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Große Visionen ohne wirkliche Strategie

Großstadtfantasien in Rosenheim? Kritik an Baupolitik der Stadt

Blick auf die Heimat des einstigen „Karstadt Sport“: Rainer Heinz vom Rosenheimer Forum für Städtebau zeigt in Richtung des Gebäudes, das um zwei Geschosse wachsen soll. Kirschner
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Blick auf die Heimat des einstigen „Karstadt Sport“: Rainer Heinz vom Rosenheimer Forum für Städtebau zeigt in Richtung des Gebäudes, das um zwei Geschosse wachsen soll. Kirschner
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Was verfolgt die Stadt Rosenheim mit ihrer Baupolitik? Zumindest keine wirkliche Strategie, wie das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen findet. Auf einem Spaziergang entdeckt der Verein diverse Gebäude, die er als „Bausünden“ einstuft.

Rosenheim – Rosenheims Politik träumt in Großstadtdimensionen. Das ist – grob umrissen – der Eindruck, den die Spaziergänger an diesem Abend gewonnen haben. Das Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen hatte zu einem Stadtspaziergang eingeladen, um jene bestehenden, vor allem aber geplante Bauvorhaben unter die Lupe zu nehmen, die in den Augen des Vereins so gar nicht zu einer gesunden Stadtentwicklung passen, geschweige denn ins Stadtbild.

Die Flötzinger-Brauerei will unweit der Roßacker-Kapelle drei Außentanks an ihrem Gebäude anbringen. Rainer Heinz präsentiert die Stelle, an der die neuen Behälter entstehen sollen.

Lagertanks nahe des historischen Stadtkerns

Der Marsch beginnt an der Roßacker-Kapelle. Dort zeigt Rainer Heinz, stellvertretender Vorsitzender des Forums, auf jene Stelle, an der die Brauerei Flötzinger sieben neue Tanks installieren will – im Freien und in Nachbarschaft zu jenen Gebäuden, die vom historischen Stadtkern noch übrig sind. Zwischen 11,6 und 12,9 Meter sollen die Behälter in die Höhe ragen, je nach Lage auf dem Gelände.

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Umgeben soll die Behältnisse ein Gerüst, an dem Kletterpflanzen wachsen sollen, um „die räumliche Dominanz“ zu mildern, wie es in den Planungsunterlagen heißt.

Unverständnis über Heimatpfleger

Darüber, dass sich eine Mehrheit im Bauausschuss für die Pläne der Brauerei ausgesprochen hat, herrscht beim Forum Unverständnis. Zumal der Landesdenkmalschutz sich in einem Gutachten deutlich gegen die Pläne ausgesprochen hatte. Ebenso unverständlich ist für die Teilnehmer die Stellungnahme des neuen Stadtheimatpflegers und früheren Baudezernenten Helmut Cybulska.

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„Mit den frei stehenden Lagertanks wird die Geschichte des Brauereistandorts lebendig fortgeschrieben“, heißt es in seiner Stellungnahme. Cybulska bemängelte lediglich die Längenausdehnung der Tanks, die in einer Reihe aufgestellt werden sollen.

Forum: Keine stringente Politik

Dem Forum geht es nicht darum, Veränderungen in der Gebäudestruktur Rosenheims kategorisch abzulehnen. Städte und Gemeinden verändern ihr Bild, das ist auch den Forumsmitgliedern klar. Aber wenn man den Gesprächen folgt, wird deutlich: Den Eindruck, dass Rosenheim eine stringente Baupolitik verfolgt, hat hier keiner.

Wirtschaftliche Interessen dominieren

Deutlich wird das an der Ecke Schmetter- und Samerstraße. Dort steht ein Gebäude, welches der Eigentümer für einen Neubau abreißen lassen will. Vor allem soll das Gebäude höher werden als das bisherige. Gegenüber liegt das Hochhaus mit dem Burgerking im Erdgeschoss, welches deutlich über die übrigen Bauten hinausragt. Es ist für das Rosenheimer Forum ein weiteres Beispiel, dass sich die Baupolitik der Stadt schon seit geraumer Zeit eher an wirtschaftlichen Interessen orientiert als an einer sinnvollen Städteplanung.

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„Wollen wir in bestimmten Bereichen Rosenheims eine Entwicklung haben, die überall Ausnahmen in der Höhe zulässt?“, kommentiert Vereinsvize Heinz das geplante Gebäude gegenüber. Dabei kommt der Städteplaner auch auf die Bauprojekte am Bahnhof zu sprechen. Auch dort entstehe mit den geplanten Neubauten im östlichen Bereich baulich gesehen eine „markante Dominanz“.

Neue Nutzung für „Karstadt Sport“

Im Oktober vergangenen Jahres schloss „Karstadt Sport“ an der Münchener Straße. Inzwischen steht das Gebäude im Eigentum eines Immobilienentwicklers. Hierfür soll der Bau um zwei gestaffelte Geschosse erweitert und damit um 6,5 Meter auf eine Höhe von 22,74 Metern aufgestockt werden, wenngleich die Aufstockung nach hinten versetzt erfolgen soll.

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Während im Erdgeschoss wieder Einzelhandel nebst Gastronomie einziehen soll, sind für die Flächen der Obergeschosse Wohnungen vorgesehen. Die Fassade soll erneuert, das Gebäude energetisch saniert werden.

Altbau weg, höheres Gebäude her: Rainer Heinz präsentiert den Teilnehmern des Stadtspaziergangs an der Samerstraße, welches neue Wohngebäude anstelle des früheren Kinos entstehen soll.

Kein kommunistisches Instrument

Auch hier werden bei dem Rundgang Stimmen laut, dass die Politik und Verwaltung bei ihrer Städteplanung den Weg für Investoren schnell freimachten – selbst wenn sich die neuen Projekte baulich nicht in die Umgebung einfügten. Die Stadt als Dienstleister, nicht als Gestalterin. Rainer Heinz spricht vom Geist eines „ungezügelten Neoliberalismus“, der in Sachen Stadtentwicklung nicht nur in den Amtsstuben des Rosenheimer Rathauses anzutreffen sei.

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Was er und seine Mitstreiter auch bei den Stadträten vermissen, ist ein Gestaltungswille, der sich bei der Planung Rosenheims an einer langfristigen Strategie statt an den Interessen von Investoren orientiert. Städteplanung sei kein „kommunistisches Instrument“. „Sie ist genau das Gegenteil, nämlich die Rahmensetzung, in der sich der Markt entwickeln sollte“, sagt er.

Zweiter Spaziergang geplant

Mit Einbruch der Dämmerung geht der Stadtspaziergang nach einer Stunde zu Ende. Auseinander geht die Gruppe in der Gewissheit, dass die Aktion eine Fortsetzung findet. Dann will sich das Rosenheimer Forum unter anderem um ein Bauvorhaben an der Wittelsbacherstraße kümmern, wo anstelle des Wirtshauses „Zur Brez‘n“ zwischen Finanz- und Landratsamt ein neues Wohngebäude stehen soll – mehrgeschossig.

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