Aus der Spinnerei wurde eine Stadt

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Mit dem Bau der Maximiliansbahn München-Rosenheim 1857 und der dort vorhandenen Wasserkraft der Mangfall wurde das Interesse der Industrie an dem heutigen Kolbermoor geweckt: Die Baumwollspinnerei siedelte sich an. 1860 erfolgtedie Gründung der Ak-tiengesellschaft Baum-wollspinnerei Kolber-moor, kurze Zeit späterwurde mit dem Bau be-gonnen. Erst 1863, dieProduktion war bereitsaufgenommen, wurdeauch der Grundstein fürden Ort gelegt: Kolber-moor, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Kolbermoor - Sie war der Grundstock für das heutige Kolbermoor: die Baumwoll-spinnerei. Damals noch auf den Flächen der Gemeinde Mietraching erbaut, entwi-ckelte sich im Umfeld der Produktionsstätte schnell ein eigenes Ortsleben - bis im Herbst 1863 die eigenständi-ge Gemeinde Kolbermoor ins Leben gerufen wurde.

Bereits 1862 bevölkerten Bauarbeiter den Landstrich entlang der Mangfall: Im Januar 1862 hatte das sechsstöckige Hauptgebäude der Baumwollspinnerei sein Dach erhalten. Im selben Jahr wurden auch Batteurgebäude, Baumwollballenmagazin, das Verwaltungsgebäude, die Direktionswohnung, die Gasheizanstalt mit kleinem Kamin sowie die Werkstätten fertiggestellt.

Auch die Arbeiter wurden nicht vergessen: Die ersten der sechs so genannten Arbeiterhäuser mit insgesamt 36 Wohnungen entstanden auf der Spinnereiinsel zwischen Mangfall und Werkskanal - wo sie heute noch stehen und inzwischen von der Stadt aufwendig saniert wurden.

Und ebenfalls in dieser Zeit eröffnete die erste Post in Kolbermoor: Im Verwaltungsgebäude hatte man eine Poststelle eingerichtet für die damals bereits über 500 Arbeiter. Die Geschichte der Post in Kolbermoor bis heute erzählt im Übrigen eine Sonderausstellung im Heimatmuseum der Stadt, die noch bis Ende Juli zu sehen ist.

Neben dem Bau der Baumwollspinnerei lag ein weiterer Schwerpunkt der Bautätigkeit in diesen Jahren auf der Begradigung der Mangfall, die sich damals noch in großen Schleifen durchs Mangfalltal schlängel-te, und dem Bau des Werks-kanals. Im Januar 1862 schaufelte man dazu den Abzweigkanal zum Turbinenhaus (heutiges E-Werk 1) aus, dann folgte das Turbi-nenhaus, mit dessen Turbi-nen bis 1900 die Spinnerei-maschinen betrieben wur-den, und der drei Kilometer weiter nach Osten führende Kanal zurück in die Mangfall. Zeitgleich wurde im Winter 1861/62 das 62 Meter breite Wehr auf Höhe des heutigen Schwimmbades ge-baut, das 2004 aufgrund der Hochwasserregulierung wie-der abgerissen wurde. Letzteres hat auch Maler Johann Sperl verewigt: das Mangfallwehr bei Kolbermoor mit Blick über die Felder und Häuser der Aiblinger Au zum Wendelstein.

Und eine weitere Grundlage für das heutige Kolbermoor wurde in dieser Zeit gelegt: Holzbrücken über die Mangfall und den Kanal - heute die viel befahrene Verbindung zur Staatsstraße. Übrigens: Für die Holzbrü-cken hatte die Spinnerei in den Jahren 1866 bis 1874 so-gar Brückenzoll für die Über-fahrt der Fuhrwerke erho-ben.

Die Baumwollspinnerei nahm im Winter 1862/63 erstmals die Produktion auf. Damals wurden die Baumwollballen mit der Eisenbahn von Bremen nach Kolbermoor transportiert - dorthin, wo die Energie für die Maschinen war, die Wasserkraft. Die Geschäfte liefen bestens, das Kolbermoorer Garn war gefragt, es wurde expandiert: 1872 errichtete man das Kesselhaus mit dem damals 37 Meter hohen Kamin, man machte sich den Dampf zunutze.

Ein weiterer Einschnitt dann 1898: Das Hauptgebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, ein Jahr später das verheerende Mangfallhochwasser - eine neue Produktionsstätte entstand auf der Spinnereiinsel zwischen Mangfall und Kanal. Der "Neubau", inzwischen revitalisiert, wird heute für Wohnen und Büros genutzt.

Das Ende der Baumwollspinnerei Kolbermoor war 1993: Aufgrund der wachsenden Konkurrenz in Fernost und des Niedergangs des Industriezweiges in Deutschland wurde die Produktion am Standort eingestellt, zuletzt 230 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. 2004 dann die Wende : Die Familien Werndl erwarben das Areal und entwickelten unter Einbeziehung der historischen Bausubstanz eine Mischung aus Wohnen, Gastronomie und Gewerbe.

Frage 6

a) In welchem Jahr wurde der historische "Neubau" der Baumwollspinnerei eröffnet?

b) Welcher Bad Aiblinger Maler war der Kollege und Freund von Johann Sperl?

Lösung der Frage 5

a) 1996

b) sechs Meter

Bei Frage 4 a wurde am vergangenen Samstag aufgrund eines Übermittlungsfehlers leider eine falsche Antwort angegeben. Wir bedauern das Versehen. Die richtige Antwort lautet Graf Sigmund.

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