Corona: Rosenheim reißt Obergrenze von 50 - und kann sich die Zahlen dennoch schön rechnen

In der Asylunterkunft an der Krankenhausstraße Bad Aibling kam es heute zu einem erneuten Polizeieinsatz. Dort wurden die Testergebnisse bekanntgegeben - begleitet von großem Polizeiaufgebot. Reisner
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Über Zahlen lässt es sich streiten: Einerseits liegt die Stadt Rosenheim drüber – und doch drunter. Die neue Messzahl 7-Tage-Inzidenz und ihre Sonderregelungen lässt aufhorchen. Denn rechnet man mit Schlupflöchern, liegt die Stadt unter der Obergrenze von 50. Sieht man es gesamt, wird die Marke gerissen.

Rosenheim – Sie ist die neue Messlatte in Bezug auf die Corona-Entwicklung: die 7-Tage-Inzidenz. Wird die Fallzahl 50 überschritten, was 50 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche heißt, wären Gegenmaßnahmen erforderlich. Zumindest regional begrenzt.

Stadt Rosenheim mit 52,5

Zuletzt ständig im kritischen Bereich liegt die Stadt Rosenheim: Donnerstag (14. Mai) mit 52,5 so hoch wie nie, tags zuvor mit 49,5 knapp unter der magischen Obergrenze. Und dennoch muss in Rosenheim aktuell niemand den nächsten Lockdown befürchten, gar bezogen nur auf das Stadtgebiet: Denn ein „Schlupfloch“ in der zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten ausgehandelten Regelung beinhaltet, dass lokale Hotspots, die sich eingrenzen lassen, wie beispielsweise Pflegeheime oder im Fall Rosenheim Asylunterkünfte, herausgerechnet werden können. Und dann liegt die kreisfreie Stadt wieder im Bereich der 20er-, 30er-Werte – und somit bei komfortablen Mittelwerten, raus aus der „Gefahrenzone“ eines erneuten Lockdowns.

Die Landkreis-Zahlen

Im selben Bereich bewegt sich dieser Tage auch der Landkreis Rosenheim. 36,02 ist der aktuelleste Wert, der diesbezüglich von Seiten des Landratsamtes zu erhalten war, Stand 13. Mai, 10 Uhr. Wobei das Gesundheitsamt für Mittwoch positive Nachrichten zu vermelden hatte: nur zehn Neuinfizierte für Stadt und Landkreis (insgesamt 2693 Fälle, Stand 13. Mai) – was durchaus als Anzeichen für eine Entspannung der Lage in der Region gewertet werden könnte. Denn: Bereits schon Vortag lag die Zunahme bei lediglich +11.

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Während im Landkreis Rosenheim insbesondere die Pflegeheime immer wieder für regionale Hotspots sorgen – darunter zuletzt Bernau und Prien –, liegt im Stadtgebiet das Augenmerk auf den Asylbewerberunterkünften.

Ein Infektionsschwerpunkt in Rosenheim wurde zuletzt entschärft: durchdie Verlegung von insgesamt 21 Infizierten weg aus der Sammelunterkunft Äußere Oberaustraße in Einrichtungen außerhalb des Landkreises. Eine Maßnahme, initiiert von der Regierung von Oberbayern, die das Heim betreibt. „Das dürfte sich in den nächsten Tagen auch in der 7-Tage-Inzidenz bemerkbar machen“, sagt Stadtsprecher Thomas Bugl.

Wie fiel der Reihentest aus?

Noch keine Ergebnisse liegen zur ebenfalls am Mittwoch durchgeführten Reihentestung in der Asylunterkunft Kufsteiner Straße vor (Betreiber: Stadt Rosenheim). Die Einrichtung, in der 48 Personen untergebracht sind, steht nach wie vor unter Quarantäne.

Entspannung in den anderen Unterkünften

Entspannt hat sich indes die Situation in der Sammelunterkunft Karlsbader Straße 8, in der 49 Personen leben. 18 galten als infiziert, sie sind Bugl zufolge inzwischen genesen; die Quarantäne ist aufgehoben.

In der dritten städtischen Einrichtung, in der Zugspitzstraße 20, sind derzeit 15 Bewohner in Quarantäne. Elf Personen sind positiv getestet, wobei zehn als genesen registriert sind. Die für die verbliebenen fünf endet die Quarantäne laut Bugl am kommenden Montag.

Hinsichtlich der Krankheitsverläufe der Covid-19-Erkrankten in den Asylunterkünften erklärt Bugl: „Wir hatten bislang keinen schweren Verlauf.“ Betroffen waren seinen Worten zufolge in den städtischen Einrichtungen überwiegend junge Männer. In der Gemeinschaftsunterkunft Äußere Oberaustraße waren seinen nach Informationen aber auch Kinder unter den Infizierten.

Neuer Corona-Fall in Bad Aiblinger Asyleinrichtung

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es heute in der Asylunterkunft an der Krankenhausstrßae in Bad Aibling, eine Einrichtung des Landkreises. Hintergrund dieses Einsatzes: die Bekanntgabe der Ergebnisse der jüngsten Coronavirus-Reihentestung. Die Einsatzkräfte seien zur „Amtshilfe“ vor Ort gewesen, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Anfrage erklärte. Eine erste Unruhe habe man offenbar schnell wieder beruhigen können.

In der Aiblinger Einrichtung waren aktuell 47 Bewohner abgestrichen worden. Eine Person wurde laut Landratsamt positiv getestet. Sie wurde samt Familie in eine andere Unterkunft verlegt.

Da die verbliebenen Bewohner als enge Kontaktpersonen gelten, sollen sie Anfang der kommenden Woche noch einmal abgestrichen werden. Wenn die Testergebnisse vorliegen, wollen Landratsamt und Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen entschieden. So lange bleibe die Quarantäne bestehen, erklärt Sprecherin Ina Krug. Am 6. Mai waren bereits 36 Bewohner der Aiblinger Unterkunft aus der Quarantäne entlassen worden.

Zwei positive Tests in Asylunterkunft in Babensham

Auch in der Asylbewerberunterkunft in Babensham wurde den Bewohnern heute die Ergebnisse der Reihentestung mitgeteilt. Zwei Bewohner haben positive Befunde. Auch sie wurden mit ihren Familien verlegt. Dennoch gelten auch hier die Bewohner als Verdachtsfälle, die bis zum Vorliegen weiterer Ergebnisse als Verdachtsfälle gelten. So wird es in der kommenden Woche eine weitere Testung geben. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über das weitere Vorgehen entschieden. So lange bleibt die Quarantäne bestehen.

Die Quarantäne in der Asylbewerberunterkunft in Samerberg ist indes aufgehoben. Die letzten Tests hätten keine weiteren positiven Befunde ergeben, so Krug. Der Bauzaun wurde bereits entfernt. Die Einrichtung war am Osterwochenende unter Quarantäne gestellt worden.

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