Blick in die Einrichtungen

Coronavirus: So läuft das Leben aktuell in den Alten- und Pflegeheimen in der Region

In Alten- und Pflegeeinrichtungen herrschen für Besucher strenge Auflagen. Im Landkreis Rosenheim müssen die Angehörigen in vielen Heimen Termine buchen.
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In Alten- und Pflegeeinrichtungen herrschen für Besucher strenge Auflagen. Im Landkreis Rosenheim müssen die Angehörigen in vielen Heimen Termine buchen.
  • vonAlexandra Schöne
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In den Alten- und Pflegeheimen in der Region Rosenheim hat sich der Alltag während der Corona-Pandemie eingespielt. Was ist neu, was ist gleich geblieben? Ein Blick in Einrichtungen in der Region und in eine Welt, in der Menschen ihre Angehörigen teils nur noch hinter Plexiglasscheiben sehen.

Rosenheim – Clemens Kraus ist zuversichtlich. Der Leiter des Caritas-Altenheims St. Martin in Rosenheim bewertet die aktuelle Lage in seinem Heim wie folgt: Geändert habe sich in den vergangenen Monaten im Haus nicht viel. Zumindest für die Mitarbeiter. „Wir sind genauso wachsam wie im Mai“, sagt Kraus. Man sei außerdem – was Schutzmaterialien angeht – besser ausgerüstet als zu Beginn der Pandemie. Alle Mitarbeiter trügen Mundschutze, überall im Haus seien Desinfektionsmittelspender aufgestellt.

Negativer Test ist Pflicht vor Einzug

Genauso sieht es im Seniorenheim „Haus Lohholz“ in Kolbermoor aus. Dort müssen laut Geschäftsführer Gregor Kumberger die Angestellten in den Innenräumen Masken tragen, nicht aber die Bewohner. Von jedem von ihnen, der neu in die Einrichtung einziehen möchte, muss vorher einen Corona-Abstrich genommen werden. Ist der Test negativ, dürfte der Patient ins Haus kommen, sagt Kumberger.

So wird auch im Pflegezentrum Burg „Maria Stern“ in Wasserburg verfahren. Dort müssen laut Einrichtungsleiter Hamo Merdan neue Bewohner sogar zwei negative Tests vorweisen. Sind sie dann einmal in die Einrichtung eingezogen, dürfen sie sich frei bewegen und auch nach draußen gehen. Gleiches gilt im 33 Kilometer entfernten Kolbermoor für die Patienten und Bewohner im Haus Lohholz. Es werde niemand weggesperrt, betont Geschäftsführer Kumberger. Aufgrund der Schutzvorschriften im Haus habe es noch keinen Corona-Fall gegeben.

Yoga und Sport in kleinen Gruppen

Die Senioren gehen Kumberger zufolge mit der neuen Besuchssituation gut um. „Sie sagen, dass sie schon Schlimmeres erlebt haben. Dann werden sie das auch noch ertragen.“ Vereinsamen würden die Senioren nicht, da sie ihre Angehörigen wieder sehen dürfen. Außerdem gebe es zur Beschäftigung wieder Yoga und Sport in kleinen Gruppen.

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Im Pur Vital Pflegezentrum in Bergen hat es genau wie in Kolbermoor und Wasserburg noch keine infizierte Person in der Einrichtung gegeben. „Ich hoffe, dass es auch so bleibt“, sagt Pflegedienstleiter Jens Fröde am Telefon. Auch in Bergen habe man ein grundsätzlich immer ein Hygienekonzept in Kraft. Neu seien seit Corona die FFP2 Atemschutzmasken, die jeder Mitarbeiter trägt.

Mehr Freiheiten für Bewohner und Patienten

Während die Angestellten in den Einrichtungen im ganzen Landkreis sich an strenge Schutzauflagen halten müssen, gibt es für die Patienten und Bewohner wieder mehr Freiheiten. Die bayerische Staatsregierung hatte am 13. März weitgehende Besuchsverbote in Senioren- und Pflegeeinrichtungen beschlossen. Diese Regel wurde mittlerweile gelockert.

Seit dem 29. Juni dürfen Angehörige die Bewohner wieder mehr besuchen. Im Pur Vital Zentrum in Bergen wurde dafür das Café der Einrichtung zum Besuchszimmer umfunktioniert. Die Angehörigen können laut Jens Fröde entweder dort die Bewohner sehen oder mit ihnen nach draußen gehen. „Die meisten sind bei schönem Wetter an der frischen Luft“, berichtet der Pflegedienstleiter. Die Besucher müssten sich zuvor anmelden.

Ähnlich ist das Konzept im Kolbermoorer Haus Lohholz und auf Burg Maria Stern in Wasserburg. Dort seien im Besucherraum Plexiglasscheiben installiert worden, berichtet Merdan. „Die Angehörigen dürfen den Patienten leider nicht näher kommen und sie umarmen.“

„Ich darf sie nicht mal in den Arm nehmen“

Jahrelang hat Ferdinand Walesch aus Rosenheim seine Frau gepflegt, ehe er sie ins Senioren- und Pflegeheim Haus Mangfall in Kolbermoor gebracht hat. Für den 81-Jährigen seien die vergangenen Monate hart gewesen. Zunächst habe er seine Frau wegen der strengen Hygienemaßnahmen gar nicht mehr besuchen dürfen. Er hatte Verständnis dafür, sagt er.

Jetzt müsse er sich bei Besuchen nach wie vor an strenge Regeln halten: „Ich sehe meine Frau nur durch eine Plexiglasscheibe. Ich darf sie nicht mal in den Arm nehmen.“

Plätze werden wir im Restaurant reserviert

Gregor Kumberger hat in Kolbermoor währenddessen mit seinen Mitarbeitern draußen ein Zelt und mehrere überdachte Bereiche eingerichtet. Wie im Restaurant reservieren die Angehörigen bei der Verwaltung einen Termin für ihren Besuch. Mitarbeiter holen sie dann am Eingang ab.

Das sagt auch Clemens Kraus vom Caritas-Altenheim in Rosenheim. Viele Patienten hätten durchaus auch Ängste wegen dem aktuellen Geschehen in der Corona-Krise. Da müsse er und seine Mitarbeiter mit den Bewohnern sprechen und versuchen, ihnen diese Ängste zu nehmen. „Wir stehen auch in Kontakt mit den Angehörigen, was Isolation und Quarantäne betrifft“, sagt Kraus gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

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