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Masern-Impfpflicht bleibt: Bundesverfassungsgericht weist Eltern-Klagen ab

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Atelier „Lieblingsteil“ in Söchtenau

Upcycling der Umwelt zuliebe - So näht eine Modedesignerin neue Kleidung aus altem Material

Im Atelier von Lieblingsteil in Söchtenau: Modedesignerin Gudrun Weber und Industrieschneiderin Barbara Brandl (von links).
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Im Atelier von Lieblingsteil in Söchtenau: Modedesignerin Gudrun Weber und Industrieschneiderin Barbara Brandl (von links).
  • VonKatharina Heinz
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„Dieser Blazer war einmal eine Jeans“, sagt Gudrun Weber, während sie mit gekonnten Griffen die Nähte und Knöpfe prüft. Die gelernte Modedesignerin hat sich in ihrem Atelier in Söchtenau dem „Upcycling“ verschrieben – sie kreiert neue Kleidungsstücke aus alten Materialien.

Söchtenau – Neben dem Jeans-Blazer liegt ein Kinderdirndl, dessen Schürze einmal ein Männerhemd war. Mitarbeiterin Barbara Brandl näht an einer Hose aus Stoffen einer Überproduktion.

Konsumverhalten hat sich sehr geändert

„Wir müssen wegkommen von dieser Wegwerf-Mentalität“, sagt Weber, die aus Freiburg stammt und in Sigmaringen ein Modefachstudium mit Industrieschneiderlehre absolviert hat. Nach einigen Zwischenstationen ging sie zu Marc O´Polo nach Stephanskirchen. Im Unternehmen habe sie in verschiedenen Bereichen wie der Entwicklung, der Materialbeschaffung sowie der Produktion und Lizenzen gearbeitet.

Dabei wurden ihr einige Dinge klar. Zum einen, dass sich das Konsumverhalten stark verändert habe. „Die jungen Leute bestellen im Internet eine Auswahl an verschiedenen Größen und schicken dann Dreiviertel der Bestellung wieder zurück “, erklärt sie. Am Ende passiere es, dass zurückgeschickte, reduzierte und unverkaufte Produkte verbrannt würden. „Was für eine Verschwendung!“, sagt die Designerin.

„Die Mode muss transformiert werden“, ist Weber überzeugt. Es müsse weniger Überproduktion geben, die die Ressourcen belaste. Einen Weg hin zu einer Kreislaufwirtschaft habe sie in den herkömmlichen Modefirmen aber nicht gesehen. Daher hat sich Weber vor acht Jahren selbstständig gemacht.

Mit ihrer Firma „Lieblingsteil“ hat sie das Gebäude der alten Gendarmerie in Söchtenau bezogen. Ihre ersten Kollektionen waren Trachtengarderobe. Aus alten, aber hochwertigen Männeranzugstoffen entstanden Dirndl, die dank der Nadelstreifen und klaren Linien skandinavisch anmuteten. „Klassische Teile, die lange tragbar sind und sich nicht nach Trendfarben richten“, erklärt sie.

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Einen Wandel in der Produktion gab es mit der Corona-Pandemie. Da Feste ausfielen und der Bedarf an Tracht nachließ, kreierte die Designerin eine „Wind und Wetter-Kollektion“. Inzwischen sind Pullover, Jacken, Kleider, Röcke und Hosen im Sortiment. Das Label ist in einem Multi-Künstler-Geschäft am Rosenheimer Mittertor, in einem Pop up-Store am Münchner Rathaus und online vertreten.

Naturmaterialien überwiegen

Mit Second-Hand oder Altem-Klamotten-Muff hat „Lieblingsteil“ nichts zu tun. „Ich habe schon immer mit Premium-Stoffen gearbeitet“, so Weber. Sie bezieht ihre Materialien aus Überproduktionen oder Restposten. Naturmaterialien wie Hanf, Leinen oder Seide überwiegen in ihrem Atelier. Auch alte Kleidungsstücke nimmt sie an, wenn sie für ein Upcycling geeignet sind.

Neben den Kollektionen bietet sie Maßarbeiten nach dem Motto „aus alt mach neu“ an. Daher, so erklärt sie, komme auch der Label-Name. „Jeder hat doch ein Lieblingsteil, dass vielleicht zu klein wurde, aber noch nicht abgeliebt ist.“ Anstatt es wegzuwerfen, haucht die Designerin ihm neues Leben ein. Die Herausforderung dabei: Herauszufinden, was der Kunde möchte. „Wir fragen ganz viel und tasten uns heran“, so Weber. Wenn es nicht passt, wird nachgearbeitet. „Wir machen alles, bis der Kunde glücklich ist“, erklärt sie. Denn eben diese Wertschätzung dem Kunden und dem Stoff gegenüber sei das Schönste am Job.

Basis-Teile kombinieren und aufpeppen

Verzicht auf Fast Fashion, nach Bedarf konsumieren und wenige, dafür hochwertige Stücke im Kleiderschrank – diese Philosophie lebt Weber selbst. „Im ersten Jahr habe ich den Test gemacht und nichts Neues gekauft“, erzählt sie. Kein Problem. Um gut angezogen zu sein, brauche es nicht viel. Wichtig sei es, seinen Stil zu kennen. Dann reicht eine Basis-Kollektion, die man auf verschiedene Arten kombinieren kann und mit einigen Highlights aufpeppt.

Als „sinnvoll und nachhaltig“ bezeichnet Ursula Fees, Geschäftsführerin des BUND Naturschutz Rosenheim, das Konzept von Upcycling in der Mode. Sie betont, dass die Kleidungsbranche in diversen Bereichen Auswirkungen auf die Umwelt und damit eine große Verantwortung habe. Konkret nennt sie etwa den immensen Verbrauch von Wasser oder den Einsatz von Chemikalien, der nicht nur für die Natur, sondern auch für die Produzenten und letztlich sogar für die Konsumenten schädlich sei. „Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das nicht produziert wird“, betont sie.

Bessere Qualität bringt längere Freude

Doch die Kleidungsindustrie schaffe mit ständig wechselnden Kollektionen Anreize, mehr zu konsumieren, als man wirklich braucht. Die Lebensdauer von Kleidung zu verlängern, indem man sie upcycelt, sei dagegen nachhaltig. Beim BUND Naturschutz bewertet man auch die vermehrt aufkommenden Kleidertausch-Partys positiv. Fees ist optimistisch: Sie sieht mehr als einen Trend, sondern einen Wandel beim Kleidungs-Konsum. Allerdings sei auch Aufklärung nötig. Dem Konsumenten müsse erklärt werden, warum ein „grünes“ Kleidungsstück teurer ist – weil es die Umwelt weniger belastet, die Qualität meist besser ist und man länger Freude daran hat.

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