blasen zu durchbrechen, dann war es das Opfer wert“, sagt dazu Stefan Bauer, Mit „brennender Sorge“ habe er festgestellt, „dass unsere Gesellschaft in Lager auseinanderdriftet“.

In Deutschland und Österreich droht Ärger

Das Video hatte in Österreich für Empörung gesorgt. Der österreichische Innenminister Karl Nehammer bezeichnete es als „widerwärtig und kriminell“. Bauers Aussagen seien „absolut inakzeptabel“. Der Landesverfassungsschutz Oberösterreich ermittelt derzeit. Nach Informationen aus dem österreichischen Innenministerium wird eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft nach dem „Verbotsgesetz“ erstattet.

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Ungemach droht Stefan Bauer aber auch von deutscher Seite. Für Delikte im Internet könne ein „fliegender Gerichtsstand“ in Frage kommen, sagt der Rosenheimer Fachanwalt für Strafrecht, Dr. Marc Herzog. Bauers Mauthausen-Clip werde – Stichwort „Volksverhetzung“ – möglicherweise auch zum Fall für die deutsche Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft Traunstein prüft Bauers Aussage in Mauthausen

Herzog: „Wenn es um Delikte dieser Art geht, kennt die Staatsanwaltschaft keinen Spaß.“ Tatsächlich prüfe die Staatsanwaltschaft Traunstein aufgrund einer eingegangenen Anzeige derzeit bereits den Sachverhalt, sagt Sprecher Björn Pfeifer auf Anfrage mit.

Bauer zieht in dem ungefähr 45 Sekunden langen Video Parallelen zwischen Impfgegnern und Verfolgten des NS-Regimes und vergleicht die Corona-Schutzimpfungen mit Zyklon B. Die Nationalsozialisten hatten mit dem blausäurehaltigen Zyklon B millionenfachen Massenmord verübt und damit auch im Konzentrationslager Mauthausen Tausende Menschen getötet.

AfD-Kreisvorsitzender Winhart: Bauer am Anfang unauffällig

In der Rosenheimer AfD distanziert man sich von dem selbsternannten Journalisten Stefan Bauer. Dieser habe sich zunächst vollkommen unauffällig verhalten, sagt der AfD-Kreisvorsitzende Andreas Winhart. Er sei aber im Laufe der Zeit „aggressiver“ geworden und habe Kontakt zu Leuten aufgenommen, „mit denen wir nicht einverstanden sind“.

Dazu dürfte der ehemalige Fernsehkoch und Corona-Leugner Attila Hildmann gehören, in dessen Nähe Bauer immer wieder gesehen wurde. In den vergangenen Jahren wurde Stefan Bauer zu einem Youtube-Star der rechten Szene. Seinen Mauthausen-Clip lud er aber auf Telegram hoch.

Bis September vergangenen Jahres saß Bauer als Schriftführer im Vorstand des Rosenheimer Kreisverbands der AfD. Er sei dann nicht mehr angetreten, sagte der AfD-Kreisvorsitzende Andreas Winhart auf Nachfragen der OVB-Heimatzeitungen.

Der AfD-Landesvorstand zögerte bislang mit dem Rauswurf Bauers

Schon zuvor sei die Entfremdung zwischen Bauer und der AfD schon so weit vorangeschritten gewesen, dass man ihm die Mitgliedschaft habe entziehen wollen, sagt Winhart. Bauers Auftritte bei Demonstrationen des aggressiven Corona-Leugners Attila Hildmann hätten für Ärger gesorgt.

„Überraschenderweise war die Hildmann-Geschichte noch nicht heftig genug“, sagt Winhart. Der Landesvorstand habe lediglich auf ein Mediationsgespräch gedrungen. „Ansonsten hätten wir das im vergangenen Sommer schon erledigen können.“ Wie aber wurde er nicht nur Schriftführer, sondern sogar Stadtratskandidat der AfD? „Durchgerutscht, mit einem knappen Ergebnis“, sagt Winhart.

Bei den Vorgängen im Sommer sei er noch nicht dabei gewesen. Es scheine sich um menschliche Differenzen gehandelt zu haben, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Mannes. Jetzt sei die Angelegenheit eine andere. „Umso resoluter haben wir als Vorstand reagiert, als besagtes Video erschienen ist. In einem schnellen und konsequenten Verfahren haben wir beschlossen, das besagte Mitglied aus der Partei auszuschließen, und die Sache dem Landesschiedsgericht Bayern übergeben.“

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