Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Fotovoltaik als kommunales Projekt

Bernauer Genossenschaft könnte mehr Sonnenenergie für Rimsting bringen

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines kommunalen Bauhofs: So ähnlich wie hier soll es nach Vorstellungen der Bernauer Genossenschaft Bürgerenergie Chiemgau auch in Rimsting aussehen, wo man unter anderem noch freie Flächen auf dem Turnhallendach sieht
+
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines kommunalen Bauhofs: So ähnlich wie hier soll es nach Vorstellungen der Bernauer Genossenschaft Bürgerenergie Chiemgau auch in Rimsting aussehen, wo man unter anderem noch freie Flächen auf dem Turnhallendach sieht
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
    schließen

Rimsting berät über das Bernauer Genossenschaftsmodell, welches kommunale Dächer für die Anpachtung von Fotovoltaikflächen sucht. Die eG hat schon einige Projekte erfolgreich umgesetzt und bietet zudem Bürgerbeteiligungen an. Die Rimstinger Gemeinderäte sind angetan.

Rimsting/Bernau – Günstige Solarenergie direkt vor Ort erzeugen und nutzen, und dabei noch ein Anlageobjekt für Einheimische schaffen – dies und mehr sind die Ziele der gemeinnützigen Bürgerenergie Chiemgau eG aus Bernau. Die Genossenschaft hat bei der Gemeinde Rimsting angefragt, das Dach der Turnhalle zur Nutzung für eine Fotovoltaikanlage pachten zu dürfen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte David Schmidtner (Klimaschutzmanager in Bernau und Aschau) seine Ideen vor. 2017 gründete er die genossenschaftliche Bürgerenergie Chiemgau.

Wertschöpfung bleibt regional

Er führte dem Gremium vor Augen, dass Deutschland seine Energie zu 70 Prozent aus dem Ausland importiert und dafür im Jahr rund 60 Milliarden Euro ausgibt – „das ist erschreckend. Wir könnten selbst viel mehr produzieren, wenn auch nie zu 100 Prozent. Aber wir können einen Teil der Wertschöpfung wieder regional bündeln, um weniger abhängig vom Ausland sein.“ Mit eigens erzeugter Energie könnten Kommunen auf diese Weise ihren Strompreis selbst bestimmen, etwa, indem sie freie Dachflächen an die Genossenschaft vermieteten. Diese belegt die Flächen mit Photovoltaikanlagen ab einer wirtschaftlichen Größe und kümmert sich um alles Organisatorische und Bürokratische.

Lesen Sie auch: Energiegeladen: David Schmidtner berät als Klimamanager zwei Gemeinden (Plus-Artikel OVB-Online)

Die Gemeinde könne den gewonnenen Solarstrom einspeisen und selbst nutzen. Durch die Beteiligung der Bürger können die Anlagen gebaut werden, die Genossenschaftsmitglieder erhalten eine Dividende. Die Bernauer Genossenschaft startete mit 134 Mitgliedern, aktuell sind es 280. 14 Bürgerenergieanlagen auf Schulen, Kinder- und Seniorenheimen, Verwaltungs- und Bankgebäuden sowie Parkhäusern hat man bislang gebaut und damit geholfen, 400 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

20 Jahre Laufzeit

In Rimsting sieht Schmidtner noch Potenziale auf den Dächern der Schule, des Kindergartens, des Bauhofs, der Feuerwehr, auf Trinkwasser- und Wärmepumpen („tolle Standorte“) und eben dem Sporthallendach, das noch zu einem Großteil nutzbar sei. Für dieses schlägt er eine reine Einspeiseanlage vor, da sich darauf schon eine Solaranlage befindet. Die zweite Variante, das Mietmodell, bei dem der erzeugte Strom gleich selbst verbraucht wird, komme in diesem Fall nicht infrage. Die Gemeinde würde beim Einspeisemodell von der Genossenschaft eine „Dachpacht“ erhalten, Bürger könnten sich ab etwa 250 Euro Anlage beteiligen und dafür eine derzeit 1,5-prozentige Dividende erhalten. Die Mindest-Anlagezeit betrage drei Jahre. „Die Anlage selbst läuft gut 20 Jahre“, so Schmidtner.

Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU), selbst angetan von der Idee, übergab das Wort ans Gremium. Brigitte Feichtner (UWG) wollte wissen, woher die Solarpaneele kommen – „etwa aus China?“ Die Module seien bisher von einer deutschen Firma gekommen, so Schmidtner, doch die Herkunft sei inzwischen nicht mehr so relevant, da der Markt für Silizium-Wafer global sei: „Im Moment herrscht hoher Preisdruck, daher kommen die meisten Anlagen aus Asien, etwa aus Korea. Die Hersteller haben jedoch ihre Servicestellen in Europa, und es ist besser, asiatische Modelle zu kaufen, als gar keine zu nutzen.“

Lesen Sie auch: Intelligente Laternen für Rimsting - Grüne wollen neues energiesparendes System (Plus-Artikel OVB-Online)

Weiter kam die Frage auf, ob sich eine Beteiligung angesichts der sich verändernden Einspeisevergütung noch lohne. Diese sinke von Monat zu Monat. Laut Schmidtner aber profitierten alle Beteiligten vom Anlagepool: „Mit jeder neuen Anlage läuft die Uhr wieder für 20 Jahre. Wir wollen bis mindestens 2050 investieren, und sehen keine Gefahr, dass die Dividenden plötzlich fallen.“ Die Genossenschaft bilde Rücklagen und die Bürgeranlagen werden so kalkuliert, „dass immer die Mindestrendite herauskommt.“

Bürger können sich beteiligen

Georg Heindl (CSU) antwortete der Solarexperte auf dessen Frage, wer eines Tages die Kosten für den Rückbau einer veralteten Anlage trage, dass dies Aufgabe der Genossenschaft sei. Ebenso gebe es eine Ausfallversicherung, etwa, wenn ein Dach wie das der Turnhalle repariert werden müsse. Danach hatte Fenzl gefragt, ebenso Thomas Schuster (CSU), der an die langwierige Dachreparatur der Grassauer Turnhalle erinnerte.

Mary Fischer (FW) interessierte, wann die Anleger ihr Geld zurückerhalten. „Um Spekulation zu vermeiden, ist die Frist auf drei Jahre festgelegt“, so Schmidtner. In der Sitzung wurde kein Beschluss gefasst, jedoch war man sich einig, dass man sich weiter mit dem Bernauer Genossenschaftsmodell beschäftigen will und demnächst eine Entscheidung fällen wird.

Mehr zum Thema

Kommentare