Solidarität bis über Tod hinaus

Völlig überraschend ist im Alter von 51 Jahren Otto Erlemann gestorben. Mit einer Spendenaktion finanzieren nun die Schützen seine Beerdigung. Foto  re
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Völlig überraschend ist im Alter von 51 Jahren Otto Erlemann gestorben. Mit einer Spendenaktion finanzieren nun die Schützen seine Beerdigung. Foto re

"Er war ein guter Freund", sagt Andreas Wimmer über Otto Erlemann. Wimmers Schützenkamerad bei der Schützengesellschaft Endorf ist am 10. November überraschend gestorben. Der 51-Jährige, der die letzten Jahre im Pflegeheim Linde in Bad Endorf gelebt hatte, erlag einer Hirnblutung. Tief betroffen hat Wimmer gemacht, dass der mittellose Erlemann ein anonymes Armenbegräbnis erhalten sollte. Er hat deshalb eine Spendenaktion im Schützengau Chiemgau-Prien initiiert.

Bad Endorf/Rimsting - Der Schießsport war die große Leidenschaft von Otto Erlemann. Seit 1975 war er als Schütze in verschiedenen Vereinen aktiv. Als er 2006 in das Pflegeheim Linde nach Bad Endorf zog, trat er in die Schützengesellschaft Endorf ein.

"Schütze mit Leib und Seele"

Der in Schongau geborene Erlemann hatte seit seiner Jugend an einer Krankheit zu tragen, die es ihm an vielen Tagen unmöglich machte, sich klar zu artikulieren. "Er hat sehr darunter gelitten, dass er seine Gedanken verbal oft nicht ausdrücken konnte", sagt Wimmer, Zweiter Schützenmeister der SG Endorf. Erlemann hatte keine Familie mehr und durch seine Blockade fiel es ihm schwer, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Umso wichtiger war ihm der Verein: "Er hat immer versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen und Aufgaben zu übernehmen", erzählt Wimmer. So stiftete er als geschickter Schnitzer dem Verein zahlreiche Schützenscheiben und unterstützte mit seinen bescheidenen Möglichkeiten die Schützenjugend, bei der er auch Ehrenmitglied war.

Erlemann sei ein Schütze mit Leib und Seele gewesen, so Wimmer. "Er hatte nicht nur gute Schießergebnisse. Ich habe auch noch nie jemanden erlebt, der so gewissenhaft mit seinem Luftgewehr umgegangen ist."

Erlemann hatte schon früh die Eltern verloren und war bei Tante und Onkel aufgewachsen. Eine Ehe scheiterte und die Krankheit, die ihm eine Berufsausübung unmöglich machte, führte schließlich auch zum sozialen Abstieg. Lange Jahre lebte er in Pflegeeinrichtungen. Als Erlemann starb, war er völlig mittellos. In einem solchen Fall übernimmt die Gemeinde nur eine anonyme Armenbestattung.

Für ein "anständiges Begräbnis"

Das aber wollte Wimmer nicht zulassen: "Es kann doch nicht sein, dass jemand kein anständiges Begräbnis bekommt, nur weil er kein Geld hat", meint er und rief bei der Gauversammlung einen Tag nach Erlemanns Tod zu einer Spendenaktion auf. Gleich am ersten Abend kamen fast 400 Euro zusammen. In den folgenden Tagen und Wochen gingen schließlich weitere Spenden von Mitgliedsvereinen des Gaus, von Freunden, Mitarbeitern des Pflegeheims und von Privatpersonen ein. Wimmer freut sich nicht nur über die Unterstützung, sondern ist auch stolz auf den Zusammenhalt der Schützen: "Das zeigt, dass Kameradschaft und Solidarität nicht nur leere Formeln sind."

Bad Endorfs Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben weiß um das Problem mit den Armenbestattungen: "Das ist leider gar nicht so selten." Sie bekundete ihren Respekt angesichts der Spendenaktion: "Es ist schön, wenn ein solcher Zusammenhalt besteht."

Mittlerweile ist genug Geld zusammengekommen, um die Beerdigung und eine Urnennische in der Natursteinmauer hinter der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Bad Endorf für zunächst zehn Jahre zu bezahlen. Wenn weitere Spenden eingehen, sollen die Mittel laut Wimmer für eine Verlängerung der Urnenstelle und für die Grabpflege aufgewendet werden. Wer helfen will, kann sich an Andreas Wimmer, Telefon 0173/17 87 517 wenden.

Der Trauergottesdienst für Otto Erlemann findet morgen, Freitag, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakobus in Bad Endorf statt. Im Anschluss ist das letzte Geleit zur Urnenbeisetzung.

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