ROMED-CHEFARZT IM INTERVIEW

Sorge wegen Corona-Mutationen: Dr. Hanns Lohner sieht Rosenheimer Klinikum „gut vorbereitet“

In Wartestellung: Das Romed-Klinikum in Rosenheim hält trotz sinkender Fallzahlen seine Covid-Stationen in Bereitschaft – wegen der Mutationen.
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In Wartestellung: Das Romed-Klinikum in Rosenheim hält trotz sinkender Fallzahlen seine Covid-Stationen in Bereitschaft – wegen der Mutationen.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Rosenheim – Die Corona-Zahlen sinken, doch wächst die Besorgnis wegen der Mutationen des Virus. Was da auf die Region zukommt, ob auch künftig Impfungen Schutz versprechen – darüber sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit Dr. Hanns Lohner, Chefarzt und Pandemie-Beauftragter im Romed-Klinikverbund.

Wie hoch schätzen Sie den Anteil an Mutationen ein?

Dr. Hanns Lohner: „Es gibt Erhebungen von verschiedenen Labors, die Stichproben entnommen und daraus einen Anteil von mittlerweile 5,8 Prozent der Infektionen errechnet haben, der durch eine der genannten Varianten zustande kommt. Wir müssen davon ausgehen, dass dieser Anteil künftig noch steigt.“

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Was kommt da auf uns zu?

Dr. Lohner: „So viel Gesichertes weiß man noch gar nicht. Es gibt zarte Hinweise, dass bei der britischen Variante die Schwere des Verlaufs etwas erhöht werden könnte, aber gesichert ist das nicht. Das RKI sagt, im Einzelfall könnte es schwerere Verläufe geben.

Bei der südafrikanischen Variante stellt sich die Frage, ob die Impfung noch so wirksam ist wie gegen Infektionen ohne Variante. Am Sonntag kam die Meldung, dass sich 14 Bewohner eines Heims im Landkreis Osnabrück nach kompletter Impfung mit der britischen Variante infiziert haben. Das sind beunruhigende Hinweise.“

Gilt das für alle Wirkstoffe gleichermaßen?

Dr. Lohner: „Astrazeneca wird in Südafrika derzeit nicht an Gesundheitsmitarbeiter verimpft, weil man Zweifel an seiner Wirksamkeit gegen die Virus-Mutation B.1.351, also gegen die Südafrika-Variante hat. Für die anderen Impfstoffe gibt es zumindest Laborstudien, die auf eine Wirksamkeit auch gegen die Varianten hinweisen.

Schwere des Verlaufs und möglicherweise geringere Wirksamkeit, damit haben wir zu tun, wobei das nicht so gute Ansprechen auf die Impfung aus meiner Sicht die größere Gefahr ist. Die Schwere der Fälle scheint nicht in dem Ausmaß das Problem zu werden.“

Es heißt, die Varianten seien ansteckender...

Dr. Lohner: „Ja, die Varianten scheinen ansteckender zu sein, es führt bereits weniger Virus dazu, dass die Infektion eintritt, und das hat in England und in Portugal bereits die Zahlen schnell hochgetrieben. Das kann einen besorgt machen, denn obwohl bei uns gerade die Zahlen runtergehen, kann das Virus durch die erhöhte Übertragungsrate die Kurve wieder nach oben treiben.“

Dr. Hanns Lohner, Pandemie-Beauftragter im Romed-Klinikverbund.

Wie sind die Romed-Kliniken vorbereitet?

Dr. Lohner: „Wir sind insofern vorbereitet, dass wir unsere Covid-Stationen trotz derzeit sinkender Fallzahlen weiter vorhalten. Wir haben weniger Fälle, und wenn ähnlich wie im Mai 2020 die Zahlen längerfristig sinken, könnten wir Betten wieder umwidmen. Schließlich sind einige Stationen umgezogen, damit wir genügend Platz für die Covid-Versorgung haben.

Nun aber bauen wir trotz sinkender Zahlen nicht rasch zurück. Wir sind einfach vorsichtig. Ansonsten tragen wir weiter die übliche Schutzausrüstung, die ja auch gegen die Virusvarianten schützt. Wir versuchen weiter, die gleichen Regeln akkurat zu befolgen. Damit sind wir ausreichend geschützt. Die wesentliche Konsequenz, die wir aus der aktuellen Lage ziehen, liegt darin, dass wir weiter Betten vorhalten, um auch mit erneut ansteigenden Zahlen umgehen zu können.“

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Die Nervosität steige, so hört man, auch bei Romed setze der eine oder andere sogar schon auf FFP-3-Masken.

Dr. Lohner: „Das machen wir auf Intensivstationen, bei Maßnahmen, bei denen Aerosole produziert werden, also beim Intubieren und so weiter. Da nehmen wir ohnehin FFP3-Masken. Aber generell – so weit gehen wir nicht. FFP-2-Standard ist für jeden verpflichtend, wir verwenden keinen bloßen Mund-Nasen-Schutz mehr, sondern FFP2 für Patienten wie Mitarbeiter, auch im Kontakt untereinander.

Eventuell ziehen wir noch einen Mund-Nasen-Schutz drüber – aber auch das machen wir schon die ganze Zeit, das hat mit der Variante nicht so viel zu tun. Es gibt auch vom RKI keine Empfehlung, sich anders aufzustellen.“

Also gar keine Nervosität?

Dr. Lohner: „So ganz will ich das nicht sagen. Der Anteil der Varianten unter den positiven Tests wird zunehmen, und wir versuchen uns darauf vorzubereiten. Dass Panik herrschte, das ist jedenfalls sicher nicht der Fall. Wir fühlen uns gut vorbereitet.“

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Dennoch hören wir lauter werdende Rufe nach Lockerungen… Kommen die zum falschen Zeitpunkt?

Dr. Lohner: „Das ist wie immer eine politische Entscheidung. Intensivmediziner warnen davor, dass zu schnell gelockert wird. Wenn die Varianten um sich greifen, dann müssen wir uns darauf einstellen, dass die Zahlen wieder steigen, auch bei den gleichen Maßnahmen. Es ist eben nicht vorgezeichnet, dass, wie damals im Mai, die Zahlen dauerhaft runtergehen.

Prognosen darüber, wie sich die Varianten bei uns auswirken und was das mit den Fallzahlen macht, sind aber sehr schwierig. In die Entscheidung über Lockdown-Maßnahmen spielt noch mehr rein, eben die Situation der Wirtschaft und so weiter. Die Diskussion über Lockerungen kann nicht nur aus medizinischer Perspektive geführt werden.“

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