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Stadt Rosenheim sagt Mantelsonntag ab: Im letzten Moment die Reißleine gezogen

  • Norbert Kotter
    vonNorbert Kotter
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Bis zuletzt hatte die Stadt Rosenheim trotz explodierender Corona-Infektionszahlen auf die Ausrichtung des Mantelsonntags beharrt. Erst Freitagfrüh erfolgte dann die Absage. Fast zu spät, findet Norbert Kotter, Chef vom Dienst der OVB-Heimatzeitung, der die Entscheidung in einem Kommentar bewertet.

Kommentar – Da hat Oberbürgermeister Andreas März zwar spät, aber gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen. So verständlich der Wunsch des Handels nach einem verkaufsoffenen Sonntag auch sein mag: In Zeiten, in denen die Zahl der Corona-Neuinfizierten auch in unserer Region besorgniserregend nach oben schnellt, wäre die Veranstaltung ein völlig falsches Signal gewesen.

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Man kann nicht Maskenpflicht für die Fußgängerzone anordnen und praktisch im gleichen Atemzug Tausende genau in jenen Bereich locken, in dem zur Vermeidung neuer Ansteckungsfälle noch nie dagewesene Schutzmaßnahmen gelten. Diese Logik hätte kein Mensch mehr verstanden. Eigentlich hätte der Stadtrat bereits in seiner jüngsten Sitzung vor ein paar Tagen zusammen mit März den Daumen senken müssen.

Über dringende Empfehlung hinweggesetzt

Nicht zu vergessen: Rosenheim hat noch immer mit den Folgen der Tatsache zu kämpfen, dass sich die Stadt im Frühjahr einfach mal über eine dringende Empfehlung des Gesundheitsamtes hinwegsetzte und trotz Corona den Zapfhahn für das Starkbier öffnete, während beispielsweise am Münchner Nockherberg bereits das bundesweit bekannte Politikerderblecken abgesagt wurde.

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Auch wenn sie sich bis heute darauf beruft, dass es keinen belegbaren Zusammenhang zwischen dem Starkbier-Wochenende und Corona-Patienten gibt: Der Verdacht, dass dies doch der Fall gewesen sein könnte, ist damit nicht ausgeräumt. Das hat gereicht, um Rosenheim einen gewaltigen Imageschaden zuzufügen. Ein verkaufsoffener Sonntag an diesem Wochenende hätte zweifellos das Zeug zur Wiederholung dieses Desasters gehabt und letztlich mehr Schaden als Nutzen gebracht.

Schreiben Sie dem Autor: norbert.kotter@ovb.net

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