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Spektakuläres Video: Ein Mountainbiker bezwingt den Wendelstein vom Gipfel bis ins Tal

Vom Aussichtspunkt an der Bergstation rattert Markus Fleischmann die Treppen runter und balanciert sein Mountainbike dabei nur auf dem Vorderrad. Geiger
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Vom Aussichtspunkt an der Bergstation rattert Markus Fleischmann die Treppen runter und balanciert sein Mountainbike dabei nur auf dem Vorderrad.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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Der Wendelstein ist der Hausberg von Markus Fleischmann. Der 28-jährige Flintsbacher hat sich gemeinsam mit seinem Kumpel Tobias Geiger etwas vorgenommen, was vor ihnen höchstwahrscheinlich so noch keiner gemacht hat. Und damit haben sie dem Wendelstein ein filmerisches Denkmal gesetzt.

Flintsbach/Brannenburg – Ein Video mit Drohnenaufnahmen bietet Perspektiven auf den Wendelstein, wie man sie selten sieht. Die Treppen zum Gipfel sehen in der Vogelperspektive aus, wie ein verworrenes Treppen-Kunstwerk von M.C. Escher, die Bahn schlängelt sich den Berg hoch. Unterlegt sind die Aufnahmen mit entspannter Gitarrenmusik. Doch nach den ersten Bildern ändert sich die Szenerie. Die Kamera nimmt den Betrachter mit auf den Lenker eines Mountainbikes, das ganz oben auf dem Wendelstein-Gipfel steht. Dann geht es los – den Berg runter.

Auf engen Pfaden, immer nur ein paar Zentimeter vom Abgrund entfernt

Der Fahrer nimmt Treppenstufe um Treppenstufe vom Gipfel zur Bergstation und zwängt sich dabei um engste Kurven – der Abgrund immer nur ein paar Zentimeter entfernt. Man ist bei solchen Bildern schnell bei der Hand mit Beschreibungen wie waghalsig oder halsbrecherisch. Aber der Betrachter sieht gleich: Hier ist jemand am Werk, der ganz genau weiß was er tut.

Derjenige ist Markus Fleischmann (28) aus Flintsbach. Er fährt Mountainbike, seit er sieben Jahre alt ist. Wenn die Kurven am Wendelstein-Gipfel zu eng werden, um noch zu lenken, hebt er das Hinterrad in die Luft und setzt es um. Alles, ohne einmal die Füße von den Pedalen zu nehmen. „Das war der schwierigste Teil“, sagt er über den Part mit den Treppen. Danach geht es dann über Stock und Stein über schmale Wege den kompletten Wendelstein hinunter.

Die Mountainbikes zum Wendelstein-Gipfel getragen

„Auf dem Weg rauf hat niemand böse reagiert“, sagt Tobias Geiger (26), ebenfalls aus Flintsbach. Er hat aus verschiedenen Perspektiven die Aufnahmen gedreht, die Markus Fleischmann auf seinem Weg bergab zeigen. Die einzige Möglichkeit, den Berg hochzukommen, war mit dem Rad. Die beiden haben den Wendelstein vom Sudelfeld aus in Angriff genommen. Teils sind sie bergauf gefahren, teils ihre Räder geschultert. Denn weder die Zahnradbahn noch die Seilbahn nimmt Radfahrer mit auf den Wendelstein.

Sie zeigen den Wendelstein aus einer ganz neuen Perspektive: Kameramann Tobias Geiger (links) und der Mountainbike Markus Fleischmann.

Dass es auf der Strecke eng werden kann, wenn sich Radfahrer und Wanderer in die Quere kommen, ist den beiden bei ihrer „spontanen Aktion“, wie Fleischmann sagt, bewusst gewesen. Deshalb waren sie im Gipfelbereich erst nach Betriebsschluss der Bergbahnen unterwegs. Vorher haben sie im weiterläufigeren Gelände im unteren Bereich des Wendelsteins gefilmt.

Der alte Konflikt zwischen Wanderern und Radfahrern

Die Aufnahmen haben die beiden bereits im August gedreht. „Das Feedback war sehr positiv“, sagt Kameramann Geiger. Ein größeres Publikum erreicht das Video, seitdem die Wendelsteinbahn GmbH es auf Facebook geteilt hat. Da gab es dann auch kritische Kommentare. Die Mountainbiker zerstörten mit ihren Rädern die Natur, sagten manche. Und Wanderwege seien für Wanderer da, nicht für Radfahrer.

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Fleischmann und Geiger kennen diese Diskussionen, die sich aus ihrer Sicht noch einmal verstärkt haben, seitdem E-Mountainbikes im Trend sind und auch konditionell schwächere und tendenziell unerfahrene Radler damit die Berge in Angriff nehmen. „Jetzt kommt da eine größere Masse den Berg rauf“, sagt Fleischmann, der für ein gemeinschaftliches Miteinander in den Bergen wirbt. „Man muss halt einfach aufeinander achten.“ Der Bergtourismus werde immer attraktiver. Da bringe es nichts, wenn man nur auf die Radfahrer schimpfe.

Beim Betrachten des Videos vom Wendelstein stockt der Atem

Ohnehin ist das Videoprojekt der beiden nicht ansatzweise vergleichbar mit dem, was Massentouristen am Berg umtreibt. Man sieht auf den ersten Blick, dass hier jemand professionell am Werk ist. Und doch stockt dem Zuschauer beim Betrachten des Videos mehr als einmal der Atem.

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Etwa dann, wenn Fleischmann nur auf dem Vorderrad die Treppe vom Aussichtspunkt an der Wendelstein-Bergstation runter rattert. Oder als er mit dem Mountainbike seitwärts einen eineinhalb Meter hohen Absatz herunter springt – ein steiler Abhang nur ein paar Handbreit entfernt. Die Kunst dabei ist, einfach aussehen zu lassen, was jahrelanges Training erfordert. „Wir wollen mit dem Video keine Nachahmer animieren.“ Da sind sich beide einig.

Den Wendelstein auf nie dagewesene Art bezwungen

Sie sind einfach gerne in den Bergen ihrer Heimat unterwegs – zu Fuß, mit dem Skiern oder eben mit dem Rad. „Mein Ziel war einfach der Wendelstein“, sagt Fleischmann über sein Mountainbike-Projekt. Und Tobias Geiger fügt an, dass viele den Berg zwar von zahllosen Touren in- und auswendig kennen. Aber viele hätten ihm gesagt, dass sie ihren Berg noch nie aus solchen Perspektiven gesehen haben, wie er sie jetzt mit der Drohne gedreht hat. „Es war einfach mal was Neues“, sagt Fleischmann zufrieden.

Dass jemals zuvor jemand mit dem Rad vom Wendelstein runter gefahren ist, ist den beiden nicht bekannt. Auch im Netz kursieren keine weiteren Videos oder Anhaltspunkte dafür. In den Alpen ist schon lange jeder Berg bezwungen. Aber der Wendelstein eben noch nicht mit dem Rad. „Das ist auch ein Erfolgserlebnis“, sagt Markus Fleischmann. „Weil‘s eben zuvor noch keiner gemacht hat.“

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