Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Jeder fünfte Viertklässler ist bereits auf Instagram aktiv

Sozialpädagoge Martin Seidl aus Rosenheim berät zu Medienkonsum von Kindern

Gaming ist längst nicht mehr nur Hobby von Kindern und Jugendlichen.
+
Gaming ist längst nicht mehr nur Hobby von Kindern und Jugendlichen.

Mittlerweile nutzt auch ein Großteil der Grundschüler die digitalen Bildschirmmedien: „Geräte wie Tablets, Spielekonsolen, Handys oder Computer gehören heutzutage zur normalen Freizeitausstattung von Kindern und Jugendlichen“, sagt Martin Seidl.

Rosenheim– Der Sozialpädagoge ist im Gesundheitsamt Rosenheim für Suchtprävention zuständig. „Vor einigen Jahren, zum Beispiel, war Instagram noch ein Privileg für Schülerinnen und Schüler ab der Achten Klasse. Nun nützt jeder Fünfte in den 4. Klassen Instagram. Viele Viertklässler haben schon ein eigenes Handy, das nimmt jedes Jahr zu.“ Soweit es die Corona-Lage zuließ, war Seidl im zu Ende gegangenen Schuljahr unterwegs. In 22 Schulklassen war der Fachmann für Suchtprävention zu Gast, vor allem in Grundschulen.

Durch Corona verbringen Kinder noch mehr Zeit vor Bildschirmen. Sie konsumieren über Stunden sehr viele Bilder oder Filme, die bewusst oder unbewusst Einfluss auf Wünsche, Werte und Verhalten haben. „Je länger die Bildschirmzeit ist, desto kürzer ist die Zeit mit echten Vorbildern, Freunden und den Eltern“, meint Seidl. Während in der Vergangenheit das Angebot an Bildmaterialien wesentlich geringer war und meist über renommierte Anbieter vertrieben wurde, beschreibt Seidl die Gegenwart als ein endloses Meer an angebotenen, teils retuschierten Bildern über unzählige Kanäle, die im Netz wenig kontrolliert werden. Diese Inhalte seien ein wesentlicher Lerninhalt des Workshops für die Viertklässler.

Der Sozialpädagoge wirbt darin unter anderem für Bücher „Beim Lesen lernen Kinder ‚einzutauchen‘, statt wie im Internet quasi von Welle zu Welle zu surfen. Ein Buch hat keine Links, es kommen keine push up-Nachrichten und es hat ein natürliches Ende. Es fördert die Konzentration, währenddessen Texte und Filme im Internet zum Hin- und Herspringen einladen. Kinder werden oft abgelenkt oder animiert, zu weiteren Inhalten zu springen.“

Multitasker sind chronisch aufmerksamkeitsgestört

Hier zitiert Seidl den Psychiater und Dozenten von der Harward Medical School, Edward Hallowell: „Langjährige Multitasker trainieren sich eine Art chronische Aufmerksamkeitsstörung an. Sie haben ein hohes Maß an Abgelenktheit, innere Unruhe, und Ungeduld.“

Alarmierend ist aus Sicht des Fachmanns für Suchtprävention auch die Zunahme der Nutzung von Onlinespielen. „Immer, wenn wir online sind, läuft im Hintergrund eine Tracking Software. Diese erkennt genau, wo, wann, wie lange, mit wem und was das Kind am Gerät macht. Diese Daten werden ausgewertet und dazu benutzt, die User zu einer höheren Verweildauer zu bewegen, denn unterm Strich bedeutet eine höhere Verweildauer mehr Umsatz. Unter den Top Ten der umsatzstärksten Apps sind in den letzten Jahren die meisten davon Onlinespiele.“

Vorsicht sei, laut Seidl, auch dann geboten, wenn sich fremde Personen zum gemeinsamen Onlinespielen anbieten. „Kinder kennen die Möglichkeit mit anderen Spielern online zu spielen schon sehr gut und nutzen sie immer öfter, auch weil es sehr bequem ist.“

In den Workshops für die Drittklässler thematisiert Seidl vor allem den Unterschied von Computerspielen mit Spielen in der realen Welt. Kinder sollen die ganzheitliche Bedeutung des herkömmlichen Spiels erfahren und verstehen. So meinte eine Drittklässlerin nach dem Workshop: „In Minecraft kann die Figur, die ins Wasser springt, ja gar nicht wissen, wie kalt es ist.“

Weitere Artikel und Nachrichten aus Rosenheim finden Sie hier.

„Wir wollen vom Gesundheitsamt aus die digitalen Medien für Kinder nicht verteufeln, aber jedes Alter hat seine eigenen Lern- und Entwicklungsschritte. Im Grundschulalter sollten analoge Freizeitbeschäftigungen und herkömmliches Spielen ein solides Fundament der Kinder fördern“, sagt der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Hierl.

Seidl bietet in seinen Elternvorträgen drei Bausteine an: Kinder stärken, das Umfeld mitgestalten und den Zugang zu den Geräten begrenzen beziehungsweise digitale Medien gezielt einsetzen. Mehr Informationen sind unter www.phonesmart-share.de zu finden. (re)

Mehr zum Thema

Kommentare